Sie selbst bezeichnen diesen Schritt als mutig – und haben damit wahrscheinlich absolut recht: Ingo Putz, Leiter des Jungen Theaters, Daniel Grünauer, Dramaturg, Daniel Morgenroth, Referent des Intendanten, und Heike Frank, erfahrene Dramaturgin und Regisseurin in diversen Häusern, möchten als Viergestirn ab der Spielzeit 2020/2021 die Intendanz des Konstanzer Stadttheaters übernehmen. Dann, wenn die Ära des Christoph Nix der Vergangenheit angehören wird. "Wir wissen, dass es wieder Gegenstimmen geben wird, die das für einen diabolischen Plan von Christoph Nix halten", sagt Daniel Morgenroth schmunzelnd. "Aber wir können versichern: Das hat mit ihm nichts zu tun. Gleichwohl haben wir ihn darüber informiert."

"Starke Bindung zum Haus"

Bei einem lockeren Gespräch im Wessenberg haben die drei bereits in Konstanz am Stadttheater arbeitenden Kulturschaffenden ihre Beweggründe dargelegt – Heike Frank weilt derzeit am Mozarteum in Salzburg und ist unabkömmlich. "Wir haben eine starke Bindung ans Haus", erklärt Daniel Morgenroth. "Wir kennen die Stadt, wir kennen die Menschen und wir wissen, dass am Theater gute Arbeit geleistet wird. Das würden wir gerne beibehalten." Bei einem Intendantenwechsel ist es in aller Regel so, dass die Mehrzahl der Künstler ausgetauscht wird und der oder die Neue ein eigenes Team installiert. "Ich war zuletzt in Ulm", erzählt Daniel Grünauer, "und da musste 70 Prozent des Ensembles gehen." Für Ingo Putz ist vor allem eines wichtig bei der Bewerbung: "Es ist eine Teamentscheidung. Und auch seitens des Ensembles haben wir Rückendeckung. Wir wollen es zusammen im Sinne des Theaters machen."

"Wollen ein Haus für alle sein"

Es soll eine Synergie werden zwischen der Beibehaltung des Erfolgreichen und einer Implantierung neuer Philosophien. "Wir wollen mehr sein als ein Sprechtheater", so Daniel Grünauer. "Wir haben zwar heute schon vielseitig talentierte Schauspieler, die tanzen und singen können. Doch dieses Crossover möchten wir perfektionieren." Außerdem solle die Diversität des Hauses vorangetrieben werden, "wir wollen ein Haus für alle sein", so Grünauer.

Ein Gehalt geteilt durch vier plus bisheriger Verdienst

Achja, da wäre dann noch die Frage des Gehalts. Vier Intendanten, vier Intendantengehälter? Die Rechnung ist ganz einfach: "Wir behalten unser Gehalt und teilen das eines Intendanten durch vier", erklärt Daniel Grünauer. Wie viel genau das wäre, können und wollen die drei nicht sagen. Immerhin äußern sie sich zu ihren Plänen in Sachen Gehalt des Ensemble so viel: "Konstanz zahlt derzeit 200 Euro mehr als es die Mindestgage, 2200 Euro für einen Schauspieler nach vier jährigem Studium." Ab der Spielzeit 2018/2019 wird das um 100 Euro erhöht – nach wie vor kein richtig gutes Einkommen, um damit eine Familie in Konstanz zu finanzieren, einem der teuersten Pflaster der Republik. "Wir möchten das ändern", sagt Ingo Putz. "Wir wissen, dass wir nicht mehr zur Verfügung haben. Aber man kann das vorhandene Geld besser einsetzen", pflichtet Daniel Grünauer bei. Zum Beispiel? Mit Blick auf die Zahl von 28 Premieren in der kommenden Spielzeit sagt er: "Wir haben 22 und eine aktuelle Produktionen im Auge", so Daniel Grünauer. "Wir haben konkrete Ideen, möchten aber keinen Kahlschlag machen", so Daniel Morgenroth.

Vier Personen wollen entscheiden

Mit einer neuen Führungsstruktur soll das Erfolgsmodell ausgebaut werden, betonen die drei. "Unser Leitungskonzept 'Konstanz hat Mut' fußt im Wesentlichen auf drei innovativen Säulen: der Leitung des Hauses im Kollektiv, der Aufbrechung des Spartendenkens und die umsichtige Umstrukturierung des Ensembles sowie einer mittelfristig geplanten Programmatik, die in der Stadt Widerhall findet und in die Welt strahlt." Alle Entscheidungen möchten die vier gemeinsam treffen. Ingot Putz: "Im Außenverhältnis wird für jede Spielzeit eine verantwortliche Person bestimmt, die Ansprechpartner und Vertreter ist. Da wir unsere bestehenden Stellen behalten und umwandeln werden und die Gage um einen Intendantenzuschlag erhöhen, ist dieses Modell kostenneutral. Sie bekommen mit uns also vier für eins. Wir glauben, dass sie hier die einmalige Chance hat richtungweisend zu sein."

Im Herbst ist Tag X

Eine Findungskommission wird eine erste Vorauswahl treffen. Wer dann übrig bleibt, muss sich dem Gemeinderat stellen. Es wird mit rund 40 Bewerbern gerechnet. Im Herbst soll dann eine Entscheidung fallen.

Intendanz

Die Bewerbungsfrist für die Stelle des Intendanten ab August 2020 endet am Pfingstmontag. In der offiziellen Ausschreibung heißt es unter anderem: "Wir suchen für diese Position eine Persönlichkeit, die das Stadttheater auf der Basis der ... hohen Qualität weiter entwickelt. Hierbei gilt es, einen ... attraktiven Theaterbetrieb unter den sich ändernden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zukunftssicher zu machen. Um diese Aufgabe wahrnehmen zu können, verfügen Sie über ... künstlerische Theatererfahrung. Besonderen Wert legen wir auf die Befähigung zur organisatorischen und wirtschaftlichen Leitung des Theaters."