Heiner Fritze, DLRG

Heiner Fritze ist DLRG-Vorsitzender in Allensbach.
Heiner Fritze ist DLRG-Vorsitzender in Allensbach. | Bild: Oliver Hanser

Was genau ist Ihre Aufgabe bei der DLRG?

Ich bin seit knapp 30 Jahren Vorsitzender der Ortsgruppe Allensbach. Da wir nur wenige Leute im Vorstand sind, habe ich irgendwann auch die Rolle des Mädchens für alles übernommen. Ich kümmere mich unter anderem um die Mitgliederverwaltung, die ganze Organisation und die Leitung der Kinderschwimmkurse.

Wie oft waren Sie im Jahr 2018 im Einsatz?

Wir haben zwei Schwimmkurse à 35 Kinder ab sechs Jahren, dann im Winterhalbjahr jeden Samstag in Zusammenarbeit mit der Schmiederklinik ein Training für die Sechs- bis Achtjährigen. In Kooperation mit der Gruppe Reichenau trainieren wir im dortigen Bad Königsegg die Jugendschwimmer. Mit der ganzen Organisation, Hauptversammlungen und dem Gnadenseeschwimmen komme ich auf etwa 600 Stunden DLRG-Arbeit im Jahr.

Was war ein besonderer Einsatz für Sie und warum?

Ein spezielles Ereignis oder einen besonderen Einsatz gibt es gar nicht. Die Kinder in den Kursen sind ganz unterschiedlich. Jedes Jahr ist ein Kind mit großem Respekt oder Angst vor dem Wasser dabei. Man baut aber immer auch eine Beziehung zu den Kindern auf und kann mit Geduld etwas aus ihnen herauskitzeln. Wir hatten schon Kinder mit Downsyndrom oder gehörlose Kinder. Alle haben es geschafft, auch wenn es manchmal zwei oder drei Kurse dafür gebraucht hat.

Warum engagieren Sie sich als ehrenamtlicher Helfer?

Ich habe als Jugendlicher angefangen und mich schon immer engagiert. Insbesondere die Arbeit mit den Kindern und die Schwimmausbildung ist eine Sache, die mir immer Auftrieb gibt. Die Freude der Kinder zu sehen, ist ein wichtiges Ergebnis. Inzwischen haben ich und mein Team schon den Kindern von früheren Kindern gezeigt, wie man schwimmt. Man bringt ihnen etwas Nützliches bei, das sie ihr ganzes Leben lang brauchen können – und man kann sich dabei mit den Kindern freuen.

(Protokoll: Ingo Feiertag)

Heiko Auer, Freiwillige Feuerwehr

Heiko Auer ist 29 Jahre alt und seit 12 Jahren in der Freiwilligen Feuerwehr von Konstanz aktiv.
Heiko Auer ist 29 Jahre alt und seit 12 Jahren in der Freiwilligen Feuerwehr von Konstanz aktiv. | Bild: Claudia Rindt

Was genau ist Ihre Aufgabe bei der Feuerwehr?

Ich bin Zugführer für den Löschbereich Wollmatingen, und damit verantwortlich für 49 Kollegen. Ich kümmere mich um den Übungs-, Einsatz- und Ausbildungsdienst. Ich schaue, wer für welche Weiterbildungen in Frage kommt, koordiniere und organisiere das. Wir arbeiten mit unseren Ausbildungslisten und der Personalverwaltung auch dem Feuerwehramt zu. Neben den Übungen und Einsätzen fallen in der Woche 10 bis 15 Stunden für solche Aufgaben an. Ich mache das zusammen mit meinem Stellvertreter neben meinem eigentlichen Beruf. Da bin ich Elektromeister bei den Stadtwerken.

Wie oft waren Sie im Jahr 2018 im Einsatz?

Ich war bei etwa 70 Einsätzen.

Was war ein besonderer Einsatz für Sie und warum?

Das war dieses Jahr ganz klar der Brand am Klinikum Konstanz. Wir wurden aufgrund der Lage vor Ort durch die bereits eingesetzten Kräfte zur Unterstützung angefordert. Meine Aufgabe an dieser Einsatzstelle bestand darin, den Abschnittsleiter Evakuierung zu unterstützen. Wir haben die Ebenen G und H kontrolliert, mit den Patienten im nicht betroffenen Bereich gesprochen, und das dort eingesetzte Klinikpersonal über unser weiteres Vorgehen informiert.

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Die Zusammenarbeit mit Klinikpersonal und den anderen Hilfsorganisationen hat hierbei super funktioniert. Da bei diesem Einsatz ein Mensch ums Leben gekommen ist, war das für mich kein alltäglicher Einsatz. Gott sei Dank passiert das in Konstanz nicht oft!

Warum engagieren Sie sich als ehrenamtlicher Helfer?

