Michael Dienst hat ein inniges Verhältnis zur Botanik. Wenn er am Ufer zwischen Hörnle und Wasserwerk die seltenen Pflanzen begutachtet und fast schon zärtlich anfasst, dann offenbart sich sein spezielles Verhältnis zu ihnen. "Wir müssen sie schützen", sagt er und blickt mit ernster Miene auf die mehrere Dutzend Feuerstellen, die sich hier im Abstand von mehreren Metern reihen bis hin zum Fährhafen.

Der Wasserstand ist trotz einiger Regenstunden in den vergangenen Tagen niedrig, der Strand ist dadurch angewachsen – die Menschen sitzen am liebsten direkt am See. "Dadurch laufen sie unachtsam über einzigartige Pflanzen."

Feuerstelle am Ufer: Dadurch werden einzigartige Pflanzen bedroht.
Feuerstelle am Ufer: Dadurch werden einzigartige Pflanzen bedroht. | Bild: Schuler, Andreas

Hier wachsen besonders gut ausgeprägte Strandrasen. Neben dem Bodensee-Vergissmeinnicht kommen auch Strandling und Ufer-Hahnenfuß vor. An diesem Tag hat Michael Dienst Glück und findet einen Platz, an dem die beiden seltenen Pflanzen direkt nebeneinander wachsen.

Seltenes Bild: Der gelbe Ufer-Hahnfenfuß und ein Bodensee-Vergissmeinnicht direkt nebeneinander.
Seltenes Bild: Der gelbe Ufer-Hahnfenfuß und ein Bodensee-Vergissmeinnicht direkt nebeneinander. | Bild: Schuler, Andreas

Der Strand-Schmiele, ein Süßgras, kommt nur am Bodensee vor und hat hier den größten Bestand überhaupt. Michael Dienst: "Seine Eigenart ist die Pseudoviviparie. Das heißt, an der Blütenrispe werden gleich die Jungpflanzen ausgebildet." Obwohl die Strand-Schmiele auf den ersten Blick eine eher unscheinbare Gras-Art ist, ist sie dennoch einzigartig.

Das Schilf (im Hintergrund) hat sich nach dem Niedrigwasser am Ufer angesiedelt. Die kleinen Grünflächen sind Strandling und Strand-Schmiele.
Das Schilf (im Hintergrund) hat sich nach dem Niedrigwasser am Ufer angesiedelt. Die kleinen Grünflächen sind Strandling und Strand-Schmiele. | Bild: Schuler, Andreas

Was ist so besonders an den Pflanzen?

Die Pflanzen vom Bodensee unterscheiden sich von verwandten Arten durch eine auffällige Form der vegetativen Vermehrung. Die Blüten bilden anstatt Samen kleine neue sensible Graspflänzchen. Wer hier achtlos drüber steigt oder sich draufsetzt, gefährdet die Pflanze.

Feuermachen direkt am Ufer ist nach Umweltschutz- und Polizeiverordnung der Stadt Konstanz verboten. Am Wasserwerk gibt es einen großen Grillplatz mit Bänken – doch der wird in den Sommermonaten gerne ausgeweitet auf die gesamte Uferfläche.

Dieses Bild von Juni 2005 hätte auch aus diesem Sommer stammen können: Wildes Campen am Bodenseeufer.
Dieses Bild von Juni 2005 hätte auch aus diesem Sommer stammen können: Wildes Campen am Bodenseeufer. | Bild: privat

Es existieren Hinweisschilder auf die seltene und schützenswerte Botanik – doch die sind zum Teil zugewachsen. Aufgestellt wurden sie im Jahr 2006 in Zusammenarbeit mit der Stadt Konstanz. Michael Dienst fordert daher im Namen der Arbeitsgruppe Bodenseeufer: "Wir müssen die Schilder sichtbar machen und öfter das Ufer dezent kontrollieren."

Kaum sichtbar: Ein Schild am Ufer ist längt zugewachsen.
Kaum sichtbar: Ein Schild am Ufer ist längt zugewachsen. | Bild: Schuler, Andreas

Es sei für ihn als Biologen sehr schwierig, die jungen Menschen direkt anzusprechen und auf die Gefahren des Feuermachens in dieser Zone anzusprechen: "Man wird da nicht unbedingt gehört. Das ist auch nicht unsere Aufgabe."

Feuerstelle am Ufer: Dadurch werden einzigartige Pflanzen bedroht.
Feuerstelle am Ufer: Dadurch werden einzigartige Pflanzen bedroht. | Bild: Schuler, Andreas

Mit Grundstückbesitzern habe er gute Erfahrungen gemacht: "Die sind in der Regel kooperativ und haben Interesse an den Pflanzen am Ufer." Ein weiteres Problem sei die Uferschwemme, also Strandgut, dass vom See angeschwemmt wird. "Das ist meistens Holz, dass vom Rhein kommt und dann hier landet." Der Uferverbau sei glücklicherweise kein Problem mehr.

Michael Dienst steht vor einem Schild, das am FKK-Bereich des Hörnle auf die Strandrasen und die einzigartige Pflanzenwelt hinweist.
Michael Dienst steht vor einem Schild, das am FKK-Bereich des Hörnle auf die Strandrasen und die einzigartige Pflanzenwelt hinweist. | Bild: Schuler, Andreas

Im Sommer leidet das Ufer ganz besonders – auch und vor allem im Rahmen des Seenachtsfestes, wenn tausende von Gästen am Strand sitzen und grillen. Oft ist es Unwissenheit, die zur Vernichtung der Pflanzen führt. "Von daher wäre es wichtig, die Menschen für die Problematik zu sensibilisieren", sagt Michael Dienst. "Wenn eine Pflanze ausgestorben ist, dann ist es zu spät."