Konstanz Wie Freundschaft die Musik beflügelt

Renommierte Jazzer trafen sich im Kulturzentrum – auf Einladung von Schlagzeuger Patrick Manzecchi. Nur Eigenkompositionen standen an diesem Abend auf dem Programm.

Zu feiern gab es genug: Zum Jazz im Kulturzentrum hatte Patrick Manzecchi Freunde und langjährige Weggefährten eingeladen. Seit 30 Jahren währt die Freundschaft, und gleichzeitig galt es, Geburtstage zu feiern: Gregor Hübner, Jazz-Violinist aus Stuttgart und seit über 20 Jahren in New York lebend, und Steffen Schorn, Saxofonist aus Aalen und Leiter der Jazz-Abteilung der Nürnberger Musikhochschule, begingen in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag.

Schlagzeuger Patrick Manzecchi (48) aus Konstanz erinnert sich: „Steffen Schorn hat hier am Humboldt-Gymnasium Abitur gemacht. Ihn kenne ich seit 1985, da machte er gerade seinen Führerschein. Gregor Hübner und seinen Bruder Veit habe ich 1988 kennengelernt. Die beiden hatten damals das ‚Bel Art Trio‘, das einen Preis bei ‚Jugend jazzt‘ gewann. Ihren Fernseh-Auftritt sah ich mit Freunden und sagte: Bei denen spiele ich bald. Spinn dich aus und träum' weiter, meinten die Freunde.“ Doch tatsächlich brachte eines Tages Steffen Schorn die Hübners zu einer Jam-Session in Konstanz mit und Manzecchi wurde 1989 neuer Drummer beim Bel Art Trio. Es folgten Einladungen nach Wien, Paris und in die damalige Tschechoslowakei.

Kein Wunder, dass die Drei richtige Karriere machten, kein Wunder, dass beim Konstanzer Geburtstagskonzert nur eigene Kompositionen gespielt wurden. Und die sprengen die Genre-Grenzen, bewegen sich mühelos zwischen Kammermusik, Neuer Musik und Jazz und lassen aufhorchen. Etwa „Eye of the Wind“ von Steffen Schorn, das dieser an Bord einer Windjammer komponierte und das Free Jazz-Parts ebenso enthält wie melodische Abschnitte. Schorn wechselt in den Stücken mühelos zwischen Saxophon, Kontra-Altklarinette oder Bass-Querflöte. Weitere kongeniale Partner an diesem bemerkenswerten Abend sind Gregor Müller am Piano, der mit ungemein kreativen Soli und ebenso poetischem Spiel wie treibendem Tastendonner überzeugt, Veit Hübner virtuos am Bass und der Norweger Lars Andreas Haug an der Tuba. Immer sind dabei Improvisationen der einzelnen Instrumentalisten gefragt.

In Haugs Komposition „Gronn Brikke“ staunt man, was eine Tuba alles hergibt: Haug bläst und singt in sein Instrument, entlockt ihm gleichzeitig hohe und tiefste Töne, entfesselt eine humorig-aufgeregte Unterhaltung. „Ground Zero“ von Gregor Hübner („Das Drama habe ich live miterlebt“) ist eine meditative Raum-Musik mit beklemmend nervigen Liegetönen, und für „Far Away“ von Steffen Schorn gesellt sich Altmeister Bernd Konrad (70), soeben mit dem Landes-Jazzpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet, mit seinem Saxophon als „special guest“ zum Ensemble: Ihm hätten sie zu verdanken, dass sie sich getroffen haben, erklären die Musiker, die vor 30 Jahren im Jugend-Jazz-Orchester Baden-Württemberg spielten und mit ihm Tourneen nach Thailand, Indonesien und nach Afrika unternahmen.

Fetzige Saxophon-Skalen, eine vitale Klangfarben-Reise des Schlagzeugs und rhythmische Snap Clacks der Bläser erinnern an fremde Musikkulturen. Und in „Un Mojito“ von Veit Hübner rast die Violine mit ihren kreativen Soli in hohe Klangregionen, klöppelt der Drummer mit seinen Stöcken auf Holzrahmen, so dass alle Schattierungen abgebildet sind.

Am Ende gibt es begeisterten Applaus im Wolkensteinsaal des Kulturzentrums, eine kurze Zugabe und sichtlich glückliche Musiker, die eine lange Freundschaft mit Musik feierten, die in die Zukunft weist – auf weitere, glückliche 30 Jahre.

Das Kulturzentrum

In dem Gebäudekomplex befinden sich Kulturbüro, Stadtbücherei, Städtische Wessenberg-Galerie, Kunstverein, Volkshochschule sowie der Bildungsturm. Das Kulturzentrum in dem roten Gebäude befindet sich an der Ecke zur Wessenbergstraße und Katzgasse. Das Kulturbüro befindet sich in Richtung Stephansplatz. Im Kulturzentrum befinden sich verschiedene multifunktionale Räume, die gemietet werden können. Der Wolkenstein-Saal ist mit 208 Quadratmeter vollständig neu ausgebaut. Durch spezielle Deckensegel verfügt der Raum über eine gute Akustik, und da sich dort ein Konzertflügel befindet, eignet sich dieser Raum für musikalische Veranstaltungen.

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