Ich will in Not geratenen Menschen helfen. Das Arbeiten im Team, dass wir gemeinsame Ziele verfolgen und erreichen, dass es ganz egal ist, ob einer nun jung oder alt ist, Mann oder Frau, im Ehrenamt oder nicht, das ist der Reiz bei der Feuerwehr. Auch die Zusammenarbeit mit anderen Hilfsorganisationen funktioniert reibungslos. Da lernt man sich kennen und freundet sich an. Mein Vater ist auch bei der Feuerwehr. Für mich war schnell klar, das will ich auch machen. Ich bin dann mit 17 Jahren dazu gestoßen. Mittlerweile bin ich der Chef von meinem Vater.

(Protokoll: Claudia Rindt)

Alex Schroff, Deutsches Rotes Kreuz

Alex Schroff ist 43 Jahre alt und seit 28 Jahren beim Deutschen Roten Kreuz.
Alex Schroff ist 43 Jahre alt und seit 28 Jahren beim Deutschen Roten Kreuz. | Bild: Wiebke Wetschera

Was ist Ihre Aufgabe beim Deutschen Roten Kreuz?

Ich bin seit 28 Jahren beim Deutschen Roten Kreuz und als Bereitschaftsleiter viel im Organisationsbereich tätig. Ich kümmere mich darum, dass unsere Helfer bei Veranstaltungen und Blutspenden vor Ort sind. Außerdem bin ich seit 1995 viel im Ausbildungsbereich tätig. Für Katastrophensituationen und Fällen humanitärer Hilfe bin ich als Zugführer einer Einsatzeinheit zuständig. Eigentlich arbeite ich aber im Marketing bei einer Software-Firma in Konstanz.

Wie oft waren Sie im Jahr 2018 im Einsatz?

Das ist eine schwierige Frage. Insgesamt habe ich 550 Stunden dokumentiert. Diese habe ich bei Sanitätsdiensten auf Festivals und bei Sportveranstaltungen gesammelt. Insgesamt waren es 70 Termine, damit gab es in diesem Jahr etwas weniger zu tun als sonst.

Was war ein besonderer Einsatz für Sie und warum?

Das Campus-Festival ist jedes Jahr ein besonderer Einsatz für mich, weil der Veranstalter unsere Arbeit sehr wertschätzt. Für viele Veranstalter ist der Sanitätsdienst nur eine mühsame Pflicht, sie sind froh, wenn sie nicht noch etwas für uns organisieren müssen. Das ist frustrierend für die Helfer. Auf dem Campus Festival funktioniert das hingegen immer sehr gut. Wenn alles geschafft ist und wir gegen zwei Uhr unsere Jacken ausziehen, kommt er sogar noch mit einer Kiste Bier bei uns vorbei.

Warum engagieren Sie sich als ehrenamtlicher Helfer?

Ich habe mit 15 Jahren in Dingelsdorf angefangen, wir waren eine kleine Gruppe und es hat Spaß gemacht. Mit der Zeit kamen dann immer mehr Aufgaben dazu. Es ist schon ein Verantwortungsgefühl, das ich habe. Irgendjemand muss die Arbeit ja machen. Wir sind diejenigen, die am Freitagabend nicht auf dem Sofa bleiben, wenn mal ein Einsatz ist, sondern helfen. Das Helfen ist der Kern unserer Arbeit. Und in der Kameradschaft macht diese Arbeit auch Spaß.

(Protokoll: Wiebke Wetschera)

Wolfgang Rüdiger, THW

Wolfgang Rüdiger war 25 Jahre Zugführer beim THW, Ortsverband Konstanz. Seit 1994 leistet er zahlreiche Auslandeinsätze, insbesondere in ...
Wolfgang Rüdiger war 25 Jahre Zugführer beim THW, Ortsverband Konstanz. Seit 1994 leistet er zahlreiche Auslandeinsätze, insbesondere in den Bereichen Trinkwasseraufbereitung und Brunnenrehabilitation. | Bild: Scherrer, Aurelia

Was genau ist Ihre Aufgabe beim Technischen Hilfswerk, Ortsverband Konstanz?

Bis im vergangenen Jahr war ich Zugführer. Nach 25 Jahren, finde ich, müssen auch mal Jüngere ran. Jetzt bin ich Mädchen für alles und engagiere mich weiterhin insbesondere bei Auslandeinsätzen als Verbindungsoffizier und Teamleader, vor allem im Bereich Trinkwasseraufbereitung

Wie oft waren Sie im Jahr 2018 im Einsatz?

Größere Einsätze haben nicht stattgefunden. Ausbildung und Lehrgänge standen im Fokus. Schließlich wird eine neue Einheit aufgebaut, da wir als THW Teil der neuen gemischten EU-Einheit "Flood Rescue using boats" sind. Diese Einheit kann in Katastrophenfällen angefordert werden.

