Die faustgroße Wasserwanze hat er als Leckerbissen in Erinnerung, nur die Kakerlaken lagen ihm etwas muffig auf der Zunge. Christopher Zeppenfeld hat sich in Vietnam Laos und Thailand durch alles gefuttert, was sechs Beine und zwei Fühler hat. Inzwischen gehört er zu den Mitentwicklern eines besonders proteinhaltigen Fitnessriegels aus zermahlenen Grillen. Dieser Insektenriegel ist nur der Vorbote einer neuen Herausforderung der künftigen Lebensmittelproduktion, dies wurde während einer Fachdebatte bei den zweiten Gesundheitstagen Bodensee deutlich. Dort haben sich mehr als 70 Aussteller präsentiert.

Die Fleischproduktion mit Rindern, Schweinen und Hühnern benötige so viele Ressourcen (Wasser, Ländereien), dass sie nicht geeignet sei, die wachsende Weltbevölkerung mit Eiweißen zu versorgen, darauf weist Jürg Grunder hin, Professor für Lebenswissenschaften der Schweizer Hochschule für angewandte Wissenschaften, ZHAW Wädenswil. Er erwartet, dass sich neue Säulen der Ernährung herausbilden werden, bei denen unter anderem Mikroalgen, neue Proteinmischungen aus 3 D-Druckern, aber auch verstärkt die Ernährung von Pflanzen und Insekten eine Rolle spielen werden. Schon heute kenne die Welt rund 2000 verzehrbare Insektenarten, in der Schweiz sind gerade Grillen, Heuschrecken und Mehlwürmer als Lebensmittel zugelassen worden. Es gelten dabei strenge Vorschriften für die Futtermittel und die Haltung. Diese Insekten liefern hochwertige Proteine, die mit dem Einsatz von weniger Futtermitteln zu bekommen sind als in der klassischen Nutztier-Züchtung.

Bild: Claudia Rindt

Christopher Zeppenfeld geht davon aus, dass sich auch Westeuropäer für Insekten in der Nahrung begeistern können, wenn diese nicht sichtbar, also gleichsam "optisch entschärft" sind. Eine frittierte Grille mit Beinen und Augen werde sich hier, anders als in Asien, kaum einer in den Mund schieben. Zu Pulver zermahlen aber könne das schon anders sein. Ein Test bei den Zuhörern der Debatte bestätigte diese Ansicht. Auf die Frage, ob sie sich vorstellen könnten, insektenhaltige Lebensmittel zu probieren, antworteten mehr als die Hälfte der Zuhörer per Fingerzeig mit Ja. Zeppenfeld sieht bei der Insektenzucht die Möglichkeit, Gemüse, das für den freien Verkauf wegen Schadstellen nicht mehr in Frage kommt, als Insektenfutter zu verwerten.

Auch andere Mittel der Nahrungsergänzung waren Thema bei den Gesundheitstagen, etwa Pillen aus Gerstengras. Es werde geerntet, wenn es etwa 20 Zentimeter hoch gewachsen sei, und, bevor die Nährstoffe in die Produktion des Korns gehen, sagt die gelernte Krankenschwester Birgit Acker. Das Gras soll besonders viele Vitamine und Mineralstoffe enthalten. Eine zerkaute Pille schmeckt ein wenig wie grüner Tee.

An anderen Ständen werden Radiowellen fürs besondere Muskeltraining eingesetzt oder ein Stuhl, der durch Dehnung die Wirbelsäule aufrichtet. Er soll Menschen mit Rückenschmerzen helfen. Aussteller nutzten die Messe auch zum Austausch untereinander, sagt Martin Kiesling von der Messeleitung. Er zeigt sich zufrieden mit der Resonanz, die Besucherzahl schätzt er auf etwa 4000.

 

Zur Messe

Zum zweiten Mal gastierte im Konstanzer Bodenseeforum die Messe Gesundheitstage Bodensee mit 70 Ausstellern und einer Vielzahl von Fachvorträgen. Unter anderem ging es um die Qualität in der Altenpflege, Schlafstörungen, Rückenschmerzen oder Schönheitsbehandlungen ohne Operationen. Neben Alternativen und Ergänzungsmitteln zur Ernährung zeigten Aussteller beispielsweise Streckstühle gegen Rückenschmerzen oder informierten über Möglichkeiten, mit Feng Shui neue Raumgefühle zu schaffen, ohne Möbel zu verschieben oder Wände einzureißen. (rin)