Am 27. Juli endet die vorletzte von Christoph Nix verantwortete Spielzeit am Theater Konstanz. Mitten hinein in die Vorbereitungen des Zirkuszelts auf Klein Venedig platzte die Nachricht: Die letzte Spielzeit – Motto: Bella Ciao – wird Nix mit anderen Dramaturgen bestreiten. Zwei von vier Stellen habe er nach eigener Aussage bereits wieder besetzen können.

Auch der Leiter des Jungen Theaters verlässt seinen Posten

Im Ergebnis bestätigt sich, worüber zunächst das Schweizer Online-Magazin „thurgaukultur.ch“ berichtete: Alle vier bestehenden Dramaturgen haben ihre Verträge bereits aufgelöst oder stehen kurz vor Vollzug dieses Schritts. Noch in diesem Sommer sollen sie das Stadttheater verlassen.

Ingo Putz, Leiter des Jungen Theater Konstanz.
Ingo Putz, Leiter des Jungen Theater Konstanz. | Bild: Oliver Hanser

Auch der für seine Arbeit hochgeschätzte Leiter des Jungen Theaters, Ingo Putz, gehört dann nicht mehr zum Theater-Team. Gegenüber dem SÜDKURIER bestätigt er, dass die zu Ende gehende Spielzeit seine letzte am Stadttheater sei. In der Programmvorschau für 2019/20 wird er nicht mehr als Mitarbeiter geführt. Über seine Beweggründe möchte er sich nicht äußern.

Theaterintendant Nix: Keine Kündigungen, sondern Vertragsauflösungen im Einvernehmen

Christoph Nix legt im Gespräch wert darauf, dass es „keine Kündigungen“ gebe.

Christoph Nix (rechts) und sein Referent Daniel Morgenroth bei einer Pressekonferenz zur umstrittenen Inszenierung von „Mein Kampf“.
Christoph Nix (rechts) und sein Referent Daniel Morgenroth bei einer Pressekonferenz zur umstrittenen Inszenierung von „Mein Kampf“. | Bild: Scherrer, Aurelia

„Drei Dramaturgen haben um die einvernehmliche Auflösung ihrer Verträge gebeten, dem habe ich bereits zugestimmt“, ergänzt der Theaterintendant. Er sei traurig über die Entscheidungen, habe jedoch seine Zustimmung gegeben, „da es wichtig ist, dass wir mit motivierten Menschen hier weiterarbeiten“.

Zudem hätten zwei der Mitarbeiter bereits neue Verträge an anderen Theatern. Bei der vierten Dramaturgen-Stelle soll nach SÜDKURIER-Informationen eine Zustimmung zur Vertragsauflösung kurz bevorstehen, was Theaterintendant Nix schriftlich nicht bestätigen möchte.

Dramaturgin Anna-Lena Kühner.
Dramaturgin Anna-Lena Kühner. | Bild: Scherrer, Aurelia
Dramaturgin Miriam Fehlker.
Dramaturgin Miriam Fehlker. | Bild: Scherrer, Aurelia

Zunächst scheint all das kein ungewöhnlicher Vorgang

In der Theaterbranche wechseln insbesondere junge programmverantwortliche Mitarbeiter häufig mit dem Ende einer Intendanz ihre berufliche Heimat. Dasselbe gilt für Ensemble-Mitglieder. Zumal neue Intendanten – oder im Fall von Konstanz ab 2020/21: die neue Intendantin Karin Becker – nicht nur ihre eigenen Vorstellungen, sondern auch Teile ihres Teams mitbringen.

Das sei auch laut Noch-Intendant Nix der Grund für die vorzeitigen Vertragslösungen. Das Vorgehen habe demnach „nichts mit internen Differenzen zu tun“, sagt er und verweist anderslautende Botschaften ins Reich der Gerüchte.

Diese Botschaften stammen aus Kreisen der Theatermitarbeiter. Es stelle sich die Frage, warum die vier betroffenen Dramaturgen nicht noch das Ende der Ära Nix im Sommer 2020 abwarten? Laut mehrerer Beschäftigten des Theaters habe der Wechselwunsch nicht nur mit der Sorge zu tun, unter Karin Becker keine Zukunft zu haben. Sondern auch, weil die Arbeit mit und unter Christoph Nix immer schwieriger werde.

Im Schnitt: Fast alle zehn Tage eine Premiere am Theater Konstanz

Von steigendem Druck ist ebenso die Rede wie von einer zu hohen Arbeitsbelastung durch eine Flut an Premieren. In den vergangenen Jahren wurden bei der Vorstellung der Spielzeit jeweils mehr als 20 angekündigt. In der ablaufenden Spielzeit waren es gemäß Programmheft 27.

Weitere kamen nachträglich hinzu, sodass bis Ende Juli insgesamt 34 kleinere und größere Premieren stattgefunden haben werden, wie der Homepage des Theaters zu entnehmen ist. Hinzu kommen weitere Termine wie die „Eröffnung einer ständigen Vertretung“ im Mai in Berlin.

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Noch sechs weitere Premieren bis Mitte Juli

Zwischen 15. Juni und 12. Juli stehen sechs Premieren erst noch an. Zum Vergleich: Das Mehrsparten-Theater Bremen ging mit 32 geplanten in die Spielzeit 2018/19, hat anders als Konstanz aber auch Tanz und Oper im Portfolio. Die Vorwürfe aus Kreisen der Stadttheater-Mitarbeiter: Das Programm werde durchgepeitscht, technische Proben teils in die Abend- und Nachtstunden verlegt, ein enormer Aufwand betrieben.

Auch angesichts dieser Steigerung von 27 ursprünglich geplanten zu 34 tatsächlich stattfindenden Premieren lässt unter Mitarbeitern das Vertrauen schwinden, dass das Pensum nach diesem Sommer geringer wird. Genauer gesagt: Dass es bei den anvisierten 20 Premieren in der Spielzeit 2019/20 bleibe – daran glauben am Konstanzer Theater wenige.

Theater will sich zu „Gerüchten und pauschalen Mutmaßungen“ nicht äußern

Karin Becker werde, so heißt es von Mitarbeitern des Theaters im Ergebnis, „ein völlig erschöpftes Haus übernehmen“.

Für das Stadttheater antwortet zu den Vorwürfen einer Überbelastung Daniel Morgenroth, Referent und Stellvertreter des Intendanten: „Zu Gerüchten und pauschalen Mutmaßungen, ohne konkrete Sachlage möchte weder ich noch das Theater sich äußern. Bitte haben Sie dafür Verständnis.“ Christoph Nix lässt sich entschuldigen. Wegen der Endproben des Stücks Foottit und Chocolat im Zirkuszelt auf Klein Venedig habe er „keine freie Minute“.