Was war ein besonderer Einsatz für Sie und warum?

Das war mein erster Auslandeinsatz, 1994 in Ruanda/Zaire. Wir haben die Trinkwasseraufbereitung für Flüchtlingscamps mit jeweils etwa 300.000 Menschen geleistet und täglich weit mehr als eine Million Liter Trinkwasser produziert und verteilt. Es war ein einschneidendes Erlebnis. Wenn alles mit Krieg zu tun hat, dann ist das heftig. Man hat viel gesehen, auch viele verstümmelte Menschen. Da habe ich eine Weile dran zu knabbern gehabt. Aber wenn man die Möglichkeit hat, zu helfen, und man hat die Kutteln dazu, dann macht man es immer wieder.

Warum engagieren Sie sich als ehrenamtlicher Helfer?

Ich habe ganz banal angefangen und habe LKW-Fahrer fürs THW ausgebildet. Mitte der 80er-Jahre bin ich ins THW eingetreten, denn die tun was. Wir sind eine unbewaffnete deutsche Einheit, neutral und ein bisschen als deutsche Botschafter unterwegs und helfen jedem, der Hilfe benötigt. In Frankreich nennt man uns "die blauen Engel" und Afrika sind wir die "Waterpeople", weil wir Trinkwasseraufbereitung und Brunnenrehabilitation leisten. Es ist immer ein gutes Gefühl, wenn man etwas verbessern und Menschen helfen kann.

Protokoll: Aurelia Scherrer

Susanne Robitsch, Malteser Hilfsdienst Konstanz

Im Landkreis Konstanz steht über das Einsatzkräfte-Nachsorge-Team der Notfallseelsorge eine Hilfe für Einsatzkräfte aller ...
Im Landkreis Konstanz steht über das Einsatzkräfte-Nachsorge-Team der Notfallseelsorge eine Hilfe für Einsatzkräfte aller Hilfsorganisationen zur Verfügung. Zu diesem Team gehört Susanne Robitsch von den Maltesern. | Bild: Hanser, Oliver

Was genau ist Ihre Aufgabe beim Malteser Hilfsdienst Konstanz?

Nur genau eine Aufgabe zu nennen, ist gar nicht so einfach. Aber unter anderem arbeite ich für das sogenannte Einsatzkräfte Nachsorge Team (ENT) im Landkreis Konstanz. Das setzt sich zusammen aus den Einsatzkräften von Feuerwehren und allen Rettungsorganisationen, auch psychosoziale Fachkräfte aus der Notfall-Seelsorge sind dabei. Die Aufgabe des ENT ist es, die Retter und Helfer nach für sie besonders schwerwiegenden Ereignissen bei der Stressbewältigung zu unterstützen.

Wie oft waren Sie im Jahr 2018 im Einsatz?

Der wichtigste und größte Einsatz war wohl der Brand am Klinikum, zu dem das ENT hinzugerufen wurde. Aber ansonsten reichen meine Einsätze für das ENT relativ weit von schweren Unfällen mit Verletzten oder gar Toten bis hin zur – von außen scheinbar harmlosen – Betreuung von Personen in der Altenhilfe, die sich mit dem Tod eines regelmäßig besuchten Menschen schwertun.

Was war ein besonderer Einsatz für Sie und warum?

Ganz sicher die Schüsse in der Diskothek Grey im vergangenen Jahr. Gerade in den ersten Minuten herrschte viel Ungewissheit und die bange Frage: Gibt es womöglich noch einen weiteren Täter? Unsere Helfer im Rettungsdienst, gerade wenn sie noch nicht lange dabei sind, können den medizinischen Notfall exzellent meistern: Wunden verbinden, Pflaster kleben, alles kein Problem. Aber die emotionale Situation damals war schon sehr schwierig. Einige Einsatzkräfte haben wir danach über Wochen noch begleitet. Reden hat geholfen, wir sind keine Therapeuten, aber wir sind da. Ich glaube, diese Nacht vom Grey hat die Menschen in Konstanz lange beschäftigt.

Warum engagieren Sie sich als ehrenamtlicher Helfer?

Ich empfinde in meinen Aufgaben bei den Maltesern einen Sinn, mache etwas Sinnvolles in meiner Freizeit, es erfüllt mich, anderen Helfen zu können. Ich bin der Meinung, Malteser ist man nicht allein, es ist eine sehr schöne Gemeinschaft, man kann etwas gemeinsam tun, etwas bewegen, gemeinsam Schönes erleben, auch wenn manche Einsätze vielleicht zu unschönen oder ungelegenen Zeiten stattfinden. Aber zu wissen, dass man gebraucht wird, egal in welchem Bereich, ist für mich ein sehr schönes Gefühl.

Protokoll: Benjamin Brumm