Ein Fußballer verletzt sich in Konstanz bei einem Zusammenprall mit einem Gegenspieler schwer, er fällt bewusstlos zu Boden, seine Zunge rutscht in den Hals, er droht zu ersticken. Die ersten Reaktionen auf dem Sportplatz waren aggressiv, fast schon feindselig. Die einen Farben gegen die anderen. Absichtliches Foul hier, normaler Zweikampf dort. So weit, so schlecht.

So einfach kann Fairplay sein

Die zwei Hauptpersonen, Litzelstettens Torhüter Andre Huber und Allmannsdorfs Stürmer Enrico Welte, zeigen zwei Tage später echte Größe, es kommt auf Anregung des SÜDKURIER zu einem Treffen. Der eine entschuldigt sich, der andere nimmt die Entschuldigung an. So einfach kann Fairplay sein. Mit diesem Treffen haben die beiden Fußballer Druck aus dem Kessel genommen. Druck, der beim nächsten Spiel der Mannschaften in Form von weiteren unschönen Szenen hätte entweichen können.

Andre Huber (links) und Enrico Welte am Dienstagabend.
Andre Huber (links) und Enrico Welte am Dienstagabend. | Bild: Schuler, Andreas

Fußball gilt als Spiegelbild der Gesellschaft. Anhand des hier genannten Beispiels lässt sich das leicht nachvollziehen. Es genügt ein Ereignis, das zum Anlass genommen wird, seinen Emotionen freien Lauf zu lassen. Das Ereignis muss nicht einmal negativ sein – es muss nur polarisieren.

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Das Internet als Spielwiese der Anfeindungen

Das passiert nicht nur beim Fußball in der realen Welt, vor allem das Internet ist zu einer digitalen Spielwiese der Anfeindung geworden. Anlässe aus dem wahren Leben werden hergeholt und in der anonymen Scheinwelt des Netzes zerpflückt – je persönlicher, desto besser. Da werden die Kinder und Jugendliche der Bewegung von Fridays for Future beschimpft – wahrscheinlich von Menschen, die daheim auf dem Sofa sitzen und mit ihrem Smartphone abstruse Attacken fahren.

Es wird gemotzt und gehetzt – egal, um welches Thema es geht

Facebook ist der Ort, an dem am intensivsten gemotzt, gehetzt und geschimpft wird. Da wird auf dem Konstanzer Seegeflüster gepostet, dass auf dem Weihnachtsschiff Teppichboden, Styropor und Folien verbaut werden. Die Reaktion eines Users? Häme und Vorwürfe, dass die Feuerwehr so etwas genehmigt. Hauptsache meckern. „Stupid, verrückt“, kommentiert eine Person zur Meldung, dass ein Mann durch das Dach eines Gewächshauses gefallen und lebensgefährlich verletzt ist.

Andre Huber (links) und Enrico Welte.
Andre Huber (links) und Enrico Welte. | Bild: Schuler, Andreas

Wo ist die Kinderstube geblieben?

Zum Artikel über Schlaglöcher am Seerhein und die damit einhergehende Gefahr für Radfahrer, kommentiert eine Person: „Fehlt nur noch, dass man den Radfahrern den Arsch wischt.“ Wo ist die Kinderstube geblieben? Wo sind Anstand, Respekt und Würde? Irgendwo in den Tiefen des Internets verschollen.

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Andre Huber und Enrico Welte verdienen einen Fairplay-Preis. Ihre kleine Geste sollte Vorbild sein für die Gesellschaft. Sich die Hand reichen, wenn erste Emotionen verflogen sind, normal miteinander reden. Sie haben das vorgemacht, was längst nicht mehr selbstverständlich ist. Danke fürs Augen öffnen.