Die Zukunft ist digital und die Gegenwart könnte digitaler sein – so zumindest die Auffassung vieler junger Menschen. Die Stadtverwaltung Konstanz will den Digitalisierungsprozess voranbringen. Das geht nicht immer schnell, einige wenige Pilotprojekte gibt es aber schon.

Diese Anwendungen bietet die Stadt Konstanz jetzt schon

Den Parkschein lösen, wenn man kein Kleingeld dabei hat: Zumindest das ist in Konstanz bei allen gebührenpflichtigen Parkplätzen möglich. Statt Münzen für den Parkautomaten zu suchen, kann man einen Parkschein per Smartphone lösen.

Jean-Piere Kiasumbwa bezahlt seinen Parkschein bargeldlos am Stephansplatz.
Jean-Piere Kiasumbwa bezahlt seinen Parkschein bargeldlos am Stephansplatz. | Bild: Oliver Hanser

Ebenfalls per Smartphone kann man an einer der Konrad-Stationen ein Fahrrad ausleihen. Beides sind Elemente der Smart City.

Vincenzo Cinconze leiht sich ein Rad aus. Anmeldung und Bezahlung funktionieren übers Smartphone.
Vincenzo Cinconze leiht sich ein Rad aus. Anmeldung und Bezahlung funktionieren übers Smartphone. | Bild: Oliver Hanser

Die Verwaltung soll digitaler werden

Behördengänge kosten Zeit. Deshalb fordern Bürger zunehmend ein, diese auch online erledigen zu können. So weit ist man aber in deutschen Verwaltungen in der Regel noch nicht. Erleichterungen gibt es trotzdem bereits, wie Björn Fischer, verantwortlich für die digitale Agenda, erläutert. So ist es zum Beispiel möglich, über das städtische Serviceportal Geburts-, Ehe- oder Sterbeurkunden zu bestellen. Die Urkunde sei allgemein gültig, das Standesamt stelle die Urkunde aus und sende diese dem Bürger auf dem Postweg zu.

Beim Passantrag spart man den Weg zum Fotografen

Einen ähnlichen Zweck erfüllt das Selbstbedienungsterminal im Bürgerbüro. Wer einen Personalausweis oder Reisepass beantragen will, kann dort den Prozess zumindest abkürzen. Am Terminal könne man den eigenen Fingerabdruck scannen und ein Foto machen lassen, erläutert Fischer. Trotzdem müsse man nochmals persönlich an den Schalter im Bürgerbüro.

Yekatarina Kesler am Selbstbedienungsterminal der Stadt im Bürgeramt an der Laube.
Yekatarina Kesler am Selbstbedienungsterminal der Stadt im Bürgeramt an der Laube. | Bild: Oliver Hanser

Am Winterersteig beleuchten intelligente Laternen den Weg

Ein Pilotprojekt haben Verwaltung und Stadtwerke gemeinsam initiiert: Am Winterersteig ist seit wenigen Wochen eine smarte LED-Beleuchtung installiert. Sensoren in den Straßenlaternen melden der Elektronik, wenn sich ein Passant nähert, dann wird die Leuchtkraft verstärkt. Im Normalbetrieb sei das Licht ab 23 Uhr stark gedimmt, erläutert Fischer. Von den smarten Leuchten erwarten sich die Stadtwerke eine Energieeinsparung von etwa 3500 Kilowattstunden. Das sei etwa 50 Prozent weniger Verbrauch als bei herkömmlichen Leuchten, so Christopher Pape, Pressereferent der Stadtwerke.

Ein Mitarbeiter der Stadtwerke installiert eine der intelligenten LED-Leuchten am Winterersteig.
Ein Mitarbeiter der Stadtwerke installiert eine der intelligenten LED-Leuchten am Winterersteig. | Bild: Stadtwerke Konstanz

Digitale Anwendungen bei den Stadtwerken

Die Stadtwerke haben weitere Modelle getestet: Dazu gehöre die „Mein Konstanz„-App, die über Busverbindungen informiert, den Veranstaltungskalender für Konstanz bereit hält und es dem Nutzer ermöglicht, sein Kurzstrecken-Bus-Ticket aufs Smartphone zu laden. Letzteres hat allerdings bereits zu Beschwerden geführt: Viele Konstanzer, die kein Smartphone besitzen oder besitzen wollen, protestierten mit Unterschriftenlisten gegen die aus ihrer Sicht diskriminierende Lösung.

Diese Anwendungen wären in Zukunft denkbar

Es gibt etliche Möglichkeiten, die Smart City zu erweitern. Beispielsweise könne man die Konstanzer Verkehrsströme digital abbilden und damit Möglichkeiten simulieren, wie der Verkehr effizienter geführt werden kann.

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Ganz so schnell soll der Prozess allerdings nicht vorangehen. Eine umfassende Bürgerbeteiligung zur Digitalstrategie sei erst für 2021 geplant, so Fischer. Unbedingt verhindern will die Stadtverwaltung, dass sich Bürger abgehängt fühlen – und ähnliche Konflikte entstehen wie jener um das Kurzstrecken-Busticket.

Andere Städte sind Vorbilder

Den Ruf, bei der Digitalisierung besonders temporeich zu sein, hat Deutschland ohnehin nicht. In Europa sind Staaten wie Estland oder die skandinavischen Länder weit voraus. Wien hat sich mit sehr vielen Smart-City-Projekten eine Vorreiterstellung gesichert: So soll ein System aus smarten Ampeln installiert werden, die untereinander vernetzt sind und so künftig etwa verhindern könnten, dass Staus entstehen. Andere Anwendungen sollen der Umwelt und dem Nutzer helfen: Das Mehrwegsystem Mycoffeecup beispielsweise gibt Mehrwegbecher für Kaffee für unterwegs aus und zeigt per App Automaten an, an denen man die Becher wieder abgeben kann.

Tübingen setzt auf digitale Debatte

Die Stadt Tübingen wiederum machte vor kurzem Schlagzeilen mit einer Bürger-App, mit deren Hilfe Bürger an Befragungen teilnehmen und ihre Meinung zu politischen Themen der Stadtentwicklung äußern können.