Die Fronten zwischen Schweizer Tierschutz (STS) und Universität Konstanz verhärten sich zunehmend. Nach dem Fund einer Versuchs-Brieftaube im thurgauischen Mammern hatte der STS massive Kritik an der Hochschule geübt. Von "tierquälerischen Experimenten" und "fahrlässigem Handeln" war die Rede. 
Die Universität hat sämtliche Vorwürfe zurückgewiesen und kann zudem darauf verweisen, dass die Versuchsanordnung im Vorfeld von verschiedenen Ethikkkommissionen genehmigt wurde. Entscheidend für die Genehmigung eines Tierversuchs ist in der Regel die Abwägung zwischen dem zu erwartenden Erkenntnisgewinn des Versuchs und den Belastungen, die diese Tests für das Tier bedeuten. Im konkreten Fall waren offenbar mehrere Experten der Ansicht, dass der Versuch angemessen und für die Taube zumutbar ist.

Nun stellt sich die Frage – wie geht es weiter mit der Taube? Der STS will das Tier nicht an die Universität zurückgeben, die Universität fordert den Vogel aber nachdrücklich zurück: "Die Taube ist Eigentum der Universität. Fremdes Eigentum nimmt man sich nicht einfach", erklärt Uni-Sprecherin Julia Wandt. Sie hoffe, dass weitere juristische Schritte nicht notwendig seien werden, falls doch, schrecke die Uni aber davor nicht zurück.

Aktuell befindet sich die Taube in der Obhut des Kreuzlinger Tierschutzheims: Hier werde sie betreut, bis sie gesundheitlich wieder voll hergestellt sei, schreibt Heinz Lienhard, Präsident des STS auf Anfrage des SÜDKURIER. Sie befinde sich in einer artgerechten Voliere, in der sie fliegen könne, so die Auskunft aus der Schweiz. Freifliegen lässt man den Vogel derzeit offenbar bewusst nicht, die Brieftaube würde wohl das tun, was tief in ihrer DNA liegt – sofort wieder in ihren Taubenschlag an der Universität fliegen.

Genau das soll aus Sicht des STS auf keinen Fall passieren: "Ein Tier zu retten und gesundzupflegen, um es wieder in den Tierversuch zurückzugeben, ist für uns ausgeschlossen. Das würde auch in der Bevölkerung kaum jemand verstehen", so Heinz Lienhard. Einerseits. Auf eine Strafanzeige gegen die Universität wolle man aber auch verzichten, so Lienhard andererseits. Das Thurgauer Veterinäramt als mögliche Dritt-Instanz scheidet auch aus: "Wir sind in diesem Punkt nicht weisungsbefugt und das Problem ist damit privatrechtlich zwischen der Universität Konstanz und dem STS zu lösen", erklärt die Behörde auf Nachfrage.

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