Konstanz beruft sich auf Gutachten, die geschönte Zahlen bei der Abschätzung der Folgen der neuen Einkaufsmeile für die Region sehen, und fordert die nochmalige Überprüfung oder die Reduktion der geplanten Verkaufsfläche von 16 000 auf 10 000 Quadratmeter. Trotz allem bemüht sich Oberbürgermeister Uli Burchardt den Einspruch nicht als Affront gegen die Stadt Singen aussehen zu lassen.

Angst vor dem Franken-Verfall

Im Gemeinderat sagte er am Donnerstag: "Es geht um die Frage, ob wir die Entscheidung des Regierungspräsidiums nachvollziehen können." Die Freiburger Behörde sieht keine größeren Beeinträchtigungen für die Sortimente in der Region. An dieser Einschätzung habe die Stadt einige Zweifel. Betroffen sein könnten nicht nur Konstanz selbst, sondern alle Städte in der Region entlang der Grenze zur Schweiz bis Basel. Einer der Kritikpunkte der von Konstanz beauftragten Gutachter ist, dass es kein Schlimmste-Fall-Szenario enthält, das ein kräftiges Abrutschen des Frankenkurses berücksichtigt. "Die Rolle des Schweizer Franken. Das müssen wir klären. Das ist ein ganz wesentlicher Punkt." Der OB bat darum, die Stellungnahme als rein fachlich zu betrachten.

"Das geht nur bei dem Franken-Kurs gut", sagte Stadtrat Jan Welsch (SPD) im Gemeinderat. Bei einer starken Änderung drohe ein "besinnungsloses Wettrüsten im Einzelhandel entlang der Grenze." Auch er forderte, den schlimmsten Fall realistisch darzustellen. "Es geht darum, Verwerfungen im Einzelhandel vorzubeugen. Dazu müssten die Zahlen transparent und ungeschönt auf den Tisch. Mit Verweis auf die besondere Zugkraft, die Singen bei einzelnen Sortimenten schon heute in der Region habe, sagte Welsch: "In Singen liegen nicht ein paar Brotkrümel. Da liegen ganze Torten." Er blieb im Bild, als er sagte, freilich sei Konstanz auch bereitet, einen Teil seines Kuchens abzugeben. Mit Blick auf die Tonlage bei den Stellungnahmen aus Konstanz, kritisierte Welsch: Die Schärfe sei der gutnachtbarlichen Beziehung nicht zuträglich gewesen. Dennoch stehe auch er hinter der Forderung gegenüber Singen, zu beweisen, dass das Cano die regionale Einzelhandelsversorgung nicht gefährdet.

Anne Mühlhäußer (Freie Grüne Liste) verwies auf gravierende Folgen, sollten durch das Cano die Oberzentren in der Region geschwächt werden. Sie könnten dann Aufgaben für die Region wie etwa dem Unterhalt eines Theaters nicht mehr nachkommen. Die Regionalplanung versuche genau solche Verwerfungen zu verhindern, um den Oberzentren mehr Möglichkeiten zu bieten, Gewinne zu erzielen. Diese flössen dann wieder in Einrichtungen, die der gesamten Region dienten. Matthias Heider (CDU) wies darauf hin, dass Konstanz als Nachbar sein Recht ausübe, eine Stellungsnahme im Bauverfahren abzugeben. Für die Freien Wähler hielt Jürgen Faden ein Plädoyer für die Kräfte des freien Markts – "Konkurrenz belebt das Geschäft" – und begründete, warum der kritischen Stellungnahme dennoch zuzustimmen sei.

"Die Stadt muss auch auf Planungen reagieren können." Konstanz sei nicht generell gegen Entwicklungen in der Region. Er verwies auf das Seemaxx in Radolfzell. Klar gegen den Widerstand positionierte sich die FDP-Fraktion. Johannes Hartwich sieht es als alleinige Sache von Singen an, über die Größe des Einkaufszentrums zu entscheiden. Im übrigen könne Konstanz dem Nachbarn eine breite Brust zeigen: Ausgenommen einige Schwächen bei der Verkehrsinfrastruktur, an denen gearbeitet werde, sei Konstanz der Nachbarstadt doch weit überlegen. Das Junge Forum zeigte sich in der Cano-Frage gespalten. Der Konstanzer Gemeinderat stimmte dem Einspruch im Bebauungsplanverfahren mit fünf Gegenstimmen und zwei Enthaltungen zu.

Das Einkaufszentrum

Der Hamburger Investor ECE will will direkt am Bahnhofsplatz in Singen ein Einkaufszentrum mit 16 000 Quadratmetern Verkaufsfläche bauen. Im Komplex sollen auch Gastronomie- und Dienstleistungsbetriebe Platz finden, ebenso Parkebenen mit rund 500 Stellplätzen. Die Bürger von Singen stimmten für den Bau, das Regierungspräsidium Freiburg sieht keine schädliche Wirkung für die Region. Konstanz hat selbst mit dem Lago (15 000 Quadratmeter) einen Besucher-Magneten mit durchschnittlich rund 27 000 Gästen am Tag. (rin)