Konstanz XXXLutz will Grundstück in Konstanz kaufen

Der Möbelriese XXXLutz möchte sich in Konstanz niederlassen und hat der Stadt ein Kaufangebot vorgelegt. Das fragliche Grundstück an der nördlichen Seite der Schänzlebrücke steht leer, bis auf den Park-and-ride-Parkplatz mit 550 Plätzen.

Im Sommer war es Zeit für einen Strategiewechsel. Nach mehrjährigen Gesprächen mit der Konstanzer Wirtschaftsförderung wandte sich der Möbelriese XXXLutz direkt an Oberbürgermeister Uli Burchardt. Und legte ihm ein konkretes Kaufangebot vor. Die österreichische Unternehmensgruppe möchte eine fast 29.000 Quadratmeter große Fläche kaufen, den „Brückenkopf Nord“ an der Schänzlebrücke. Neben dem Park-and-ride-Parkplatz könnte dort ein Möbelhaus entstehen, erklärt Projektentwickler Felix Püschel, der die XXXLutz-Gruppe bei der Umsetzung des Vorhabens unterstützt.

Doch für Konstanz ist die Fläche an der Reichenaustraße wertvoll. Viel Platz hat die Stadt nicht mehr, um sich auszudehnen. Wirtschaftsförderer Friedhelm Schaal wird deutlich: Die Stadt könne momentan keine geeigneten Flächen anbieten. Der Flächenverbrauch eines Möbelhauses sei zu groß. „Wir wissen, dass der Möbelhandel unterrepräsentiert ist in Konstanz. Aber das nützt uns nichts, wenn wir die nötigen Flächen nicht haben.“

Verkaufsfläche von 27.000 m² geplant

Auf den hohen Platzbedarf hat Püschel eine Antwort. Das Haus selbst werde nur 7000 Quadratmeter beanspruchen. Insgesamt sei eine Verkaufsfläche von 27 000 Quadratmetern geplant, auf fünf Ebenen. Auf der übrigen Fläche sollten etwa 550 Parkplätze entstehen, die dann zu bestimmten Zeiten auch den Besuchern des Veranstaltungshauses Bodenseeforum zur Verfügung stünden.

Püschel wartet nun auf eine Antwort von Seiten der Stadt. Bei sieben Millionen Euro soll das Kaufangebot für das Grundstück liegen. Es wird von der Stadt geprüft, teilt die Presseabteilung der Stadt auf Nachfrage des SÜDKURIER mit. Danach soll das Thema im Gemeinderat diskutiert werden. Der Ausgang ist völlig offen. Denn der Bedarf von Möbeln – auch im mittleren Preissegment – ist nicht wegzudiskutieren. Konstanzer müssen nach Singen, Stockach, Friedrichshafen oder noch weiter fahren, um sich ein neues Bett zu kaufen.

Stadt möchte sich die Fläche freihalten  

Aber Politik und Verwaltung wollen sich Flächen auch für eine mögliche Neuansiedlung von produzierendem Gewerbe freihalten. Sie hoffen auf mehr als die von der Lutz-Gruppe versprochenen 150 Arbeitsplätze. Laut Mitteilungsblatt „Roter Arnold“ nannten Vertreter des Konzerns diese Zahl bei einem Besuch der SPD-Fraktion, bei dem sie für ihr Vorhaben warben.

Die Stadt weiß scheinbar momentan noch nicht so recht, was mit dieser kostbaren Fläche passieren soll. Sie verweist in ihrer Antwort auf das Einzelhandels- und Gewerbeflächenentwicklungskonzept. Die Stellungnahmen würden derzeit bearbeitet, man sei mitten im Verfahren. „Insofern ist es noch zu früh, zum jetzigen Zeitpunkt über die Nutzung der Flächen zu diskutieren.“

Neuer Großparkplatz immens wichtig  

Dennoch könne keinesfalls auf den Großparkplatz verzichtet werden. Und: „Jede neue Nutzung werde neue Stellplätze bedingen, weshalb künftig eine hohe Zahl an Stellplätzen auf dem Areal geschaffen werden muss.“ Und damit kommt auch der auf dieser Fläche vorgesehene Mobilpunkt ins Gespräch. Derzeit können bis zu 550 Autos auf dem für das Verkehrskonzept wichtigen Park-and-ride-Parkplatz „Am Seerhein“ parken, um die Altstadt zu entlasten.

Aufgabe des Mobilpunktes sei es, Fernbusse mit den Regional- und Stadtbussen zu verbinden. Denn wenn es zur Bebauung des Döbele kommt, sollen an dem neuen Mobilpunkt zum Beispiel die Reisebusse halten. Dann könnte es nach Aussage der Stadt auch Angebote wie Car-Sharing oder eine Station für Elektro-Fahrräder geben.
 

Weitere Informationen

Die Fläche: Das Areal „Brückenkopf Nord“ gehört der Stadt. 2013 wollte das Konstanzer Unternehmen Gavia die Fläche kaufen und bebauen. Der Versandhandel für Münzen machte aber wegen Altlasten im Boden und der schwierigen Bodenverhältnisse einen Rückzieher. Nun ist dort ein Mobilpunkt geplant. Das Konzept dazu ist noch schwammig. Die Begriffe Elektrofahrräder, Fahrradverleih, Kiosk, Elektrotankstelle tauchen aber immer wieder auf. Zur Nutzung teilt die Stadt mit: „All das auf einem Grundstück unterzubringen, aber auch Flächen für weitere größere, gewerbliche Ansiedlungen zu bewahren, das ist derzeit eine planerische Herausforderung.“ Projektentwickler Felix Püschel könnte sich vorstellen, das alles auf der Fläche zu integrieren, trotz Möbelhaus. Deswegen setzt er auf Gespräche mit der Stadt.

Das Möbelhaus: Die XXXLutz-Gruppe betreibt über 200 Einrichtungshäuser in Europa und kann es mit dem anderen Möbelriesen Ikea aufnehmen. Rund 19 000 Mitarbeiter arbeiten laut XXXLutz bei der Gruppe. Nach eigenen Angaben ist diese eine der größten Möbelhandelsgruppen der Welt und machte im Jahr 2014 einen Umsatz von mehr als 2,9 Milliarden Euro. Zur Gruppe gehören die Marken Möbelix, Mömax und Mann Mobilia. Sie setzt auf aggressives Wachstum und eröffnete von 1945 bis 2014 im Jahr durchschnittlich sechs Möbelhäuser.

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