Josef Maier verräumt gerade den Winter. Der Mitarbeiter der Technischen Betriebe Konstanz reinigt auf dem Hof der Fritz-Arnold-Straße akribisch die Winterdienstmaschinen und die sensible Elektronik, entleert die Salz-Behälter und rüstet die Schneefahrzeuge für die Sommersaison um. Für Maier und seine Kollegen waren vor allem gute drei Wochen im Januar stressig, in denen sie nahezu täglich und oft auch zweimal pro Tag im Einsatz waren. Danach wurde es trocken und kalt, "mein Lieblingswetter", sagt Henry Rinklin, der als Leiter des Winterdienstes die Einsätze koordiniert.

Rinklin hat täglich den Profi-Wetterdienst für die Region im Blick, auch gestern. Die Vorhersagen wurden in den 18 Jahren, in denen er den Job schon macht, zunehmend genauer – "so konnten wir auch die Einsätze Jahr für Jahr optimieren." Mit 99-prozentiger Verlässlichkeit kann Rinklin am Abend seinen Mitarbeitern sagen, ob sie noch raus müssen. Ordnet er einen Bereitschaftsdienst an und muss seine Leute dennoch nicht ausrücken lassen, kostet das mehrere tausend Euro. Letztlich setzen sich die Kosten für den Winterdienst deshalb nicht aus den tatsächlichen Einsätzen zusammen, erklärt Rinklin. Sondern aus der Vorbereitung und Koordination. Gekostet hat der Winterdienst bisher rund 367 700 Euro. Das ist mehr als in den vier Jahren davor – aber noch weit vom Jahrzehnt-Rekord aus dem Winter 2008/2009 entfernt, als es 57 Einsätze gab und Kosten von rund 488 300 Euro.

Die Technischen Betriebe sparen, wo es geht, erklärt Rinklin. Unter anderem dadurch, dass nur auf „gefährlichen und verkehrswichtigen Strecken“ überhaupt geräumt und gestreut wird. Dazu gehören auch bedeutende Geh- und Radwege. Zudem setzen die TBK auch vermehrt darauf, Lohnunternehmen einzusetzen. Weil so weniger eigene Mitarbeiter in Rufbereitschaft gehalten werden müssen und weil die Auftragnehmer auch ihre eigenen Maschinen mitbringen, sei das rund 40 Prozent billiger, als alles selbst zu machen. So steht es in der Bilanz zum Winterdienst, die dem Technischen Betriebsauschuss jetzt vorgestellt wurde. Auch dort musste Rinklin erklären, was er jeden Winter erklärt: "Es macht keinen Sinn, Split statt Salz auf die Straßen zu streuen." 375 Tonnen Salz und 45 Tonnen Split hat der Winterdienst diese Saison verbraucht. Würde nur Splitt verwendet, brauche man die zehnfache Menge, zehnmal so viele Fahrten zum Auffüllen der Behälter, habe am Ende einen riesigen Berg Sondermüll, verstopfte Gullys und Feinstaub auf den Straßen, sagt Rinklin. Er kennt die Salz-oder-Splitt-Debatte, seit er den Job macht, und er kennt auch das Unverständnis von vielen Privatleuten. Aber während auf einem nur zu Fuß benutzten Gehweg Splitt genügend Halt gebe, sei dies auf einer von Autos, Bussen und Lastwagen befahrenen Straße kaum zu machen.

Wieviel und wo gestreut wurde, können Rinklin und die Einsatzleiter am PC oder Smartphone ablesen: Seit der Wintersaison 2012/2013 setzen die TBK ein GPS-Tracking-System ein. Das bedeutet: Für jeden Ort in der Stadt kann Rinklin auf die Sekunde genau sagen, wann geräumt und wie viel Salz auf welcher Breite gestreut wurde. Einsätze von Hand, etwa an Bushaltestellen, und Kontrollen vor Ort werden dokumentiert.

In Abstimmung mit den Stadtwerken wurden diesen Winter zudem die Einsätze rund um die Bushaltestellen intensiviert. Bei einer kritischen Wetterprognose schickt Rinklin ein Extrafahrzeug raus, das an bestimmten Stellen vorstreut – zum Beispiel auf der Wendeschleife bei der Mainau, auf der Riedstraße und der Elberfeldbrücke. Dass seine Leute in den kommenden Tagen oder Wochen nochmal raus müssen, bezweifelt Rinklin zwar, aber Jesus-Sandalen habe er schließlich auch nicht an, sagt Rinklin und lacht. Zudem erinnere er sich noch gut an das Jahr 2012. "Ein Tag und Temperaturen wie heute. Und ich löse Vollalarm aus. Da haben mich natürlich ersteinmal alle angeschaut, ob ich verrückt sei." Bis Rinklin die Prognose des Wetterdienstes zeigte: Ein Blizzard. "Die Mitarbeiter waren noch nicht mal aus dem Tor raus, da fing es an, zu schneien. Und die Temperatur sackte um 12 Grad ab." Und die Prognose für dieses Wochenende? "Ich veranstalte in Zoznegg und Pfullendorf zwei Radrennen, das Wetter muss gut sein", antwortet der ehemalige Radprofi.