Freundliche Mahnungen zur Rücksichtnahme hier, Ge- und Verbote der Straßenverkehrsordnung dort. Plakate und Schilder werden im besten Fall beachtet, im häufigeren aber ignoriert. In der Fahrradstraße zwischen Ebert- und Zähringerplatz zeigt sich: Teilen funktioniert vielleicht beim Brot oder Kuchen, im Konstanzer Straßenverkehr aber nicht.

Diese Lösung ist weder Fisch noch Fleisch

Solche Modelle, bei denen alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt und gefahrlos miteinander verschmelzen sollen – neudeutsch shared space genannt –, funktionieren in verkehrsberuhigten Bereichen. In der Fahrradstraße von Petershausen ist das nicht der Fall, wie sich nach mehr als einem Jahr Betrieb und etlichen Nachbesserungen zeigt.

Was im Sommer 2018 mit einem eigenem kleinen Fest euphorisch eröffnet wurde, erweist sich als Pseudo-Fahrradstraße. Sie ist weder Fisch noch Fleisch und sorgt stattdessen für Ärger und Unsicherheit bei den Nutzern.

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Autofahrer wissen nicht (oder wollen nicht wissen), dass Radler dort bevorrechtigt sind und unter anderem nebeneinander fahren dürfen; Fahrradfahrer deuten dieses Vorrecht als Freifahrtschein um, tun und lassen zu können, wonach ihnen der Sinn steht. Dass Verkehrsunfälle auch bei Tempo 30 gruselig enden können – im Alltag wird einem das erst dann bewusst, wenn es zu spät ist.

Es wird Zeit für eine vernünftige Variante – ohne Autos oder mit Radwegen

Vielleicht hat es die Sondersituation mit mehr Verkehr in der Straße gebraucht, die durch die Umleitung wegen der Sternenplatz-Baustelle entstanden ist, um ein Umdenken im neu formierten Gemeinderat auf den Weg zu bringen. In der Politik, auch in der auf kommunaler Ebene von Konstanz, ist der kleinste häufig der einzige Nenner. So wurde vor drei Jahren das aktuelle Modell gewählt.

Die Mehrheitsverhältnisse haben sich nach der Wahl im vergangenen Mai geändert. Es wird Zeit für eine Entscheidung: entweder eine echte Fahrradstraße komplett ohne Autos auf den Weg bringen, oder zurückkehren zur alten Radweg-Lösung.