Das Gutachten zur Inszenierung von "Mein Kampf" hat nicht 13.000 sondern rund 17.000 Euro gekostet. Das hat Bürgermeister Andreas Osner in einer Sondersitzung des Kulturausschusses dargelegt. Die Diskussion um den Zweck der von ihm beauftragten Medienanalyse wird dennoch nicht Teil einer Gemeinderatssitzung werden. Nach einer kritischen Auseinandersetzung wurde sie für beendet erklärt.

Woher stammt das Geld für das Gutachten eigentlich?

Neue Kritik wehte Osner zuvor der Finanztöpfe entgegen, aus denen das Geld für das Gutachten stammt. Stadtkämmerer Ulrich Schwarz erklärte: "Es handelt sich um eine außerplanmäßige Aufwendung, deren Bedarf von Herrn Osner ausführlich begründet wurde und deren Deckung gesichert war."

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Die Finanzierung sei durch Überschüsse des Sozial- und Jugendamts gestemmt worden, die zuvor von der Verwaltung durch Verhandlungen mit dem Landratsamt bei der Verteilung von Geld nach dem zweiten Sozialgesetzbuch erzielt werden konnten. Die Umverteilung war laut Osner mit Sozialamtsleiter Alfred Kaufmann abgestimmt.

Glaubt Andreas Osner, alles richtig gemacht zu haben?

In der Aussprache mit dem Kulturausschuss räumte er Fehler ein: "Nicht alles kommunalrechtlich erlaubte, ist auch kommunalpolitisch sinnvoll", sagte er. Mit dem heutigen Wissen würde er anders handeln und den Kulturausschuss vorab befragen. "Das Ziel des Gutachtens war nicht, die Diskussion um das Stück weiter öffentlich voranzutreiben." Es sollte der Versachlichung dienen.

Warum kam er überhaupt auf die Idee für das Gutachten?

Über seine Beweggründe sagte Osner: Die Inszenierung von "Mein Kampf" samt der Marketing-Maßnahmen des Theaters habe "für ein in jüngerer Zeit nie da gewesenes Medienecho in Konstanz geführt". Er selbst habe eine "gewisse Verunsicherung" und "enormen Druck" verspürt. Die Verwaltung habe sich wegen des Stücks in einer "Kommunikationskrise" befunden.

Was sagen die Konstanzer Politiker dazu?

Einhellig, aber mit unterschiedlich scharfen Worten, kritisierten ihn die Ausschussmitglieder für den Alleingang. Beispielhaft nannte Wolfgang Müller-Fehrenbach (CDU) das Gutachten "unnötig, irrelevant und wertlos". Holger Reile (Linke) legte Osner den Rücktritt nahe.

Zuvor war ein Antrag von Roland Wallisch (Freie Grüne Liste) gescheitert, das Thema in den Gemeinderat zu vertagen. Dort leitet Oberbürgermeister Uli Burchardt – der laut Osner in die Beauftragung des Gutachtens nicht eingebunden war – die Sitzung.

Haben sich auch andere Mitglieder der Stadtverwaltung geäußert?

Auf Distanz zu Osner gingen Mitglieder des Arbeitskreises Kultur. So sagte Museumsleiter Tobias Engelsing, bei einer Sitzung im April sei zwar Unmut über das Marketing des Theaters geäußert worden, um eine Medienanalyse sei es dabei nicht gegangen.

Kulturamtsleiterin Sarah Müssig hätte davon abgeraten. Ebenso der Pressesprecher des Rathauses, Walter Rügert, der erklärte: "Aus Perspektive der Presse war meine Einschätzung, dass das Thema durch ist."