Auch zwei Wochen nach der nächtlichen Gewalttat in Konstanz-Petershausen fehlen den Ermittlern wesentliche Informationen, die die Tat vom 15. Juni erklären könnten. Denn der 34-Jährige, den die Polizei unter dringendem Tatverdacht festnahm, schweigt weiter. Er befindet sich noch immer in der vom Gericht angeordneten Untersuchungshaft, sagt aber zur Sache nicht aus. Das bestätigte am Freitag Andreas Mathy, der Sprecher der Konstanzer Staatsanwaltschaft. Sie führt die Ermittlungen in dem Fall. Der Tatvorwurf wiegt schwer, er lautet auf versuchten Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung.

Warum der Tatvorwurf versuchter Mord im Raum steht

Wenn Mord im Raum steht, geht es stets um so genannte Mordmerkmale. Diese können zum Beispiel Mordlust oder Habgier sein, aber auch Heimtücke und Grausamkeit oder die Absicht, eine andere Straftat zu vertuschen. Da der Täter keine Beute machte, scheidet Raub und damit Habgier aus. In Frage könnten allerdings Heimtücke oder Grausamkeit kommen, denn der 44-jährige Taxifahrer wurde zunächst lebensgefährlich verletzt, Ärzte im Krankenhaus konnten ihm das Leben retten. In der Zwischenzeit hat er eine Aussage machen können, wie es aus Ermittlerkreisen heißt.

Über ein mögliches Motiv herrscht weiter Unklarheit

Die Staatsanwaltschaft hat allerdings noch keinerlei Anhaltspunkte zu einem möglichen Motiv, denn Täter und Opfer kannten sich vor der unheilvollen Begegnung in den frühen Morgenstunden des 15. Juni nach derzeitigen Kenntnisstand nicht, so Andreas Mathy. Nachdem der Tatverdächtige schweigt, liegt natürlich auch kein Geständnis vor. Die Tatsache, dass er griechischer Staatsbürger und seine Nationalität oder die des Taxifahrers eine Rolle spielen könnten, stellt offenbar keinen Ermittlungsansatz dar.

Hinweistafeln vor dem schwarzen Mercedes eines Konstanzer Taxi-Unternehmens zeigen Orte, an denen Spuren gesichert wurden. Ihre Auswertung dauert noch immer an.
Hinweistafeln vor dem schwarzen Mercedes eines Konstanzer Taxi-Unternehmens zeigen Orte, an denen Spuren gesichert wurden. Ihre Auswertung dauert noch immer an. | Bild: Jörg-Peter Rau

Nicht gefunden haben die Polizeibeamten trotz einer zeitweise auf 50 Personen vergrößerten Ermittlungsgruppe die Tatwaffe. Nach nach dem ärztlichen Befund zum Zustand des Taxifahrers geht die Polizei davon aus, dass der Täter mit einem Messer oder ähnlichen Gegenstand auf das Opfer eingestochen hat. Die weiteren Ermittlungen umfassen laut Staatsanwaltschaft unter anderem Recherchen zu einem möglichen Motiv, die weitere Auswertung von der Kripo gesicherten Spuren, Zeugenvernehmungen und die Gewinnung von Informationen zur Person des Beschuldigen. Weitere Zeugen würden nicht gesucht, so Staatsanwalt Andreas Mathy. Wann mit einer Anklageergebung und dann auch mit einem Strafprozess am Landgericht zu rechnen ist, lässt sich demnach noch nicht absehen.

Die grausame Tat schockierte nicht nur Konstanzer Taxifahrer

Die Tat vor zwei Wochen hatte nicht nur unter Konstanzer Taxifahrern Entsetzen und Besorgnis erregt. Nach dem Zeugen den schwer verletzten Taxifahrer und sein Fahrzeug in der Mainaustraße am Morgen des Freitag, 15. Juni, entdeckt hatten, konzentrierten sich die Ermittlungen auf die Frage, wer gegen 2.30 Uhr am Bahnhof Konstanz in den schwarzen Mercedes des Fahrers gesetzt hatte. Beamte ermittelten auch mit Bildern und kamen zunächst auf die Spur eines anderen Mannes, gegen den sich der Verdacht aber nicht bestätigte. Am Abend des selben Tages kam es aber zur Festnahme des Tatverdächtigen in einem Linienbus ganz in der Nähe des Tatorts. Polizei und Staatsanwaltschaft hielten die Information, dass ein mutmaßlicher Messerstecher nicht mehr frei herumläuft, allerdings bis zum Samstagmittag zurück. Grund war, dass zunächst Laborergebnisse zu DNA- und anderen Spuren vorliegen mussten, um den Tatverdacht gegen den 34-Jährigen zu erhärten.