Konstanz Wind Symphonica: Die mit den Vampiren tanzen

Wind Symphonica gibt im Audimax der Universität Konstanz sein Winterkonzert. Das Blasorchester stellt beeindruckend unter Beweis, welch große Bereicherung es für das städtische Musikleben ist.

Der Name selbst füllt schon mehr als eine ganze Zeile: „Symphonisches Hoch-schulblasorchester Konstanz“; und das Orchester, erst 2013 gegründet, hat kein Problem, das Audimax der Universität beim Winterkonzert annähernd zu füllen. Studenten bilden den Kern der mehr als 50 Musiker. Aushilfen ergänzen, und der künstlerische Erfolg, deutlich hörbar, ist vorwiegend dem Gründungsleiter Ralph Brodmann zu verdanken.

Suiten in modernem Gewand

Seine Vorliebe für Orchestersuiten führte in den Bereich, den der griffige Titel Wind Symphonica verheißt: Die klassische Suiten-Form erscheint hier in modernem Gewand mit all ihren polyphonen, klangvariablen, großflächigen und kleinräumigen, rhythmisch und melodisch frappierenden Strukturen, Brodmann und das Ensemble präsentiert sie als beste Unterhaltung. Das gelang dem Blasorchester nicht nur spannend, sondern auch aufkratzend: „Noahs Arche“ von Bert Appermont ließ Botschaft und Hoffnung, den Gang der Tiere und die historisch wahrscheinlich stattgehabte große Flut in Kanon, arioser Ballade und exzessiven Crescendo-Bögen bildlich erstehen; eine Programmmusik mit wilder Perkussion von toller Wirkung!Die „Ararat-Suite“ des iranisch-armenischen Komponisten Loris Tjeknavorian quoll geradezu über von Melodienreichtum in Oboe und vielen anderen Registern. Effektvoll gerieten auch die rasenden Triolenstrecken, im Schlusstanz orientalisch angehaucht im sonst eher amerikanisch-europäischen Sound, der im Walzer gar an Frühling in Wien oder Tulpen aus Amsterdam erinnern mochte.Alfred Reeds 4. Suite mit Intrada, Aria und Marsch schließlich bekennt sich offen zur klassischen, sozusagen absoluten Bauart, gespickt mit allerhand Hymnischem – hier klingt Georg Friedrich Händels „Halleluja“ an –, melodisch Ausgependeltem, Frechem und Militärisch-Zackigem.Das war's noch nicht: Ein zweiminütiges Opening ließ zum Orchester drei Trompeten und Schnarrtrommel (snare drum), weit weg von der Orchesterbühne positioniert, Klänge aus allen Richtungen Hörers Ohren gewissermaßen Surround-Effeke genießen. Eine Nordenglische (Yorkshire-) Ballade und ein Medley aus „Tanz der Vampire“, in dem in traumschönem Oboensolo und immer drohender auflaufendem Marsch getanzt, geliebt, gelacht, gehasst und gebissen wird, rundeten ein Konzert ab, das staunen machte, in wie kurzer Zeit sich dieses neue Ensemble bereits etabliert hat; wie gut die reich besetzten Bläsergruppen und umfangreiche Percussion unter Ralph Brodmann musikalisch präzise zusammenarbeiten.

Eine griffige Moderation

Die Musik und deren Umfeld erläuterten – was im klassischen Symphoniekonzert meistens fehlt – dem Publikum im Audimax griffig Lena Wurmthaler und Britta Steffens. Von den Zuhörern gab es einen satten, anerkennenden Schlussbeifall für Dirigent und Blasorchester.Nach dem Winterkonzert wirft nunmehr bereits der Sommer seinen Sonnenschein bereits voraus: Am 9. Juli wird Wind Symphonica sein Open-Air-Konzert geben.


Wind Symphonica

Wind Symphonica ist ein im Jahr 2013 gegründetes Hochschulblasorchester. Unter der Leitung von Ralph Brodmann wird vor allem symphonische Musik, geschrieben für Blasorchester, konzertiert, aber auch Filmmusik bis hin zu Jazz ist immer wieder im Semester-Programm vorzufinden, heißt es in einer Beschreibung auf der Internetseite von Wind Symphonica. Im Orchester ist jeder willkommen, also Studenten, Uni-Angestellte, Konstanzer, aber auch Nicht-Uni-Angehörige oder Nicht-Konstanzer. „Hauptsache, man hat Freude am gemeinsamen Musizieren und an symphonischer Blasorchester-Literatur“, lautet die Beschreibung weiter. Derzeit sind rund 50 Musiker im Wind Symphonica aktiv. (sk)

Informationen und Kontakt im Internet:

www.windsymphonica.uni-konstanz.de

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