Bei Lara Schick kam irgendwann der Moment, in dem sie gedacht hat: Ich will, dass meine Musik läuft. Und zwar im Club, die Menschen sollen dazu tanzen. Was andere DJs machen, das könne sie auch. Sie kaufte sich ein sogenanntes Deck, mit dem sie Musik live mischen kann. Zwei Wochen später hat sie für Freunde an ihrem eigenen Geburtstag aufgelegt, zwei Monate später dann zum ersten Mal in einem Konstanzer Club. Das war vor einem Jahr. Mittlerweile legt sie regelmäßig auf. "Ich wusste, dass es kein kurzweiliges Hobby ist", sagt Schick. "Es ist meine Leidenschaft."

Ein Mischpult gehört zur Grundausrüstung eines DJs.
Ein Mischpult gehört zur Grundausrüstung eines DJs. | Bild: Horatio Gollin

Rebecca Metternich hat vor zehn Jahren als DJane angefangen. Auch davor hat sich die 35-Jährige schon immer viel mit Musik beschäftigt. Ihr Vater hat viele Platten gesammelt, erinnert sie sich – auch mit elektronischer Musik. "Ich durfte als Kind meine eigenen Tapes aufnehmen", sagt Metternich.

Dann begann die Konstanzerin Jazz-Gesang und E-Gitarre zu studieren und ging dafür nach Cottbus. Sie wollte selbst Musik machen. Die Leidenschaft ihres Vaters für Schallplatten ging auf sie über. Überall wo Plattenspieler standen, sei sie hingegangen, um dort Musik zu machen. Mit dem Umzug nach Berlin kam dann auch der Start als DJane. Erst bei Leuten zu Hause, die sie dann an Clubs weiterempfohlen. Dann stand der erste Auftritt an.

"Du musst auf die Leute reagieren"

"Ein mega Gefühl" beschreibt Schick den Moment, in dem sie mit dem Auflegen startet. "Das Beste ist auf Play zu drücken." Ihre Eltern haben die Musik in die Familie gebracht. Sie sei mit einem guten Musikgeschmack geboren wurden, sagt sie. Als Lara Schick älter wurde kam das Interesse für die Elektroszene in Konstanz. Ohne diese Inspiration wäre sie heute nicht als DJane tätig, sagt Schick. Die 26-Jährige studiert Psychologie in der Schweiz, ist aber regelmäßig noch in ihrer Heimatstadt Konstanz. Unter anderem um aufzulegen.

Kein Auftritt soll dabei wie der andere sein. Deswegen spielt sie Songs nur selten zwei Mal, ein ganzes Set hat sie noch nie wiederholt. "Es soll auch für mich etwas Besonderes sein, wenn ich spiele", sagt Schick. Besonders am Herzen liegt ihr dabei aber das Publikum. "Du musst als DJ auf die Leute reagieren", erklärt die Newcomerin. Wenn sie tanzen wollen, brauchen sie die passende Musik. Schick tanzt auch selbst immer während sie auflegt. Und dafür gibt es einen guten Grund: "Man sagt, man soll keinem DJ trauen, der nicht zu seiner eigenen Musik tanzt."

Rebecca Metternich legt auch heute noch mit Schallplatten auf.
Rebecca Metternich legt auch heute noch mit Schallplatten auf. | Bild: Gerard, Roland

Anders als Schick arbeitet Metternich mit Schallplatten. Das machen eher wenige DJs. Metternich schätzt, dass es unter 20 DJs einen gibt, der mit Schallplatten auftritt. Sie selbst kann sich nichts anders vorstellen: Denn sie und Schallplatten – das sei Liebe. "Ich mag wie Platten klingen und wie sie sich anfühlen", sagt Metternich. Mittlerweile besitzt sie eine Sammlung von tausend Stück.

Von ihren 1000 Schallplatten nimmt sie etwa 100 Stück zu ihren Auftritten mit.
Von ihren 1000 Schallplatten nimmt sie etwa 100 Stück zu ihren Auftritten mit. | Bild: Sven Hoppe

Auch von ihrem ersten Gehalt als DJane – es waren hundert Euro – hat sie sich neue Schallplatten gekauft. Rund hundert Stück hat sie bei ihren Auftritten im Gepäck. "Das Auflegen hat großen Suchtfaktor", sagt Metternich.

Trotzdem hat sie sich nicht vollkommen darauf spezialisiert. Weder in Berlin, noch in Konstanz war das Auflegen ihr Hauptberuf. In Konstanz liegt das vor allem daran, dass es zu wenig Clubs gibt, um davon leben zu können. Und seit drei Jahren hat sie außerdem eine Tochter. Nach der Babypause gibt sie nun private Gesangsstunden und ist auch als Dozentin an der Volkshochschule tätig. Etwa ein bis zwei Mal im Monat legt sie auf.

Mit der Zeit kam die Sicherheit

Eins ist ihr dabei ganz besonders wichtig: "Ein DJ muss sein Ego hinten anstellen." Es gehe nicht darum, sich selbst zu präsentieren. "Man muss den Menschen etwas geben", sagt Metternich. Da sie mittlerweile schon viele Jahre als DJane arbeitet, geht sie entspannter an ihre Auftritte heran. Als zu Beginn ihrer Karriere mal ein Übergang schief gelaufen sei, habe sie das total verunsichert. "Ich hatte auch Angst, dass keiner tanzt", erinnert sich Metternich. Denn als DJ bekommt man direktes Feedback des Publikums. "Man merkt sofort, ob es gut ist oder nicht, weil die Leute reagieren."

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Für Lara Schick hat sich mittlerweile ein kleines Ritual etabliert. Sie stellt sich jedes Mal vor dem Auftritt vor ihr Mischpult, schließt die Augen und macht sich den Moment bewusst. Sie ist aufgeregt. Angst hat sie nicht. "Ich habe einfach Lust, die Leute tanzen zu sehen." Noch vor einem Jahr war Schick unter ihnen. Heute legt sie drei Mal im Monat in Konstanzer Clubs auf. "Das ging alles unglaublich schnell", erinnert sie sich. Ob Lara Schick mal hauptberuflich als DJane arbeiten wird, ist noch völlig unklar. Auch ihr Studium mache ihr Spaß. Deshalb sagt sie: "Ich denke nicht so viel an die Zukunft." Sie sei einfach froh, wenn sie für die Konstanzer spielen könne.