Karin Filleböck ist seit Anfang September im Städtischen Kinderhaus am Rhein in einer komfortablen Situation. Die Erzieherin kann sich in ihrem Büro Zeit nehmen für die verschiedensten Anliegen der Eltern, ist Ansprechpartnerin sowohl bei Problemen als auch bei alltäglichen Fragen.

Filleböck ist eine der neuen Konstanzer Elternbegleiter. Sie kann sich jetzt offiziell wichtigen Themen widmen, die zuvor aus verschiedensten Gründen nebenbei laufen mussten. Das Städtische Kinderhaus am Rhein ist eines der frisch geschaffenen Kinder- und Familienzentren, zu denen die Kindertagesstätten nach und umgebaut werden.

Ganz neues Angebot für Familien

So können sie für ein ganz neues Angebot für Familien sorgen, wie Bettina Mohr, Leiterin der Tagesbetreuung beim Sozial- und Jugendamt, erklärt: „Durch eine qualifizierte Fachkraft, die freigestellt ist und auch Zeit hat.“

Natürlich haben sich Eltern auch schon vor dem 1. September 2018 mit den Betreuern ihrer Kinder über Dinge unterhalten, die sie bewegten. Jetzt aber haben zumindest neun Kindertageseinrichtungen in sieben Zentren die nötigen Räumlichkeiten und finanziellen Möglichkeiten, um sich gezielt um solche Beratungen kümmern zu können.

Die Leiter sowie die Elternbegleiter der Konstanzer Kitas mit (am Transparent von links) Bettina Mohr (Leiterin der Tagesbetreuung beim Sozial- und Jugendamt), Bürgermeister Andreas Osner und Alfred Kaufmann (Leiter des Sozial- und Jugendamtes).
Die Leiter sowie die Elternbegleiter der Konstanzer Kitas mit (am Transparent von links) Bettina Mohr (Leiterin der Tagesbetreuung beim Sozial- und Jugendamt), Bürgermeister Andreas Osner und Alfred Kaufmann (Leiter des Sozial- und Jugendamtes). | Bild: Mandy Krüger

Zum 1. September haben sieben Kinder- und Familienzentren ihre Arbeit aufgenommen, die für eine noch bessere Information und Vernetzung insbesondere der Eltern sorgen sollen. „Die Kindertagesstätten bieten eine sehr hohe Qualität hier in Konstanz“, sagt Bürgermeister Andreas Osner.

Darauf aufbauend wolle die Stadt in denjenigen Kindertagesstätten, die zu Kinder- und Familienzentren werden, bestimmte Angebote bündeln zu Themen wie Hilfe oder Erziehung. Auch sollten beim Kinderschutz und Prävention Warnsignale sofort aufgenommen werden, um Kinder und Familien früh unterstützen zu können.

Bis 2020 sollen es 15 Kinder- und Familienzentren geben

Alfred Kaufmann, Leiter des Sozial- und Jugendamtes, sieht die Stadt in der Pflicht, den Familien bei der Erziehung zu helfen. „Es gilt, die Rahmenbedingungen zu gestalten“, sagt er. Zu den ersten sieben Einrichtungen kommen 2019 drei weitere hinzu, 2020 dann nochmals fünf.

„Es gab ein ganz, ganz großes Interesse“, erklärt Kaufmann, „wir hatten mehr Anfragen, als wir zusagen konnten.“ Eine zentrale Voraussetzung für die Anwärter war, dass mindestens eine Fachkraft eine mehrwöchige Zusatzqualifikation zum Elternbegleiter absolviert hat.

Elternbegleiter helfen beim Netzwerken

So bestünden dank schneller und unkomplizierter Hilfe die bestmöglichen Entwicklungschancen für Kinder. „Eltern wollen eine Plattform, wo sie sich auch als Familie austauschen können“, erklärt Mohr. Dies könne sowohl in der Einrichtung vor Ort geschehen, wie bei Karin Filleböck. Die Elternbegleiter verweisen aber auch auf andere Einrichtungen und stellen Netzwerke her.

Wie dies in der Praxis funktioniert, erläuterten Vertreter der verschiedenen Kinder- und Familienzentren, die von den ersten Wochen nach dem Start berichteten. Neben Elterncafés, der Vernetzung von Familien oder Beratungen, die alle Zentren gemeinsam haben, gibt es doch zum Teil große Unterschiede in Angebot und Aufgaben.

Unterschiedliche Angebote und Aufgaben

So kann das Kinder- und Familienzentrum im Musikerviertel eine Betreuung unter einem Dach anbieten mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf als großem Ziel. Dort stehen musikalische Fortbildungen im Programm, Kurse und Seminare, dazu Sportangebote wie Klettern oder Capoeira.

Im Katholischen Kinderhaus Edith Stein in Petershausen setzen sie auf vier Säulen: Beratung und Begleitung von Familien; Kooperation und Ausbau von Netzwerken; Vermietung der Räume; kinderkulturelle Veranstaltungen.

Kulinarisches und Kultur für Kinder

Das Albert-Schweitzer-Kinderhaus ist seit fast 20 Jahren auch Spielplatzbetreuer auf einem öffentlichen Spielplatz in Fürstenberg und bekommt so Zugang vielen unterschiedlichen Familien im ganzen Stadtteil. Hier wird unter anderem ein interkulturelles Kochprojekt organisiert, bei dem Eltern für andere Eltern landestypische Gerichte zubereiten, die dann gemeinsam gegessen werden. In einem Bildungsprojekt werden Kindern Büchereien oder Museen nähergebracht.

In der Katholischen Kindertageseinrichtung St. Nikolaus in Dingelsdorf wird großen Wert auf die Vernetzung im Ortsteil gelegt, der 13 Kilometer von der Stadt Konstanz entfernt ist, sodass das Kinder- und Familienzentrum auch eine wichtige Rolle spielt bei der Integration von neu zugezogenen Familien.

Zweimal zwei Einrichtungen arbeiten zusammen

Den Katholischen Integrativen Kindergarten die Arche und das Sozialzentrum von Wessenberg trennt in Stadelhofen nur ein Gartentor, sodass die beiden Einrichtungen gemeinsam ein Zentrum bilden, wo Kinder zwischen vier Monaten und 14 Jahren, mit und ohne Behinderung, gemeinsam aufwachsen und Zugang zu einer Kinderbibliothek haben sowie zweimal wöchentlich zu einem offenen Spielgarten.

Auch das Städtische Kinderhaus im Paradies und die Städtische Kindertageseinrichtung Villa Kunterbunt setzen bei Bildung, Beratung, Vermittlung und Vernetzung auf die verschiedenen Synergieeffekte, die sich bei der Zusammenarbeit von zwei Einrichtungen bieten.

„Wir sind auf einem guten Weg, etwas aufbauen zu können.“

„Die Familien- und Elternbegleiter haben Zeit und sind Anlaufstelle“, erklärt Bettina Mohr vom Sozial- und Jugendamt, „sie sollen auf die Bedürfnisse und Fragen der ganzen Familie eingehen.“ Karin Filleböck ist sich jedenfalls sicher: „Wir sind auf einem guten Weg, etwas aufbauen zu können.“