Das ehemalige Siemens-Areal in Petershausen wird zum Krankenhausgelände. In einer Ecke des Areals stehen Wohnwagen mit Schauspieler-Namen an den Türen. Davor befinden sich Bierbänke und Tische, die die sogenannte "Basis" bilden – den Ort, an dem sich die Schauspieler stärken und ausruhen können. Drumherum: Ein Krankenwagen, schwarze Klappstühle, große Scheinwerfer. Hier dreht die Krimiserie WaPo Bodensee Szenen für die zweite Staffel.

Das Wetter an diesem Drehtag ist wechselhaft: Eine Stunde lang regnet es in Strömen. In der nächsten Stunde strahlt die Sonne wieder, als wäre sie nie weggewesen. „Bisher hat das Wetter den Dreh nicht beeinflussen können, denn die Szenen fanden innerhalb der Siemens-Gebäude statt“, sagt Floriane Daniel, die Hauptdarstellerin der Serie, etwa eine Stunde vor dem nächsten großen Wolkenbruch.

„In der Mittagspause hat es allerdings in meinen Wohnwagen reingeregnet. Demnächst soll der Außendreh beginnen – hoffentlich hält das Wetter dann besser.“ Das Wetter hält leider nicht und der Außendreh verschiebt sich nach hinten, ebenso wie der SÜDKURIER Fototermin.

Die Schauspieler nehmen die längere Wartezeit gelassen und verbringen sie im Siemens-Gebäude. Nach einer Weile beginnt Daniel zu stricken: "Wenn man so viel warten muss, braucht man eine gute Beschäftigung. Also habe ich mit dem Stricken angefangen." Sie und Werdelis nutzen die Zeit außerdem für eine kurze Textprobe.

So ein Dreh besteht für Schauspieler und Statisten aus viel Wartezeit, das wird schnell klar. Die Pausen können aber um einiges spannender sein, als es klingt: Die Schweizer Schauspielerin Wendy Güntensperger verbringt ihre Mittagspause mit Kampfkunst. "Gemeinsam mit Regisseur Heimrich mache ich Kampftraining – ich muss später nämlich noch jemanden festnehmen." Eine spannende Verbrecherjagd steht an diesem Drehtag noch aus.Daniel und Werdelis erzählen beide, dass sie eigentlich schon immer Schauspieler werden wollten. "Mit zwölf Jahren habe ich den Wunsch zum ersten Mal geäußert und von da an diesen Traum verfolgt", so Werdelis. Nach vielen Jahren Schauspielerfahrung kann Daniel sagen: "Meinen Beruf habe ich nach wie vor sehr gern." Mimi Fiedler, die bei diesem Dreh eine Patientin im Krankenhaus spielt, schließt sich ihren Kollegen an: "Ich habe einen sehr dankbaren Beruf, denn ich lerne viele Leute und Orte kennen." Fiedler, die man als Kriminaltechnikerin Nika Banovic aus dem Tatort kennt, nimmt die Gastrolle bei WaPo Bodensee zum Anlass, einmal einen Ausflug nach Konstanz zu machen. Pünktlich zu ihrem Feierabend scheint dann auch wieder die Sonne.

Vor dem Dreh für die erste Staffel lernten die Schauspieler den Bodensee gut kennen: Für ihre Rollen als Wasserschutzpolizisten machten sie das Bodenseeschifferpatent. Sie mussten damals also nicht nur den Text für die Serie lernen, sondern auch für die Prüfung pauken. "Das war eine kleine Herausforderung, aber ein großes Geschenk", so Werdelis. "Ich hätte das sonst vermutlich nie gemacht." Als Leiterin der Wasserschutzpolizei fährt Floriane Daniel das Polizeiboot selbst nicht. "Das bleibt meist Wendy Güntensperger oder Simon Werdelis überlassen", sagt sie. Laut Daniel fahren die beiden inzwischen richtig gut: Beim Dreh dieser Staffel benötigen die Schauspieler keinen Begleiter mehr, der das Boot aus dem Hafen steuert.

Wie war es eigentlich, sich nach vielen Monaten Dreh-Pause wiederzutreffen? „Es kam uns allen vor, als hätten wir uns gestern erst gesehen“, meint Daniel. „Es haben sich alle im Team von Anfang an gut verstanden." Werdelis nickt bestätigend. Man habe schon bei der allerersten Leseprobe gemerkt, dass die Gruppendynamik stimme. Beim erneuten Drehbeginn vor etwa einer Woche sei es ihm vorgekommen, „als hätte jemand die Zeit um ein Jahr zurückgedreht“.

Wer 2018 die neue Staffel anschaut, wird sich vielleicht ähnlich fühlen. Laut Daniel und Werdelis werde aber zu merken sein, dass die Serie voranschreitet. „In der ersten Staffel waren wir eine Gruppe unter der neuen Vorgesetzten Nele Fehrenbach. Jetzt sind wir ein eingespieltes Team“, meint Werdelis.

 

Das sagen die Schauspieler über ihre Rollen

  • Floriane Daniel: "Nele Fehrenbach ist Leiterin der Wasserschutzpolizei und wohnt mit ihren beiden Kindern im Haus ihrer Mutter. Daheim ist sie also Kind, bei der Polizei ist sie Chefin. Mir gefällt an der Rolle, dass sie ein Mensch ist, wie jeder andere auch. In manchen Situationen hat sie den totalen Überblick, in anderen zeigt sie Schwäche. Sie ist kein Abziehbild."
  • Simon Werdelis: "Den Wasserschutzpolizisten Pirmin Spitznagel könnte man als eine sehr extreme, unreflektierte Möglichkeit von mir bezeichnen. Inwiefern er sich im Vergleich zur ersten Staffel verändert hat, kann ich noch nicht genau sagen, weil der Dreh für die zweite Staffel gerade erst begonnen hat. Vieles entwickelt sich erst beim Dreh selbst."
  • WendyGüntensperger: "Wasserschutzpolizistin Julia Dammler ist sehr ehrgeizig und mitfühlend. Nele Fehrenbach war in der ersten Staffel ein großes Vorbild für sie. Das ist sie immer noch, aber Julia findet auch ihren eigenen Weg. Sie ist nicht mehr ganz so unerfahren und kann sich von den Geschehnissen distanzieren. Sie ist jetzt taffer." (ssc)