Dass so manches Sportgerät auch eine Waffe sein kann, ist offensichtlich. Schließlich haben Disziplinen wie Speerwurf oder Schießen ihre Ursprünge im Krieg.

Dass aber auch ein Tennisball als gefährlicher Gegenstand eingestuft werden kann, hat nun ein Urteil am Amtsgericht gezeigt, in dem ein 29 Jahre alter Afghane wegen versuchter räuberischer Erpressung zu einer Geldstrafe verurteilt worden ist.

Der Streit zwischen den beiden Männern schwelt schon länger

Der Angeklagte, der seit 2012 in Deutschland lebt, hat seit längerer Zeit immer wieder Streit mit einem anderen, fünf Jahre jüngeren Flüchtling. Als er im vergangenen Jahr seinen Arbeitsplatz bei einem großen Industriebetrieb in Singen verliert, sieht er den Grund für die Kündigung darin, dass der Jüngere ihn kurz zuvor – nach Meinung des Angeklagten – zu unrecht angezeigt und damit seinen Ruf im Unternehmen beschädigt hatte.

Nahe einer Radolfzeller Unterkunft stellt er einige Tage später den Jüngeren zur Rede und drückt ihm einen Tennisball ins Gesicht. Der 29-Jährige fordert 1600 Euro für den Verlust des Arbeitsplatzes und droht, seinem Gegenüber den Tennisball in den Hals zu stecken, falls er sein Geld nicht bekomme.

„Diese Bedrohung war durchaus geeignet, Angst und Schrecken hervorzurufen.“ Richter Christian Brase

Eigentlich sei ein Tennisball nicht gefährlich, in diesem Falle berge seine Verwendung aber eine gewisse Gefährlichkeit, da er zum Erstickungstod führen könne. Da der Ball im juristischen Sinne ein neutraler Gegenstand sei, handelte es sich letztlich um einen minderschweren Fall der versuchten räuberischen Erpressung.

Das Gericht entscheidet sich für die Mindeststrafe

Während die Staatsanwaltschaft ein Jahr Strafe zur Bewährung fordert, belassen Brase und das Schöffengericht es bei der Mindeststrafe von drei Monaten in Form einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 20 Euro.

Dies hat gleich mehrere Gründe. Der nicht vorbestrafte Angeklagte stehe mit beiden Beinen im Leben und wird von seinem Vermieter sowie einem weiteren Zeugen als freundlicher und friedlicher Mann beschrieben. Er sei bemüht, sich zu integrieren, habe keine Schulden, war auf der Berufsschule, spricht gut Deutsch und hatte zwei Arbeitsstellen.

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Außerdem sei es beim Versuch der räuberischen Erpressung geblieben, und die Tat habe beim Opfer keine lang anhaltenden Schäden hinterlassen.

Der Richter mahnt: Selbstjustiz ist keine Lösung

Letztlich gibt der Richter dem 29-Jährigen noch einige mahnende Worte mit auf den Weg:

„Es kann nicht sein, dass sie die Sache selbst in die Hand nehmen, wenn sie Ansprüche haben. Selbstjustiz kann nicht akzeptiert werden. Wir wollen Ihnen keine weiteren Steine in Ihren beruflichen Weg legen. Aber verhalten Sie sich künftig in solchen Situationen ruhig."

Richter Christian Brase

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.