Großflächiges Verpackungsmaterial bedeckt südlich der Schienen am Bahnhaltepunkt Petershausen den Boden: Es sieht aus, als hätte jemand Müllbeutel auf einer Fläche verteilt und einen Krötenzaun um das Areal gebaut. Der Zweck der Verpackungsaktion hat mit Reptilien zu tun.

Die Folie dient dazu, Eidechsen an dieser Stelle zu vergrämen, damit der Bahn dort der Bau eines Außenbahnsteigs möglich ist. Die Plane soll für den Zeitraum von mindestens sechs Wochen bleiben, teilt ein Sprecher der Deutschen Bahn auf Anfrage mit. Die Rückwanderung der Zauneidechsen in den abgedeckten Bereich werde durch den Reptilienschutzzaun verhindert.

Die Bahn will, dass sich  keine Zauneidechsen auf der Fläche ansiedeln. Im April und Mai erfolge daher die Vergrämung der Alttiere, um die Eiablage auf der Fläche zu verhindern, erläutert der Bahnsprecher in einer E-Mail. Falls erforderlich, werde Ende August für die Jungtiere eine weitere Aktion erfolgen.

Wo die Tiere sich ersatzweise ansiedeln können

Umgesiedelt werden sollen die Tiere an dieser Stelle nicht. Stattdessen seien im westlichen Bereich der Fläche Ersatzhabitate für Eidechsen angelegt worden in Form von zwei Steinriegeln und zwölf Totholzhaufen. Dort sollen sich die Zauneidechsen ansiedeln können. Das Vorgehen hat die Bahn mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamts entwickelt.

Wie es um den Schutz der Art bestellt ist

Laut Bundesnaturschutzgesetz gilt die Zauneidechse als streng geschützt. Das bedeutet, erläutert Eberhard Klein vom Nabu-Naturschutzzentrum Wollmatinger Ried, dass es verboten ist, die wildlebende Art etwa durch eine Baumaßnahme zu zerstören. Sollten zum Zeitpunkt des Baubeginns trotz der Vergrämung noch Zauneidechsen am Haltepunkt vorhanden sein, müssten diese abgesammelt und in die Ersatzhabitate gebracht werden, schreibt das Landratsamt. Die untere Naturschutzbehörde prüfe anlassbezogen, ob auf einer Fläche Eidechsen vorhanden seien, etwa bei Erteilung einer Baugenehmigung. Die Hinweise zu den Lebensräumen kämen aber auch von Bürgern oder Naturschutzverbänden.

Was der Nabu zu der Maßnahme sagt

Gegen die Vergrämung der Zauneidechse an dieser Stelle hat Eberhard Klein nichts Grundsätzliches einzuwenden. Wenn man Ersetzhabitate in unmittelbarer Nähe schaffe, wie es hier erfolgt sei, dann spreche nichts gegen eine Vergrämung. Dass eine Infrastrukturmaßnahme allerdings Vorrang vor dem Schutz einer gefährdeten Art haben solle, diese Annahme weist Klein klar zurück. "Man muss dabei sauber abwägen", sagt er. Dabei gehe es zum einen um das öffentliche Interesse an dem Bauvorhaben, zum anderen darum, wie es um die europaweite Verbreitung der betreffenden Art stehe. Die Bestände der Zauneidechse seien stark rückläufig.

Wie es mit der Baumaßnahme weiter geht

Für die Bahn wäre jeder weitere Aufschub ärgerlich: Der Bau der Außenbahnsteige, der an dieser Stelle geplant ist, und durch den die Bahn barrierefrei erreichbar werden soll, hat sich bereits verzögert. Nach ursprünglicher Planung hätte der Haltepunkt bereits im Jahr 2018 barrierefrei erreichbar sein sollen. Nun ist der Baubeginn für die Außenbahnsteige erst im Herbst 2018 geplant. Grund dafür ist ein geändertes Planungsverfahren, das aufwendiger und langwieriger ist.

 

Zur Art

Die Zauneidechse kommt in Mittel- und Osteuropa vor. Sie können eine Länge von bis zu 24 Zentimetern erlangen. In Mitteleuropa überwintern die Tiere, Männchen und Weibchen ziehen sich zu unterschiedlichen Zeitpunkten in geschützte Räume zurück. Ab März kommen die Reptilien an die Oberfläche. Eidechsen besiedeln trockene Waldränder, Bahndämme, Wildgärten, sie bevorzugen warme Orte, daher kommen sie so häufig an Bahndämmen vor. Die Bestände der Art haben sich stark reduziert, vor allem wegen des Verlusts an Lebensraum. Die Zauneidechse ist gemäß Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt.