Konstanz Zwischen Kluftinger und Miss Marple: Janette John schreibt Bodensee-Krimis im Eigenverlag

Janette John schreibt Krimis mit Konstanzer Lokalbezug. Als Autorin im Eigenverlag erledigt sie fast die gesamte oganisatorische Arbeit selbst. Ein Porträt über die Ochsentour einer Teilzeit-Autorin.

"Da drüben liegt meine Leiche." Janette John weist in Richtung Konzertmuschel im Stadtgarten. Eine Leiche, mitten im größten Park von Konstanz? Alles ganz harmlos, denn Janette John ist Krimiautorin und die Leiche – eine junge Frau, die im Winter wie ein Schneeengel dort liegt – ist das Opfer in "Zeit voller Zorn", dem fünften Roman ihrer Reihe Kripo Bodensee. Auf die Idee des blutverschmierten Schneeengels sei sie während eines Besuchs des Weihnachtsmarkts gekommen. "Ich fand das faszinierend: Auf der einen Seite der Trubel und nur wenige Meter weiter die Dunkelheit", sagt sie.

Janette John lebt seit 25 Jahren am Bodensee, heißt eigentlich anders, schreibt ihre Bücher aber lieber unter dem international klingenden Pseudonym. "Falls es mit dem großen Durchbruch noch klappt", sagt die aus Berlin stammende Frau und lacht. Sie nennt sich selbst ein "kleines Licht am Krimihimmel" und will auch gar keine Profiautorin werden. "Es soll ein Hobby bleiben, das mir vielleicht den ein oder anderen größeren Urlaub ermöglicht", sagt Janette John. Sie veröffentlicht ihre Bücher im Eigenverlag, ist also einerseits frei von Vorgaben eines Verlags, muss aber andererseits fast die gesamte Hintergrundarbeit selbst machen. "Ich kaufe mir nur meine Lektorin und eine Grafikerin ein, die das Buchcover gestaltet", beschreibt sie. Der Rest ist Eigenarbeit. Bis die Krimis schließlich als E-Books oder Taschenbücher im Internet über den Riesenhändler Amazon bereitstehen. Leben kann John davon nicht, aber dem Arbeitsalltag im Büro eine kreative Note verleihen.

Die Reihe Kripo Bodensee spielt in Konstanz, wichtigste Ermittlerin ist die junge Beamtin Nadine Andres, das Revier ist – wo auch sonst? – am Benediktinerplatz angesiedelt. Für den nötigen Humor sorgen zwei ältere Damen, die sich aus ihrem Altenheim regelmäßig in die Ermittlungen einmischen. Das trägt Züge von Miss Marple. "In einer der beiden erkenne ich viel von mir, sie ist die typische Berliner Schnauze", sagt Janette John. Der Spaß, den sie am Schreiben habe, soll sich auch in den Büchern wiederfinden. So schlittert im ersten Teil "Mit mörderischem Kalkül" ein etwas verschrobener Beamter der Straßenverkehrsbehörde in den Fall hinein. Erinnerungen an den berühmten Allgäuer Kommissar Kluftinger sind ausdrücklich erwünscht. "Nur das mit dem Dialekt lasse ich sein, das steht mir als Zugezogene auch gar nicht zu und würde die Menschen hier nur veralbern", meint John.

Auf das Schreiben ist sie vor knapp zehn Jahren gekommen, als sie ein Fernsehinterview mit einer 18-jährigen Liebesromanautorin sah. "Ich habe mich gefragt: Wie soll eine so junge Frau über die Liebe schreiben, das kannst du mit Anfang 40 doch auch." So hat sie begonnen, das Handwerk des Schreibens zu lernen, zwei Jahre lang per Fernstudium an einer Autorenschule in Hamburg. Es folgte die klassische Ochsentour: "Ich habe bestimmt über 50 Verlagen mein Exposé vorgelegt, versuchte es bei Literaturagenturen, ging mit Leseproben zur Frankfurter Buchmesse." Erfolg hatte sie dabei nicht. "Meist habe ich freundliche Ablehnungen bekommen, manchmal auch einfach gar nichts mehr gehört." Die Autorin entschloss sich zum Genrewechsel: von Liebe über Fantasy für Jugendliche bis zum Bodensee-Krimi.

Angesichts der vielen Widrigkeiten aufzugeben, hätte nicht zu ihrer Mentalität gepasst. "Ich habe früh gelernt, mich durchs Leben zu beißen", erklärt Janette John. Inzwischen hat sie sich mit dem Leben als Teilzeitautorin angefreundet. Das kostet durchaus Überwindung. "Vor der Tastatur zu sitzen, kann hart sein, wenn man bereits den halben Tag gearbeitet hat und das schöne Wetter an den Bodensee lockt", gesteht John. Wenn sie sich ans Schreiben macht, ist ihr Buch im Kopf bereits weit vorangeschritten. "Das Gerippe trage ich in meinem Handy eigentlich immer mit mir." Dort tippt sie spontane Ideen hinein, aber auch die wesentlichen Züge der Charaktere und Handlungsstränge. Gleichzeitig wirbt sie auf Instagram, ein kostenloser Internetdienst zum Teilen von Bildern und kurzen Videos, mit Bodenseemotiven für ihr Buch und schließt sich mit anderen Autoren im sozialen Netzwerk Facebook kurz. Wie das Buch voranschreitet, weiß sie am Anfang noch nicht. "Nur wer der Mörder ist." Spätestens nach 235 Seiten wissen das auch die Leser.

Schreiben im Eigenverlag

Bücher ohne professionellen Verlag zu schreiben, wird immer einfacher und damit beliebter. Die meisten Autoren im Eigenverlag nutzen als ersten Schritt einen speziellen Dienst für Selbstverleger des Internetriesen Amazon. Rund die Hälfte der E-Book-Bestseller bei Amazon stammen von unabhängigen Autoren, auch zwei Bücher von Janette John sind darunter. Werben müssen sie für ihre Werke selbst, häufig im Internet, aber auch auf Buchmessen. (bbr)

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