Für Martin Pohlmann-Strakhof war die Idee hinter der Form sofort zu spüren, als er nach seinem Lehrer-Referendariat vor 27 Jahren erstmals die kaufmännische Wessenbergschule in Konstanz betrat: „So hell, so durchlässig und so klar strukturiert. Ich habe gedacht, das ist genau das Richtige für eine Schule.“ Inzwischen ist Pohlmann-Strakhof der Rektor der Schule und hat eines der schönsten Büros am Bodensee. Aus riesigen Fenstern blickt er direkt auf den Seerhein.

Die Wessenbergschule ist ein Nutzbau, fast jeden Tag gehen hier mehr als 1000 Schüler und 75 Lehrer ein und aus, dennoch gehört sie zu den 36 Denkmalen im Landkreis Konstanz, die Besucher beim Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 8. September, besser kennenlernen können. Der 1968 in Betrieb genommene Bau offenbart beim genauen Hinsehen einige Besonderheiten. Im Schwerpunkt sind dieses Jahr beim Denkmaltag Gebäude zu sehen, die für Umbrüche in Kunst und Architektur stehen.

Büro mit bester Aussicht: Rektor Martin Pohlmann-Strakhof profitiert von der Architektur der Wessenbergschule, die darauf setzt, Licht ins Gebäude zu holen. Das Haus am Konstanzer Seerhein ist als Beispiel für Denkmale der Moderne am Sonntag, 8. September, geöffnet.
Die Wessenbergschule am Konstanzer Seerhein | Bild: Claudia Rindt

Ein Hauch von Bauhaus

„Wir nutzen die Chance, unser junges bauliches Erbe zu zeigen“, sagt Frank Mienhardt, Denkmalpfleger bei der Stadt Konstanz. Die Moderne sei in Konstanz vor allem mit Hermann Blomeier verbunden, einem der bekanntesten Nachkriegsarchitekten der westlichen Bodensee-Region. Er hat unter anderem die Internatschule in Gaienhofen geplant und auch die Wessenbergschule in Konstanz.

Blomeier wurde am Dessauer Bauhaus ausgebildet. Ein Hauch von Bauhaus spiegelt sich auch in der Wessenbergschule. Sie sei funktional und schnörkellos, konsequent aus der Funktion entwickelt, zeige aber besondere Transparenz durch den Einsatz von Lichthöfen, Glasfronten und Lichtbändern, sagt Frank Mienhardt. Klassenzimmer bekommen von zwei Seiten Licht, die sowieso schon besonders großzügig gestalteten Treppenhäuser wirken durch große Fensterfassaden noch offener.

„Man fühlt sich hier nie beengt“, sagt Rektor Pohlmann-Strakhof. Nicht einmal bei Brandschutzübungen komme es an seiner Schule zu Gedränge. Große Glasscheiben zu den Innenhöfen vermitteln den Eindruck, Büsche und Bäume würden bis ins Haus wachsen. Alle tragenden Teile sind aus Beton, ansonsten setzen Klinkermauern Akzente.

Das Schloss Freudental öffnet am Denkmaltag seine Türen.
Das Schloss Freudental öffnet am Denkmaltag seine Türen. | Bild: Achim Mende

Herausragende Zeugnisse

Auch moderne Bauten könnten herausragende Zeugnisse in der Kunst- und Architekturgeschichte sein, sagt Kreisarchivar Friedemann Scheck. „Es geht nicht um ästhetische Maßstäbe.“

Es gehe vielmehr um die Weiterentwicklung oder das Durchbrechen des bisher Üblichen. Die Glas-, Stahl- und Betonbauten von heute hätten ihren Ursprung in der Bauhaus-Schule, die sich nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte. Es sei aber oft schwer, den Blick auf die Besonderheiten eines modernen Gebäudes zu lenken. „Manche empfinden sie als kalte Betonklötze.“

In Engen ist das Pumpenhaus in der Mundingstraße geöffnet.
In Engen ist das Pumpenhaus in der Mundingstraße geöffnet. | Bild: Landratsamt Konstanz

Brückenschlag zur Vergangenheit

Der Tag des offenen Denkmals sei eine Art Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Gegenwart, sagte Landrat Zeno Danner. Der Denkmaltag biete Bürgern die Gelegenheit, vergangene Entwicklungen zu sehen, die bis heute wirken.

In Engen steht die Kapuziner-Gruft zur Besichtigung offen. Bild: Jürgen Waschkowitz
In Engen steht die Kapuziner-Gruft zur Besichtigung offen. Bild: Jürgen Waschkowitz

Zu den 36 offenen Denkmalen im Landkreis gehören allerdings nicht nur Nachkriegsbauten. Engen beispielsweise lädt zum Besuch der Kapuziner-Gruft aus dem 18. Jahrhundert in der Spitalkirche. In Bodmann ist der historische Schlosstorkel geöffnet, in Freudental das kürzlich renovierte Barock-Schloss und auf der Insel Mainau das Schloss aus dem Spätbarock.

Luftige Struktur: In Bodman ist der Schlosstorkel zu besichtigen.
Luftige Struktur: In Bodman ist der Schlosstorkel zu besichtigen. | Bild: Ramona Löffler