Frau Pötter, Sie wollen mit Ihrem Unternehmen StadtLandFreund Menschen ansprechen, die sich und Konstanz kennen lernen wollen. Es gibt aber schon entsprechende Facebook-Gruppen wie „Neu in Konstanz“. Was machen Sie anders?

Ich bin selbst Mitglied in dieser Facebook-Gruppe, seitdem ich aus Norddeutschland hierher gezogen bin. Auch an meinen früheren Wohnorten habe ich über solche Gruppen Stammtische besucht und Leute kennen gelernt. Es ist toll, dass sich so viele Menschen da engagieren! Aber ich bin jemand, der gern Neues ausprobiert und auch andere gemeinsame Unternehmungen magt: wandern, ins Museum und Theater gehen und vieles andere. Und so möchte ich nun ganz vielfältige Freizeitangebote schaffen, bei denen sicher jeder etwas findet und man gemeinsam Spannendes erleben kann. Denn es geht uns doch allen so: Nach der Arbeit hat man kaum noch Kraft und Lust, sich aufzuraffen und allein etwas zu unternehmen. Was auch? Und mit wem? Wenn man dann noch Smalltalk führen soll, kostet das Zeit und Energie. Bei StadtLandFreund biete ich Veranstaltungen in ganz verschiedenen Bereichen an. Dabei können sich neu Zugezogene, aber auch Alteingesessene kennen lernen und gleichzeitig viel über die Stadt und das Umland erfahren. Die Angebote richten sich an unternehmungslustige Menschen zwischen Ende 20 und Mitte 40.

Warum glauben Sie, dass Ihre Idee viele Anhänger finden wird?

Weil wir alle nach sozialen Kontakten suchen. Das Leben besteht nicht nur aus Arbeit, wir brauchen einen guten Ausgleich, am besten mit netten Menschen. Und wenn man allein irgendwo hinzieht, kann man zwar in ein Museum gehen, aber da lernt man auch keine neuen Leute kennen. Ich habe früher als Jugendreferentin viele Veranstaltungen für Gruppen organisiert und da schon viele wertvolle Erfahrungen im Umgang mit Gruppen und deren Anleitung gesammelt, die ich jetzt nutzen kann.

Was bieten Sie den Teilnehmern an?

Ich habe schon viele Ideen, was wir in kleinen Gruppen erleben können. Manches davon habe ich entdeckt, als ich an den Bodensee gezogen bin und mit meinem Freund die Gegend erkundet habe. Zusätzlich habe ich mir ein paar nicht alltägliche Angebote aus den Bereichen Bewegung, Kultur und Kreatives überlegt. Mitte März zum Beispiel werden wir gemeinsam Cake Pops selbst herstellen. Das sind kleine Kuchen am Stiel, die wir mit Perlen und Streuseln verzieren können. Im Programm sind auch Konzertbesuche, Spieleabende oder Spaziergänge. Zu Ostern möchte ich eine Eiersuche veranstalten. Warum sollen nur Kinder daran Spaß haben? Es gibt rund um Konstanz und auch in der Schweiz so viel zu entdecken, da wird es uns nicht langweilig.

Um Smalltalk werden die Teilnehmer aber trotzdem nicht herumkommen, sie kennen sich ja anfangs nicht.

Klar, aber ich halte die Gruppen gerade deshalb klein, damit jeder mit jedem ins Gespräch kommen kann. Bei mir können sich höchstens 15 Personen für eine Aktion anmelden. Und das Programm ist darauf ausgerichtet, dass sich Leute mit ähnlichen Interessen zusammenfinden, zum Beispiel bei einem Museumsbesuch. Nicht jeder geht gleich offen auf Fremde zu, aber bei meinen Aktionen muss niemand Angst haben, keinen Anschluss zu finden. Da habe ich einen Blick auf das Geschehen. Ich möchte bei meinen Angeboten, im Vergleich zu den Facebook-Gruppen, auch ein bisschen mehr Verbindlichkeit hereinbringen. So haben die Teilnehmer die Chance, immer wieder dieselben Leute zu treffen und sie mit der Zeit besser kennen zu lernen.

Trotz fortschreitender Digitalisierung setzen Sie auf ganz analoge Treffen.

Ja, das ist mein Ansatz. Ob man sich sprichwörtlich riechen kann oder nicht, erfährt man nur bei einem persönlichen Kennenlernen. Im Leben wird es nie ohne soziale Kontakte gehen, jeder braucht Freunde und gemeinsame Erlebnisse, die zusammenschweißen. Man kann schließlich auch mit 100 Facebook-Freunden sehr allein sein.

Eignen sich Ihre Angebote, um auf Partnersuche zu gehen?

Darauf ist es nicht angelegt, mir geht es eher um Freundschaften. Aber natürlich freue ich mich, wenn sich zwei Menschen bei einer meiner Veranstaltungen kennen lernen und verlieben. Und wenn sich lauter Singles eine Aktion für Alleinstehende wünschen, kann ich natürlich auch das organisieren. Ich bin auch offen für verrückte Ideen und baue auf die Kreativität der Teilnehmer.

Was kosten Ihre Veranstaltungen?

Wer erstmal hineinschnuppern möchte, bekommt eine Einsteigerkarte für 19,90 Euro. Damit kann man zwei Veranstaltungen besuchen, für die aber teilweise noch Zusatzkosten entstehen, weil ich mit anderen Partnern zusammenarbeite. Ein Spaziergang kostet natürlich nichts extra, aber für die Stadtführung bezahlen die Teilnehmer 12,50 Euro zusätzlich, für das Cake-Pops-Herstellen 16 Euro plus etwa acht Euro Materialkosten. Dafür bekommt man ein tolles Erlebnis und lernt nette Menschen kennen. Die Fünferkarte kostet dann 69,90 Euro. Wer mitmachen möchte, meldet sich auf meiner Homepage www.stadtlandfreund.de an und abonniert den Newsletter, der über alle Aktionen informiert. Dort kann man sich auch für Aktivitäten anmelden und bezahlen.

Sie starten am 1. März mit der ersten Veranstaltung. Mit wie vielen Teilnehmern rechnen Sie?

Ich bin sehr gespannt und hoffe natürlich, dass sich viele anmelden. Bei meinen Recherchen bin ich bislang auf große Resonanz gestoßen. Und wenn doch nicht so viele kommen, starte ich erstmal mit einer kleineren Gruppe. Neue Ideen brauchen schließlich immer ein bisschen Anlaufzeit. Eigentlich bin ich die totale Perfektionistin. Aber im Moment lerne ich, auch mal Fünfe gerade sein zu lassen und einfach zu starten.

Fragen: Kirsten Schlüter

 

Zur Person

Barbara Pötter, 34 Jahre, kommt aus Münster. Sie studierte Soziale Arbeit und arbeitete anschließend in Aachen als Jugendreferentin, bevor sie nach Lüneburg zog und für ein Online-Magazin schrieb. Seit 1,5 Jahren lebt sie am See und gründete im Dezember 2016 das Unternehmen StadtLandFreund. In ihrer Freizeit wandert und näht sie gern, trifft sich mit Freunden und macht Yoga. Kontakt: per E-Mail an hallo@stadtlandfreund.de oder per Telefon: 07531/584 89 35. (kis)