Er war, ist und wird vermutlich immer der King of Rock'n'Roll bleiben. Fans machen sich auf Spurensuche von Elvis Presley, seine einstigen Wohn- und Wirkungsstätten sind längst zu so etwas wie Wallfahrtsorten geworden. Sie wollen so gut wie möglich den Geist ihres Idols spüren, das vor 40 Jahren starb. Dieter Kaiser hat Presley in Bad Nauheim kennen gelernt und den Kult um dessen Person vor fast 60 Jahren beobachtet.

Viele würden ihn um diese Erlebnisse beneiden. Für Dieter Kaiser aus Konstanz, man mag es fast so sagen, waren die Begegnungen mit dem King of Rock'n'Roll nichts Außergewöhnliches mehr. Kaisers Eltern hatten in Bad Nauheim ein Lokal, den Schützenhof. Dort verkehrten die Soldaten des amerikansichen Militärs, auch Elvis Presley.

Gibt ein Autogramm: Elvis Presley in Bad Nauheim.
Gibt ein Autogramm: Elvis Presley in Bad Nauheim. | Bild: Archiv Dieter Kaiser

Er leistete von Oktober 1958 bis März 1960 seinen Militärdienst und lebte während dieser Zeit in Friedberg und in Bad Nauheim. Dieter Kaiser studierte in Belgien und Heidelberg. Wenn Kaiser in die Heimat ins elterliche Lokal zurückkehrte, war gerne einmal Elvis da; "ein bis zwei Mal im Monat", erinnert sich Dieter Kaiser.

Eine Schneise für Elvis

Der Star mehrerer Generationen in Bad Nauheim, das war eine Sensation. Die Autogrammjäger versuchten, den King of Rock'n'Roll abzupassen. Der Schützenhof hatte neben dem Restaurant zwei Bars. In einer seien die rangniedrigeren Soldaten verkehrt, erklärt Dieter Kaiser, in einer zweiten Bar die Offiziere. Elvis habe sich in beiden Räumen aufgehalten und aufhalten dürfen. Wenn er zur Bar wollte, um ein Getränk zu bestellen, bildeten die Besucher eine Schneise. Platz für den König, Privilegien eines Stars.

Für Dieter Kaiser lag der Starkult fern, allerdings ein glühender Anhänger des Rock'n'Rolls und begeisterter Tänzer. Konzerte konnte er sich damals als Student nicht leisten. Die Musik genoss er über den US-Militärsender AFN, "den hat die deutsche Jugend gehört", sagt er. Oder Elvis lief aus der Musikbox. Dann hat Kaiser gerne einmal das Tanzbein zu "In the ghetto" des Kings geschwungen.

Anekdoten über Presley

In Bad Nauheim machten Geschichten und Gerüchte über Elvis die Runde. Zu den schöneren Anekdoten zähle, sagt Kaiser, dass Elvis Presley im Schützenhof mit einer Mutter ins Gespräch gekommen sei. Das sei so geendet, dass er mit ihr und ihrem Sohn ein paar Häuser weiter ein Fahrrad für den Jungen gekauft hat.

Zu den Gerüchten zählt, dass Elvis vor den Augen von Bauarbeitern einen 500-DM-Schein als Provokation zerrissen haben soll. Und sein inniger Umgang mit einer 14-Jährigen "war moralisch sehr verpönt", blickt Dieter Kaiser zurück. Das Mädchen hieß Priscilla und wurde später die Frau des Rock'n'Roll-Königs.