Hans-Dieter Möhlhenrich ist zwar leidenschaftlicher Segler, doch als Sprecher der Internationalen Wassersportgemeinschaft Bodensee IWBG hat er zwangsläufig auch die Interessen der Motorbootfahrer im Blick. Er ärgert sich, dass die privaten motorisierten Schiffe einen zunehmend schlechten Ruf haben. Die Diskussionen schlugen nach dem SÜDKURIER-Artikel vom 24. Juli hohe Wellen. Segler beschwerten sich über rücksichtslose PS-Riesen, die mit Vollgas und zu nah an ihnen vorbei düsen würden.

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Ein Segler klagt an: „Das sind schwimmende Bomben“

Peter Helm beispielsweise, einige Jahre Schatzmeister des Yacht Club Dettingen, stellte diese Frage: „Warum haben Menschen am Bodensee Motorboote mit 100 PS und mehr, wenn sie doch nur 40 Stundenkilometer fahren dürfen?“ Er prangerte die nicht vorhandene PS-Grenze am Bodensee an. „Man muss sich schon mal fragen, warum so etwas überhaupt zulässig ist“, sagte er und schüttelte den Kopf. „Das sind ja eigentlich schwimmende Bomben.“

Zwei Boote liefern sich offenbar ein kleines Rennen.
Zwei Boote liefern sich offenbar ein kleines Rennen. | Bild: Schuler, Andreas

Hans-Dieter Möhlhenrich möchte die Diskussion versachlichen. Am Bodensee sind 22 328 Motorboote mit Vier-Takt-Motoren und 2478 mit Dieselmotoren zugelassen, insgesamt sind 61 429 Boote zugelassen. Boote ohne Motor machen somit mehr als 35 Prozent aus. „Mehr als 15 000 der Motorboote, also mehr als zwei Drittel, haben weniger als 100 Kilowatt, 6000 weniger als 4,4 Kilowatt„, erklärt Hans-Dieter Möhlhenrich. 100 Kilowatt entsprechen 135 PS, 4,4 Kilowatt sind rund sechs PS.

„Zweitakter und Viertakter sollte man unbedingt auseinander halten.“

„Außerdem sind es lediglich 446 Motorboote mit Zweitakter. Zweitakter und Viertakter sollte man unbedingt auseinander halten.“ Er begründet das so: „Moderne Vier-Takt-Außenborder-Motoren sind wesentlich leiser, stinken nahezu kaum und sind wesentlich besser für die Umwelt. Der Verbrauch von Benzin ist wesentlich geringer. Zweitakter werden seit 1996 nicht mehr zugelassen dank der Bodensee-Abgasvorschriften.“

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Er versteht auch nicht die offizielle Version der Wasserschutzpolizei, nach der es keine PS-Beschränkung auf dem Bodensee gebe. „Es existiert nämlich de facto doch eine Beschränkung“, erklärt er. „Die Abgasvorschriften implementieren diese PS-Beschränkung. So müssen Benzinmotoren die Bodensee-Abgasvorschriften der Stufe II erfüllen, bzw. die Abgasvorschriften der EU-Sportbootrichtlinie, die als gleichwertig anerkannt werden. Diese sind nur mit einem Katalysator zu erreichen, die Motoren sind also auf dem Stand der Technik und sauber.“

„PS-Zulassungen ohne Grenze gibt es am Bodensee also definitiv nicht“

Gleichzeitig werden mit den Abgasvorschriften Massenemissionen festgelegt. „Das sorgt also ebenfalls für eine Art PS-Beschränkung. Derzeit erreichen nur Benzin-Motoren unter 360 PS diese Grenzwerte. Die Massenemissionsgrenze gelten auch für eine Doppelmotorisierungen. PS-Zulassungen ohne Grenze gibt es am Bodensee also definitiv nicht.“ Auch für Dieselmotoren gebe es diese Massenemissionsgrenzwerte, so dass auch dort die Grenze bei ungefähr 380 PS liege.

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Boote 1000 PS? „Absolut unnötig“

Möhlhenrich: „Da für Diesel keine Katalysator notwendig sind, um die Grenzwerte einhalten zu können, kann man diese Nachrüsten und hat nur dann die Möglichkeit mehr Leistung zugelassen zu bekommen, wenn die Massenemissionsgrenzwerte dann immer noch unterschritten werden. Eine Umrüstung ist sehr teuer und aufwändig und geht in die Zehntausende. Meines Wissens gibt es am Bodensee nur ein Boot dieser Art, das auf eine Leistung von mehr als 1000 PS kommt. Natürlich ist das absolut unnötig und die Ausnahme.“

Die Wasserschutzpolizei schaut bei Motorbooten gerne mal genauer hin.
Die Wasserschutzpolizei schaut bei Motorbooten gerne mal genauer hin. | Bild: Schuler, Andreas

Auch Reinhard Heinl, der Vorsitzende des Landes-Segler-Verbandes Baden Württemberg aus Litzelstetten, meldete sich nach dem SÜDKURIER-Artikel zu Wort. Er versteht die emotionale Diskussion nicht: „Wir haben am Bodensee seit langem eine international beschlossene Schifffahrtsordnung, dort ist alles geregelt, auch seitens der internationalen Schifffahrtskommission. Aber wie überall: Regeln werden übertreten, Regeln sind gar nicht bekannt. Und vor allem in einem zunehmenden Graubereich von Wassersportaktivitäten, die gar nicht der Bodenseeschifffahrtsordnung unterworfern sind wie zum Beispiel SUP, Kanu- und Kajak-Fahrer oder Badeboote.“