Ermutigung für das bis zu 100 Millionen Euro schwere Projekt, aber auch kritische Fragen und offene Ablehnung: Rainer Beitlich hat in den Tagen, seit das riesige Vorhaben rund um das ehemalige Fernmeldeamt öffentlich diskutiert wird, ganz unterschiedliche Reaktionen erlebt. Es sei aber nach wie vor so, "dass die positiven Signale überwiegen", sagte der verantwortliche Projektleiter der Immobilienentwicklungsfirma BPD. Zugleich erneuerte er sein Versprechen, dass das Unternehmen mit holländischen Wurzeln nicht das Letzte an Profit herausschlagen wolle. Als institutioneller Entwickler setze BPD vor allem auf hohe Stückzahlen und strebe nicht eine maximale Gewinnspanne pro Einheit an, wichtiger sei eine rasche Umsetzung von Vorhaben.

Hier ist Neubau geplant: Das Technikgebäude neben dem Hochhaus wird Schritt um Schritt verkleinert, bis es nur noch die künftige, deutlich platzsparendere Technik der Telekom beherbergt. Auf dem Dach und den frei werdenden Flächen entstehen zusätzliche Wohnungen, so die Firma BPD.
Hier ist Neubau geplant: Das Technikgebäude neben dem Hochhaus wird Schritt um Schritt verkleinert, bis es nur noch die künftige, deutlich platzsparendere Technik der Telekom beherbergt. Auf dem Dach und den frei werdenden Flächen entstehen zusätzliche Wohnungen, so die Firma BPD. | Bild: Jörg-Peter Rau

Im Hochhaus selbst entstehe nur etwa ein Viertel aller neuen Wohnungen, so Beitlich. Damit rücken das bisherige Technikgebäude an der Moltkestraße sowie weitere Bereiche des 13 500 Quadratmeter großen Areals, das BPD gekauft hat, weiter in den Fokus. Wo neu gebaut werde, würden 30 Prozent der Wohnungen im geförderten und preisgedämpften Bereich errichtet, sagte Beitlich. Weil ein Teil des langgezogenen Nebengebäudes beim Hochhaus weiter benötigt werde, sei auch ein flächensparender Wohnungsbau auf dessen Dach möglich. Die Möglichkeiten soll ein Architekturwettbewerb aufzeigen, für den die ersten Schritte bereits erfolgen. So soll unter anderem eine groß angelegte Untersuchung klären, wie der Verkehr an der Stelle bisher läuft und wie er künftig, wenn viele hundert Menschen an der Stelle wohnen, organisiert werden könnte.

Noch keine Lösung: Im Pavillon beim Telekom-Hochhaus ist derzeit die Postbank Mieter. Die meisten Kunden allerdings nehmen dort Post- und Paketdienstleistungen in Anspruch. Wo sie künftig bedient werden, ist offen.
Noch keine Lösung: Im Pavillon beim Telekom-Hochhaus ist derzeit die Postbank Mieter. Die meisten Kunden allerdings nehmen dort Post- und Paketdienstleistungen in Anspruch. Wo sie künftig bedient werden, ist offen. | Bild: Jörg-Peter Rau

Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn zeigte sich auch in der ersten politischen Diskussion zu dem Thema begeistert vom Vorhaben. Zugleich hoffte er, dass dort auch künftig Platz für die Post sein wird, denn die Filiale der Postbank in der Moltkestraße soll geschlossen werden. Dies sei allerdings deren eigene Entscheidung gewesen, sagte Beitlich im Technischen und Umweltausschuss. Von Langensteiner nahm er den dringenden Wunsch mit, dass an dem günstig gelegenen Standort auch künftig Postdienstleistungen angeboten werden. Auch Johann Hartwich (FDP) unterstrich: „Es ist wichtig, dass die Post bleibt.“

Postbank hüllt sich auch nach Wochen in Schweigen

Die Postbank, die bisher die Mieterin im Pavillon ist und dort für die Deutsche Post AG als vollkommen getrenntes Unternehmen bisher Brief- und Paketdienstleistungen erbringt, konnte am Montag noch keine neuen Pläne vorstellen. Sechs Wochen, nachdem die Postbank den Rückzug aus der Moltkestraße bestätigt hat, teilte eine Sprecherin auf Anfrage dem SÜDKURIER lediglich mit: „Sobald konkrete Fakten vorliegen, informieren wir über eine Presseinformation. Darin enthalten sind dann auch der Schließungstermin sowie Alternativen und weitere Standorte für unsere Kunden.“

1200 Personen haben für Erhalt der Post-Filiale unterschrieben

Ein Sprecher der Deutschen Post AG, die sich sogar mit einer Unterschriftenaktion der Bürgergemeinschaft Petershausen konfrontiert sieht, teilte mit, man suche weiter nach einer Lösung und sei dafür auch in Gesprächen mit der Stadtverwaltung.* Christian Millauer von der Bürgergemeinschaft sagte, rund 1200 Menschen hätten für den Erhalt der Filiale unterschrieben. Die Listen würden in den nächsten Tagen an die Akteure – Post, Stadtverwaltung, BPD – verschickt. Im Grundsatz begrüße er persönlich die Idee, leerstehenden Gewerberaum für das Wohnen zu nutzen, erklärte Millauer weiter. Angesichts früherer Debatten, bei denen die Signale stets gegen die Umnutzung standen, seien die Pläne „an sich positiv, aber auch etwas verwunderlich“.

Die Büros mit Seeblick sollen bald Wohnungen weichen, aber die Antenne bleibt drauf: Die Funkanlagen der Telekom seien auch in Zukunft unverzichtbar, sagt die Immobilienentwicklungsfirma BPD als neue Eigentümerin des Hochhauses in Konstanz-Petershausen.
Die Büros mit Seeblick sollen bald Wohnungen weichen, aber die Antenne bleibt drauf: Die Funkanlagen der Telekom seien auch in Zukunft unverzichtbar, sagt die Immobilienentwicklungsfirma BPD als neue Eigentümerin des Hochhauses in Konstanz-Petershausen. | Bild: Jörg-Peter Rau

Offen ist die langfristige Zukunft der Telefonsammlung von Hans-Dieter Schmidt. Jürgen Ruff (SPD) sorgte sich um den als technikgeschichtlich bedeutsam eingestuften Bestand. Schmidt hat etliche historische Apparate zusammengetragen. Im Moment sind sie in einem Teil des früheren Fernmeldeamts untergebracht. Beitlich erklärte, dass Schmidt vermutlich noch die nächsten drei Jahre mit seiner Sammlung bleiben könne. BPD sei sich der sozialen Verantwortung bewusst, dem Unternehmen liege daran, an einer Lösung für die Zukunft der teils museumswürdigen Stücke mitzuarbeiten. Bei der Entwicklung des Areals dürfe nicht zu schnell vorgeprescht werden, mahnte Stephan Kühnle (FGL). Es handele sich „um ein sensibles Gebiet“.

*An dieser Stelle hatten wir ursprünglich berichtet, ein Post-Sprecher habe nicht reagiert. Diese Aussage ist einem technischen Fehler geschuldet, sie trifft nicht zu. Wir bitten um Entschuldigung für den Fehler.

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