Während die bunten Tagfalter den verdienten Schlaf genießen, werden die Eulenfalter genannten Caligo aktiv. Dies begeisterte etwa 20 Personen bei einer Sonderführung mit Stefan Reisch, dem Leiter des Schmetterlingshauses, das während der Sommersaison bis 19 Uhr geöffnet ist.

Bild: Feiertag, Ingo

Beim Start der Tour im ansonsten menschenleeren Glashaus sind die Eulenfalter besonders agil. Sie fliegen den überraschten Besuchern zwischen die Beine, landen auf Rücken, Köpfen oder Händen.

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„Wir haben vier verschiedene Arten von Eulenfaltern, insgesamt gibt es weltweit 21“, erklärt Stefan Reisch, „unsere sehen sich aber alle so ähnlich, dass man kaum einen Unterschied erkennt.“

Normalerweise leben 50 bis 60 dieser Tiere auf der Mainau, im Moment sind es etwa 400. Sie wurden extra für das Thema „Faszination Eulenfalter“ und die beiden Sonderführungen aufgezogen.

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„Der Eulenfalter ist das Tier, das am besten Augen nachahmen kann. Sogar im Weißen des Auges kann man eine leichte Spiegelung erkennen“, sagt Reisch. Es sei wissenschaftlich jedoch nicht belegt, dass konkret das Auge einer Eule imitiert werden soll.

„Die Flügelzeichnung soll einfach abschrecken. Zudem schützt der Falter sich durch eine gute Tarnung: Wenn er im Laub sitzt, sieht man ihn fast gar nicht“, sagt Reisch.

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Nicht nur die Falter sind in der Dämmerung vital. Chinesische Zwergwachteln huschen über die verlassenen Wege. Die Kakadus Charly und Molly krähen aus dem Dickicht. Zebrafinken zwitschern in den Pflanzen.

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Die meisten der anderen Falter im Schmetterlingshaus schlafen jedoch. Manche rotten sich sogar zu Schlafgemeinschaften zusammen, wie diese Passionsblumenfalter.

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Auch die Raupen der Eulenfalter erwachen in der Dämmerung erst so richtig zum Leben. „Sie fressen nur nachts, da haben sie weniger Feinde. Der größte Feind ist der Mensch, da die Raupen sich gerne von Bananen ernähren“, sagt Reisch. „Man muss schon ganz genau hinschauen, so gut getarnt sind sie“, fährt er fort und zeigt eines der Tiere.

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Nach etwa 40 Minuten wird es draußen dunkel. Der Ruf eines Steinkauzes ertönt. Nur das Licht des Vollmondes scheint noch ins Schmetterlingshaus. Nun schwirren deutlich weniger Eulenfalter durch die Luft.

„Sie richten sich nach dem Naturlicht“, erklärt Stefan Reisch. „Hier drinnen wird die Dämmerung zwar noch mit Kunstlicht simuliert, die Falter sitzen aber trotzdem ruhig da, schlafen oder fressen an den Futterschalen.“ Als wäre es dunkel.

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In den Schalen liegen Orangen- und Bananenscheiben parat. Die zwischen Mexiko und den tropischen Regionen Südamerikas beheimateten Eulenfalter ernähren sich von Fruchtzucker. „Wenn man genau hinsieht, kann man sogar die Rüssel der Tiere erkennen“, sagt Reisch.

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Der Leiter des Schmetterlingshauses ist eine der wenigen Personen, die seine Tiere außerhalb der Öffnungszeiten zu Gesicht bekommen. „Da ich weiß, wie aktiv die Falter in der Dämmerung sind, hatte ich irgendwann die Idee zu dieser Führung“, sagt Reisch, „ich wollte einen Einblick gewähren, den sonst niemand bekommt.“

Das Jahresmotto der Mainau sei 2019 „Sonne, Mond und Sterne“, da lag der Gedanke nahe, auch im Schmetterlingshaus den Unterschied zwischen Tag und Nacht zu zeigen. „Wir kamen auf die Eulenfalter, weil der Rote Altlasfalter, unser größter Falter und im Moment der einzige Nachtfalter, meist im Gebüsch sitzt und nichts macht“, fährt Reisch fort.

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Daher kam nun eine Gruppe in den Genuss, mehr zu erfahren über den Eulenfalter, einen der größten Tagfalter, der tagsüber dank seiner Tarnung kaum auffällt unter all den bunten Tieren im Schmetterlingshaus der Blumeninsel, in der Dämmerung aber die meiste Energie hat. Aufgrund des großen Besucherinteresses könnte es gut sein, dass es bald öfter solche Sonderführungen gebe, sagt Stefan Reisch.

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