In Konstanz gibt es schon jetzt zu viele Hotels? Jochen Lohmar, der Geschäftsführer des Bodenseeforums, hat am Dienstagabend eine radikal andere Einschätzung abgegeben. Anders als viele Bürger es wie zuletzt bei der Frage nach der Zukunft des Sparkassen-Gebäudes Markstätte 1 wahrnehmen, gebe es in der Stadt deutlich zu wenig Hotelbetten und zu wenig preisregulierenden Wettbewerb in der Hotellerie. Das sagte er am Rande einer Sitzung des Betriebsausschusses, der das Tagungs- und Veranstaltungshaus politisch kontrolliert. Zuvor hatte er vor den gewählten Stadträten berichtet, dass Konstanz eine Tagung entgangen ist, die der Hotellerie der Stadt allein für die Übernachtungen einen Umsatz von geschätzt 400 000 Euro beschert und dem Bodenseeforum selbst Einnahmen von rund 500 000 Euro gebracht hätte. Die weiteren Ausgaben für Verpflegung, Rahmenprogramm und dergleichen kann Lohmar gar nicht beziffern.

Die Tagung hätte mehr als eine Million Euro in die Stadt gespült

Lohmar sagte, das Bodenseeforum sei in der letzten Runde um eine Großveranstaltung eines Automobilkonzerns, offenbar eine Schulungsserie für Mitarbeiter, ausgeschieden. Denn im Juni und Juli 2018 hätten nicht genügend Hotelbetten zu einem akzeptablen Preis zur Verfügung gestanden. Das Bodenseeforum wäre in dieser Zeit fünf Wochen lang jeweils fünf Tage in der Woche gebucht gewesen, am Wochenende hätten auch Konstanzer ein eigens aufgebautes Angebot am Seerhein mit nutzen können. Doch für mehr als 140 Teilnehmer pro Tag plus Mitarbeiter des Unternehmens habe Konstanz kein Zimmerkontingent bereitstellen können. Dabei habe die Agentur, die das Firmenereignis organisiert, keinesfalls Billigstpreise für die Übernachtungen erwartet. "Schade, wir waren in der letzten Runde für diesen tollen Auftrag", sagte Lohmar, "aber es zeigt uns auch, dass wir mit dem Bodenseeforum viel zu bieten haben".

Schon 2017 sprang ein Großkonzern ab, weil ein Bettenkontingent fehlte

Mit der Absage an Konstanz wiederholt sich ein Vorgang, wie er sich nach SÜDKURIER-Informationen bereits 2017 zugetragen hatte. Damals sagte ein Großkonzern eine Buchung im Bodenseeforum ab, weil Zimmerkontingente für die Teilnehmer fehlten. Lohmar erklärte, er könne dazu keine Details nennen, da er erst im Sommer 2017 seine Stelle als Geschäftsführer des Bodenseeforums angetreten habe. Er sei aber "froh, dass wir mehr Hotels in der Stadt bekommen", erklärte er. Dies mache es mittelfristig möglich, jene Tagungen nach Konstanz zu holen, die dem Bodenseeforum aus der Verlustzone helfen könnten. Zudem sorge der Wettbewerb auch für Preise, mit denen Konstanz in der Standortkonkurrenz besser bestehen könne.

Das Bodenseeforum will fürs Erste vor allem auf die Nebensaison setzen

Für den Moment will Lohmar mit zahlreichen Maßnahmen auf die Lage reagieren. Er berichtete dazu am Dienstagabend erstmals aus der Klausurtagung, die er mit Kommunalpolitikern zur zukünftigen Ausrichtung des Bodenseeforums veranstaltet hatte. So soll das Tagungs- und Veranstaltungshaus künftig in der Nebensaison günstigere Preise anbieten und so auch der Hotellerie von Nutzen sein. Außerdem setze das Haus gerade im Sommer zunächst verstärkt auf eintägige Kongresse, zu denen die Gäste in der Regel nicht mehr als 200 Kilometer anreisen und deshalb nicht übernachten. Auch mit weiteren Sonderaktionen wolle er das Haus besser auslasten, sagte er und erhielt dafür viel Zustimmung.

Auch für Konstanzer soll es weiterhin ein Angebot im Bodenseeforum geben

Veranstaltungen für die Konstanzer sollen weiterhin angeboten werden, versicherte Lohmar. So will die Stadtverwaltung nach Aussage von Vize-Finanzchef Joachim Helff die Zuschussregeln für Vereine deutlich vereinfachen, sie sollen die Anträge mit weniger Bürokratie stellen können und auch eine höhere Förderung erhalten. Außerdem werde bereits an geeigneten Formaten für Kulturereignisse gearbeitet, so Lohmar. Allerdings gebe es "weniger Entertainment-Veranstaltungen" wie Musicalproduktionen auf Tournee. Auch die Stadt selbst wolle das Haus weiter für Bürgerveranstaltungen nutzen, sagte Oberbürgermeister Uli Burchardt. Die Kosten würden transparent gemacht. Die Aussage von Jan Welsch (SPD), wonach es sich hier um weitere Subventionen neben dem Verlustausgleich handele, wies Burchardt zurück: "Wir kaufen eine Leistung ein und geben keinen Zuschuss für das Bodenseeforum."

Das findet Bodenseeforum-Chef Jochen Lohmar richtig und wichtig: Neue Hotels für Konstanz, hier eine Ansicht des im Bau befindlichen HARBR auf dem Torhaus-Grundstück.
Das findet Bodenseeforum-Chef Jochen Lohmar richtig und wichtig: Neue Hotels für Konstanz, hier eine Ansicht des im Bau befindlichen HARBR auf dem Torhaus-Grundstück. | Bild: DQuadrat Projekltentwicklung

Die Hotellandschaft in Konstanz ändert sich rasant – nicht alle finden das gut

Die Hotelleriebranche in Konstanz ist derzeit stark in Bewegung. Neben den Neubauten der vergangenen Jahre (unter anderem Ibis Reichenaustraße, B+B Stromeyersdorf) sind weitere Vorhaben im Bau (Erweiterung Riva, Harbr auf dem Torhaus-Grundstück) oder in Planung (Sea Palace Büdingen, Anbau Waldhaus Jakob, Riedstraße, Maxx-E-Motion). Auch nahe der Schänzlebrücke könnte nochmals ein Hotel entstehen. Der Hotel- und Gaststättenverband hatte bereits 2017 vor einem Überangebot und einem ruinösen Preiswettbewerb gewarnt, hier gibt es einen Überblick über allelaufendenVorhaben. Eine Studie, die die Chancen und Risiken benennen soll, ist seit Langem versprochen, liegt aber noch immer nicht vor.

Verschärfte Regeln für Garderobe 

Das Bodenseeforum hat die Regeln zum Thema Garderobe deutlich verschärft. Bereits bei der Veranstaltung "The 12 Tenors" in der vergangenen Woche gab es große Unzufriedenheit unter Gästen, weil sie alle Taschen, die größer als DIN A4 sind, sowie alle Jacken abgeben mussten. Das Bodenseeforum begründet den Schritt mit Sicherheit und Brandschutz und kündigt an, dass Hostessen und Sicherheitskräfte die Regeln erklären und durchsetzen. Die Garderobe ist laut einer Pressemitteilung jetzt bei allen Veranstaltungen kostenlos.