Der Begriff Yoga ist in aller Munde – was bedeutet Yoga für Sie?

Alexandra Brun: Das Wort Yoga bedeutet Verbindung und genau darum geht es eigentlich, um die Verbindung von Körper, Geist und Seele. Die Verbindung, die wir mit dem Yogapass schaffen wollen, ist vor allem auch eine Verbindung der Gemeinschaft. Dass jeder, der yogainteressiert ist, oder es werden könnte – Yogalehrer wie Yogaschüler – zu einer Gemeinschaft zusammenwachsen kann, in der man sich gegenseitig unterstützt.

Hatten Sie das Gefühl, dass so eine Gemeinschaft in Konstanz noch fehlt oder woher kam die Idee?

Elisabeth Kaiser: Ich brauche den Yogapass selbst, weil ich noch auf der Suche nach dem richtigen Yogastil bin. Wir haben uns gedacht, dass es cool wäre, wenn es einen Pass geben würde, mit dem man alle Yogastudios mal ausprobieren kann.

Ist Yoga für Sie denn ein Hobby nebenbei oder tatsächlich eine Art Lebensstil?

Susanna Güttler: Yoga ist nicht nur die Sportart, sondern es zieht sich auch in den Rest des Lebens. Es ist eine Einstellung, die man überall hin mitnimmt.

Brun: Man fängt damit mal an und mit der Zeit merkt man einfach, wie gut es einem tut. Körperübungen sind ja nur ein kleiner Teil von Yoga. Man lernt andere Dinge wie das Mantrasingen oder die Meditationen kennen. So entwickelt man irgendwann eine tägliche Praxis und dadurch wird es wie Zähneputzen – es gehört zu deinem Leben.

Wie oft machen Sie selbst täglich Yoga?

Kaiser: Ich habe Phasen, in denen ich gestresst bin, da suche ich ganz stark nach Yoga. Weil es für mich bedeutet, herunterzufahren, anzukommen, mich zu bewegen und gleichzeitig zu entspannen. Da versuche ich dann mehrmals in der Woche Yoga zu machen und dann gibt es auch Phasen, wo ich es nicht so sehr brauche.

Brun: Man kommt über einen Stil zum ersten Mal mit Yoga in Berührung. Aber das Bedürfnis verändert sich auch, es geht auch mal in Entspannungsarten von Yoga rein, dann will man mal wieder eine Tanzmeditation. Es ist einfach eine Welle, wie das Leben selbst auch. Es geht mal hoch und mal runter.

Kam daher auch die Idee, mit dem Yogapass einen Wechsel zwischen Yoga-Arten und –Lehrern zu ermöglichen?

Güttler: Für mich war es ein Ziel, einen Stundenplan zu haben, mit dem man sich eigene Yoga-Stunden aussuchen kann. Vielleicht braucht es in Konstanz kein großes Yogastudio, sondern die Verbindung zwischen den verschiedenen Studios.

Kaiser: Ich habe Tage, an denen ich sportlich sein will und dann habe ich Tage, wo ich mich entspannen oder dehnen will. Und mit dem Yogapass kann ich das genauso machen. Da gibt es das Angebot und du kannst auswählen, wonach dir heute ist oder was du noch ausprobieren willst und dann suchst du dir das heraus und machst es einfach.

Was müssen Sie dafür organisieren?

Kaiser: Wir sind die Mamas von der Idee und müssen es heraustragen und verwirklichen. Zum Einen natürlich mit den Yogastudios, die brauchen wir, aber auch mit Konstanzern, die wir dazu motivieren wollen, das auszuprobieren. Sonst funktioniert es nicht, wir brauchen beide.

Brun: Je mehr wir uns mit der Idee beschäftigen, desto mehr merken wir, dass es für alle positiv ist. Sei es für ein Yogastudio, für einen Yogaanfänger und für jemanden, der schon lange Yoga macht. Wir haben uns unheimlich viel Feedback von den Studios und möglichen Kunden geholt. Die Idee entsteht in der Gemeinschaft, so wie sie auch für die Gemeinschaft gemacht wird.

