Wenn die weiße Flotte im Sommer am Hörnle vorbeifährt, wissen sogar die Kleinsten, dass bald Wellen an das Ufer rollen werden. Die Schiffe verdrängen Wasser, das erzeugt Wellen, und die sorgen für mehr Badespaß unter den Gästen.

Wenn aber Unwetter aufziehen, wird das Vergnügen schnell bedrohlich. Starke Stürme sind ein Grund für einen höheren Wellengang. Dabei ist nicht nur die Windgeschwindigkeit von Bedeutung, sondern auch die sogenannte Windwirklänge. Das heißt, die Dauer, über welche der Wind auf das Gewässer einwirkt.

Wo am See gibt es mehr Wellen, wo weniger?

Am Bodensee kommt der Wind meistens aus der Richtung Süd-West, was vor allem für den östlichen Teil des Bodensees ein erhöhtes Wellenvorkommen bedeutet. Dasselbe gilt auch für Teile der Friedrichshafener Bucht.

Wie hoch werden Wellen auf dem See?

Im tiefen Wasser werden Wellen nicht höher als zwei oder zweieinhalb Meter. Hier bilden sich Wellen nur im Wasser selbst, es gibt keine Wechselwirkung mit dem Untergrund. Um Wellen in dieser Höhe zu erzeugen, muss die Wingeschwindigkeit 20 Meter pro Sekunde, beziehunsgweise 72 km/h oder 39 Knoten erreichen. Das Entspricht der Windstärke 8. Damit von einem "schweren Sturm" (10) oder einem "orkanartigem Sturm" (11) gesprochen werden kann, müssten Geschwindigkeiten von 24,5 m/s beziehungsweise von 28,5 m/s erreicht werden.

Bei stärkeren Stürmen oder Orkanen sind allerdings auch höhere Wellen möglich. Und im flacheren Wasser kann die Struktur des Seebodens dazu führen, dass sich Wellen höher auftürmen als auf dem offenen See.

Sind die Stürme in diesem März ungewöhnlich?

Die in den letzten Wochen aufgetretenen Stürme sind keineswegs untypisch für diese Jahreszeit, bestätigt die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg. In Lindau wurde am 10. Februar eine Windgeschwindigkeit von 21 m/s gemessen, was der Kategorie 9, "Sturm" entspricht. Ähnlich hohe Werte wurden nochmals in den ersten Märztagen gemessen.

Wie oft fiel der Katamaran aus?

Der Katamaran fiel in der zweiten und dritten Märzwoche an insgesamt fünf Tagen aus – wenn auch teilweise nur für ein paar Stunden. Ab einer Wellenhöhe von ungefähr 1,20 Metern ist mit Ausfällen zu rechnen. Die endgültige Entscheidung, ab wann nicht mehr gefahren wird, obliegt dem Schiffsführer.

Wie sah es auf der Autofähre Konstanz-Meersburg aus?

Sie kann es mit fast allen Wetterlagen aufnehmen. Selbst bei Windstärken zwischen 9 und 10 hat sie keine Probleme. Somit liegt der letzte Ausfall auch schon eine Weile zurück. Am 3. Januar 2018 sorgte das Sturmtief "Burglind" für Winde in der Kategorie 11, "orkanartiger Sturm" – und unterbrach die Fährverbindung.

Und die Fähre zwischen Friedrichshafen und Romanshorn?

Der Fährbetrieb hier musste am 13. und 15. März dieses Jahres kurzzeitig pausieren. Die Sturmstärke auf dem Obersee war hier teilweise höher als 9. Ein sicherer Schiffsbetrieb war laut BSB dabei nicht mehr zu gewährleisten. Auch hier entschied der Schiffsführer, im Hafen zu bleiben.

Wann wird offiziell vor Sturm gewarnt?

Eine Sturmwarnung erfolgt ab Winden der Kategorie 8 oder mehr. Die Windgeschwindigkeit beträgt dann ungefähr 18 Meter pro Sekunde. Es leuchten dann 90 orangefarbige Blitze pro Minute an den Sturmwarnleuchten rund um den See.

Eine abgeschwächte Form der Sturmwarnung ist die Starkwindwarnung mit 40 Blitzen pro Minute. Sie weißt auf Winde der Kategorie 6 und 7 hin. Bei diesen Windgeschwindigkeiten sollten vor allem Wassersportler die Wetterentwicklung genau beobachten.