Bei sprichwörtlichem Hundewetter pilgerten Tierfreunde mit ihren Vierbeinern zum Pfarrgarten der St. Gebhard Pfarrei. Dort sprangen Hunde freudig umher und bellten kurz zur Begrüßung. Einige kennen sich schon, denn der ökumenische Tiersegnungsgottesdienst, organisiert vom Tierschutzverein Konstanz, der Gemeinde St. Gebhard und der evangelischen Pfarrerin Christine Holtzhausen, erlebte bereits seine fünfte Auflage.

Pfarrerin Christine Holtzhausen segnet Adelbert Sumser und seine Hündin Hanna. Die vierbeinige treue Begleiterin ist bereits 12 Jahre alt und eine richtige englische Lady, denn sie gehört zu den britischen Basset Hounds.
Pfarrerin Christine Holtzhausen segnet Adelbert Sumser und seine Hündin Hanna. Die vierbeinige treue Begleiterin ist bereits 12 Jahre alt und eine richtige englische Lady, denn sie gehört zu den britischen Basset Hounds. | Bild: Charlotte Kurz

„Tiere sind unsere Mitgeschöpfe und verdienen unseren Respekt“

Dackel Paulchen, ein langer Hund mit noch längeren Ohren, wurde zum zweiten Mal gesegnet. Seinem Frauchen, Herta Kopp, gefällt die Zeremonie im Rahmen eines Gottesdienstes. Sie sagt, Tiere sollten wie die Menschen unter dem Schutz der christlichen Segnung stehen.

Dzeki, ein ursprünglich polnischer Hund, der aber schon lange in Baden lebt, ist seit der ersten Segnung in Konstanz dabei. Er gehört Barbara Pöhler, die sich beim Tierschutzverein seit 1993 engagiert. Der schwarze Hund mit den dunklen, treuen Augen ist bereits ihr sechster Vierbeiner, ein Vorgänger war ein blinder Dackel mit dem kuriosen Namen Herr Timmelmayer.

Pfarrerin macht Artenschutz zum Thema der Predigt

„Tiere sind unsere Mitgeschöpfe und verdienen unseren Respekt“, sagt die Hundeliebhaberin. „Der Tiersegnungsgottesdienst soll auch zum Nachdenken anregen und Aufmerksamkeit erregen, dass es vielen Tieren nicht so gut geht, wie den Haustieren, die heute hier sind.“ Übers Artensterben sprach Pfarrerin Christine Holtzhausen in der Predigt. Tiere wie der Auerochse, der chinesische Flussdelfin oder der Beutelwolf gelten heute als ausgestorben. Sie forderte dazu auf, liebevoll auf die Schöpfung zu blicken.

Liebevoll ging die die Pfarrerin auf jeden Fall bei den Segnungen vor: Behutsam legte sie eine Hand auf den Kopf des Vierbeiners und die andere auf sein Frauchen oder Herrchen. „Ich möchte die Beziehung zwischen Mensch und Tier segnen“, erläuterte Holtzhausen und unterscheidet damit ihre Form der Tiersegnung von der katholischen, in der allein die Tiere im Mittelpunkt stehen. Für die Pfarrerin ist es wichtig, die besondere Verbindung von Vierbeinern zu Menschen zu respektieren und zu schützen.

Anton – der ständige Begleiter seines Frauchens

Assistenzhund Anton weicht nicht von der Seite seines Frauchens Gaby Redlich. Für sie ist der Vierbeiner nicht nur ein Haustier, sondern eine wichtige Stütze im Alltag.
Assistenzhund Anton weicht nicht von der Seite seines Frauchens Gaby Redlich. Für sie ist der Vierbeiner nicht nur ein Haustier, sondern eine wichtige Stütze im Alltag. | Bild: Charlotte Kurz

Für viele der Anwesenden ist ihr Tier ein ständiger und treuer Begleiter. Mischling Anton beispielsweise ist unverzichtbar für seine Besitzerin Gaby Redlich. Der große, aufmerksame Hund aus Griechenland wurde als Signalhund trainiert, das heißt, er ist als Assistenzhund ausgebildet, der seinen Besitzern mit Hörproblemen hilft.

„Wenn die Tür klingelt, dann bringt mir Anton ein Stofftier oder wenn der Wecker morgens klingelt, dann zieht er mir die Bettdecke weg“, schmunzelt Redlich. Zusammen besuchen die beiden häufiger die Gottesdienste der Pfarrerin Holtzhausen in der Petrus und Paulus Gemeinde.

Ein Segen – auch für kleine Kaninchen

Neben den Stammgästen mischten sich auch einige neue Gesichter unter die Fellliebhaber. Die Familie Münch-Garcia brachte zwei winzige Zwergkaninchen mit, die für Aufregung bei den Hunden und für Aufmerksamkeit bei den Zweibeinern sorgten.

Die Kinder Karl und Ana Münch-Garcia sind ganz vernarrt in ihre beiden Zwergkaninchen Blacky und Perla, die das erste Mal einen tierischen Segen erhielten.
Die Kinder Karl und Ana Münch-Garcia sind ganz vernarrt in ihre beiden Zwergkaninchen Blacky und Perla, die das erste Mal einen tierischen Segen erhielten. | Bild: Charlotte Kurz

„Meine Tochter Ana wollte unbedingt zum Tiersegnungsgottesdienst, um all die anderen Tiere sehen und streicheln zu können“, lacht Rosalia Münch-Garcia. Und tatsächlich: Ana war ganz entzückt, lief umher und sagte jedem Hund persönlich Hallo. Bei so viel Freude trat sogar das Nieselwetter in den Hintergrund.