In Dingelsdorf scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. „Momentan ist alles okay. Kindergarten und Grundschule sind voll. Alles läuft supergut“, stellt Ortsvorsteher Heinrich Fuchs fest. Aber er weiß auch: „In fünf Jahren kann alles anders sein.“ Diese Erfahrung haben die Dingelsdorfer schon gemacht. Unvergessen ist die Zitterpartie um den Erhalt der Grundschule, als die Schülerzahlen massiv eingebrochen waren. Das Projekt Bildungshaus war seinerzeit die Rettung. Und das Gute: „Das Bildungshaus läuft noch drei Jahre weiter“, so Fuchs.

Eine positive Überraschung bescherte die Stadtverwaltung dem Teilort im Jahr 2016. Im Rahmen des Handlungsprogramms Wohnen hat sie das Gebiet Steinrennen II in den Fokus genommen, um dort Wohnbebauung zu ermöglichen. „Das ist ein sehr beruhigendes Gefühl, dass wir etwa einen Hektar haben, der nach und nach entwickelt werden kann“, stellt Heinrich Fuchs fest. Er geht davon aus, dass Ende 2017 der städtebauliche Wettbewerb ausgelobt werden kann. Der Ortsvorsteher ist gespannt auf die Ergebnisse, denn er erhofft sich zukunftsträchtige Lösungen. „Einfamilienhäuser können wir uns nicht leisten“, stellt er fest. Die Zeiten des großzügigen Flächenverbrauchs seien vorbei. Vielmehr gelte es, bei sorgfältigem Flächenverbrauch optimale Nutzungen zu ermöglichen, sprich: Wohnflächen zu reduzieren, aber gleichzeitig eine gute Wohnatmosphäre zu schaffen.

Die Entwicklung des Neubaugebiets Christiani-Wiesen könnte auch für Dingelsdorf Vorbild-Charakter haben, denn dort handle es sich ebenfalls um ein sensibles Gebiet. Zudem sollten dort neue Wohnformen entstehen, welche möglicherweise übernommen werden könnten. Für Steinrennen II in Dingelsdorf wünscht sich Heinrich Fuchs eine Mischung aus Wohnen für Familien und seniorengerechten Wohnungen. Schließlich gebe es viele ältere Dingelsdorfer, die sich räumlich verkleinern, aber im Ort bleiben möchten. Familiengerechte Häuser würden dann frei. „Aber das ist noch ein wenig Zukunftsmusik“, so Fuchs. Auch wenn das Neubaugebiet Steinrennen II unscheinbar wirke, „ist es doch eine Schlüsselentwicklung für Dingelsdorf“.

„Unser Parameter ist, dass Dingelsdorf nur so viel wachsen soll, damit wir die öffentliche und gewerbliche Infrastruktur erhalten können“, sagt Heinrich Fuchs und ergänzt in Anbetracht der geringen Entwicklungsmöglichkeiten: „Die Wohnungsprobleme der Stadt Konstanz können wir hier nicht lösen.“ Wichtig ist ihm und dem gesamten Ortschaftsrat, Leitlinien zu entwickeln, um nicht der Gefahr von „Fall-zu-Fall-Entscheidungen“ ausgesetzt zu sein. Aus diesem Grund wird im Frühjahr 2017 erneut eine Klausurtagung einberufen, um das bestehende Dingelsdorfer Handlungsprogramm zu überarbeiten und nachzujustieren.

Thema wird im neuen Jahr auf jeden Fall der Erhalt des Landschaftsbildes. Zunehmend gibt es Brachflächen, die verwildern. „Wir müssen Konzepte erarbeiten, wie wir nachhaltig unsere Kulturlandschaft erhalten können“, sagt Heinrich Fuchs, wohlwissend, „dass es mühsam ist, die Areale von Gehölz freizumachen; aber ebenso mühsam und aufwendig ist die dauerhafte, nachhaltige Pflege“. Der Ortsvorsteher ist froh, dass bereits einige Bürger aktiv geworden sind, denn solch ein Projekt gelänge nur, wenn sich viele beteiligten.

Ein Fall für sie? In Dingelsdorf soll ein Konzept zur Pflege der Kulturlandschaft entwickelt werden. Vorausschtlich bekommen dann auch die schottischen Hochlandrinder mehr Arbeit. <sup></sup>Bild: Aurelia Scherrer
Ein Fall für sie? In Dingelsdorf soll ein Konzept zur Pflege der Kulturlandschaft entwickelt werden. Vorausschtlich bekommen dann auch die schottischen Hochlandrinder mehr Arbeit. Bild: Aurelia Scherrer

Im ersten Halbjahr 2017 soll analog zu Litzelstetten eine Bürgerstiftung gegründet werden, die an den Verein "DingelsDorfLeben" gekoppelt wird. „Das ist eine zukunftsweisende Geschichte“, so Fuchs. Eine Stiftung sei die ideale Möglichkeit, nachhaltig wirken zu können, wie die 800 Jahre alte Spitalstiftung Konstanz beweise. Auch die Planung für den seit langem geforderten Radweg zwischen Dingelsdorf und Dettingen soll vorangetrieben werden.

2016 im Zeichen des aktiven Dorflebens

  • Zusammenhalt: Aufgrund von krankheitsbedingten Personalausfällen gab es Probleme in der Dingelsdorfer Ortsverwaltung. Die stellvertretende Ortsvorsteherin Ulrike Längle aber half Ortsvorsteher Heinrich Fuchs überaus engagiert in vielerlei Hinsicht. Das ist ein Beispiel für das gute Miteinander im Ort. Ansonsten verlief das Jahr 2016 relativ unspektakulär.
  • Kinderfreundlich: Die Kernzeitbetreuung wurde dank engagierter Eltern ohne Unterbrechung weitergeführt. Nach 16 Jahren des Auf- und Ausbaus der Kernzeitangebote für die Grundschüler haben sich Susanne Weber und Marina Lehmann von der Kernzeit verabschiedet. Kurzerhand wurde im Rahmen einer Elterninitiative ein Trägerverein gegründet, um die Angebote der Kernzeit aufrechtzuhalten und auszubauen.
  • Gesellig: Der Verein "DingelsDorfLeben" sorgte mit mehreren Angeboten, darunter Kinoveranstaltungen und Literaturkreis, für Schwung im Ort. Mit dem Mittagstisch, der im Februar Premiere feierte, wurde eine Lücke gefüllt. Alle Generationen nehmen das alle zwei Wochen stattfindende Angebot gerne an. Von dem großen Erfolg war auch das ehrenamtliche Kochteam überrascht. Die Erwartungen wurden weit übertroffen. (as)

 

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