Was gefällt Ihnen daran?

Kaiser: Ich habe Probleme damit, zur Ruhe zu kommen, bin immer sehr aktiv und viel unterwegs. Beim Yoga schaltet das alles aus. Ich kann dann meinen Körper und meinen Geist entspannen. Danach fühle ich mich besser und nehme das Leben leichter als vorher.

Ist Yoga denn etwas für jeden?

Güttler: Es gibt einen schönen Spruch von Pattabhi Jois, der sagt: Jeder kann Yoga üben, außer faule Menschen. Mein Yogalehrer macht sogar mit Leuten im Krankenhaus Yoga oder mit Senioren. Es kann wirklich jeder machen, aber jeder muss seinen eigenen Stil finden und herausfinden, was ihm gut tut.

Kaiser: Yoga ist eine schöne Bewegung auf einem Level, das anpassbar ist. Es geht vom Power-Yoga bis zur Tiefenentspannung – das ist alles Yoga.

Beim Yoga wird oft von der Verbindung mit dem Geist gesprochen. Wie spirituell müssen Yogaschüler sein?

Güttler: Man muss nicht spirituell sein, jeder findet einen anderen Zugang zum Yoga. Manche sind sehr spirituell und können sich dann eine spirituelle Yoga-Art suchen. Umso öfter man die Yoga-Übungen macht, desto mehr überträgt sich das dann auch auf den Geist und auf das restliche Leben.

Brun: Es gibt viele verschiedene Yoga-Lehrer und das ist der Vorteil vom Yogapass. Das Schöne ist, dass man verschiedene Lehrer kennenlernen und ausprobieren kann. Wie man sich dann auf seinem Yoga-Weg entwickelt, wird sich zeigen.

Klischeehaft ist Yoga ja eher bei Frauen beliebt. Wollen Sie mit dem Yogapass auch Männer begeistern?

Brun: Im Ursprungsland des Yogas, in Indien, machen zu 90 Prozent Männer Yoga. Ich glaube, es kommt auch hier immer mehr, dass sich Männer dafür interessieren. Es ist natürlich so: Yoga fällt dir leichter, wenn du dehnbar bist. Das ist einfach von der Anatomie her einfacher für Frauen. Daher ist es für Männer vielleicht auch eine Hürde, zu sagen: Ich gehe wieder hin, obwohl ich nicht, wie alle anderen, ganz runter auf den Boden komme. Aber ich trainiere und gehe wieder hin.

Ein weiteres Klischee ist, dass Yoga eigentlich nicht anstrengend, sondern ausschließlich entspannend ist. Wie reagieren Sie auf solche Äußerungen?

Kaiser: Ich war gestern Morgen beim Yoga und habe immer noch Muskelkater. Ich war glücklich, aber fertig. Das ist das passende Argument: Yoga kann alles sein – Entspannung, aber auch sehr anstrengend.

Brun: Es ist natürlich so, dass mit dem heutigen Leistungsdruck einfach mehr Leute die Entspannung suchen. Es gibt aber auch kraftvolle Yoga-Übungen. Die Idee von Yoga ist, in den kraftvollen Übungen trotzdem zu entspannen und sich sein Lächeln zu bewahren.

Wie hilft Yoga im Alltag?

Kaiser: Ich habe durch das Yoga gelernt, viel bewusster zu atmen. Einfach mal durchzuatmen. Das kennt jeder in stressigen Situationen. Tief einatmen hilft. Das ist Yoga für mich im Alltag.

Brun: Es braucht natürlich auch beim Yoga eine gewisse Regelmäßigkeit, um das in den Alltag zu integrieren. Man muss es einfach mal ausprobieren, dann kann man sagen, es ist etwas für mich oder nichts für mich.

Kaiser: Wichtig ist, dass man dem Yoga eine Chance gibt. Viele lehnen es direkt ab, weil es angeblich nicht anstrengend oder zu spirituell ist, aber ich glaube, dass für jeden etwas drinsteckt. Man muss sich darauf einlassen.