Regine Grutschus-Ide ist außer sich. "Langsam ist es eine Zumutung", sagt die dreifache Mutter aus Litzelstetten. "Mein ältester Sohn hat seine Geburtstagbriefe mit fünf Tagen Verspätung erhalten. Ich erwarte seit Wochen dringende Post, unter anderem mit Rechnungen – vergeblich."

Immer wieder schreibt sie Mails an die Deutsche Post oder verbringt Stunden in diversen Warteschleifen. "Helfen kann mir niemand", sagt sie und zeigt auf einen kleinen Stapel von ausgedruckten Mails. "Alles nur bla bla bla", fügt sie hinzu. "Was passiert eigentlich, wenn ich eine Rechnung zu spät erhalte und schon Mahngebühren anfallen?" Die Post lehnt in solchen Fällen eine Verantwortung ab, da kein exakter Zustellungstag garantiert wird.

Strafe wegen verspäteter Zustellung

Erstmals versuchte sie, Mitte Juli Kontakt aufzunehmen zur Deutschen Post DHL Group. Damals kamen Spielerpässe des SV Allensbach, für den sie ehrenamtlich im Vorstand arbeitet, nicht pünktlich zum ersten Saisonvorbereitungsspiel an – obwohl sie eine Woche zuvor in Freiburg abgeschickt wurden: "Wir werden daher Strafe zahlen müssen, weil wir zum Testspiel die Pässe nicht vorlegen konnten", sagt sie.

Sobald sie auf andere Zusteller zurückgreift, klappt es mit der Zustellung am Folgetag. "Bei der Beschwerde-Hotline der Post kann man mit dem Problem nichts anfangen, da es ja um Zustellungen in Konstanz geht. Wo immer das Call-Center seinen Dienst versieht."

In der Warteschleife der Hotline werbe die Post dafür, dass sie zur Urlaubszeit Post einlagern würde, damit nichts verloren ginge und der Briefkasten nicht überlaufe. Regine Grutschus-Ide flüchtet sich mittlerweile in Sarkasmus: "Sehr witzig, sie lagern meine Post auch ein, obwohl ich gar nicht im Urlaub bin."

Und wieder nichts: Regine Grutschus-Ide und ihr Sohn Mathis kennen irhen Briefkasten derzeit nur leer.
Und wieder nichts: Regine Grutschus-Ide und ihr Sohn Mathis kennen irhen Briefkasten derzeit nur leer. | Bild: Schuler, Andreas

Vor wenigen Tagen erhielt sie erstmals eine in ihren Augen halbwegs vernünftige Antwort. Hier heißt es:

"Wiederholt wurden Sendungen nicht so zugestellt, wie Sie es erwarten. Auch wenn wir uns wiederholen, bitten wir Sie für die (...) Unannehmlichkeiten um Entschuldigung. Wir verstehen sehr gut, wie wichtig es Ihnen ist, von unserem Unternehmen einwandfreie Leistungen zu erhalten. Und wir versichern Ihnen: Uns geht es genauso. Auch wir können nicht akzeptieren, dass die Briefzustellung nicht korrekt erfolgt. Deshalb haben wir uns mit der verantwortlichen Betriebsleitung für Litzelstetten in Verbindung gesetzt: Wegen eines personellen Engpasses und sehr hohem Sendungsaufkommen konnten wir Ihre Post in der letzten Zeit nicht in der Qualität zustellen, wie Sie es zu Recht erwarten können. Wir arbeiten jedoch mit Hochdruck daran, um Ihre Sendungen wie gewohnt zuverlässig und pünktlich auszuliefern."

Das antwortete die Post dem SÜDKURIER

Der SÜDKURIER fragte bei der Pressestelle der Deutsche Post DHL Group in Konstanz nach. Immerhin gibt es auch Berichte, nach denen überregionale Tageszeitungen, die per Postbote ausgetragen werden, nicht mehr täglich, sondern gesammelt einmal pro Woche zugeteilt werden.

Hugo Gimber von der Pressestelle: "Uns fehlen in Konstanz keine Zustellkräfte, aktuell können wir in jedem Zustellbezirk eine Kraft einsetzen, Zustellabbrüche gibt es nicht. Lediglich in Litzelstetten kam es vereinzelt zu geringen Rückständen in einem Zustellbezirk. Dies lag an einer Aushilfskraft, die inzwischen aber nicht mehr bei uns beschäftigt ist. Da wir neu eingestellten Kräften und auch Ferienkräften deutlich mehr als den Mindestlohn zahlen, können wir auch immer wieder neue Kräfte gewinnen."

Regine Grutschus-Ide und ihr Sohn Mathis gehen täglich zum Briefkasten. Derzeit in der Regel vergeblich.
Regine Grutschus-Ide und ihr Sohn Mathis gehen täglich zum Briefkasten. Derzeit in der Regel vergeblich. | Bild: Schuler, Andreas

Darüber hinaus ermittelte der SÜDKURIER einige Bewohner in Allensbach und anderen Gemeinden im Umkreis von Konstanz, die sich wundern, warum sie montags keine Post mehr erhalten. Hugo Gimber dazu: "Die Information, dass die Deutsche Post am Montag nicht mehr zustellt, ist schlichtweg falsch. Allerdings erhalten Kunden, die keine Tageszeitung per Post erhalten und auch keine Korrespondenzpartner haben, die samstags oder sonntags Briefe an sie einliefern, in der Tat montags selten Post von uns."

Kompromiss nicht möglich

Regine Grutschus-Ide hat der Post sogar einen Kompromiss angeboten – immerhin weiß sie über einen Verfolgungs-Dienst im Internet, dass Brief- und Paketsendungen seit einiger Zeit in Konstanz lagern: "Ich bin ich inzwischen gerne bereit, meine Post selbst abzuholen im Verteilzentrum."

Das ist jedoch nicht vorgesehen im Vertriebssystem der Post, wie Hugo Gimber sagt: "Es gibt bei uns in Konstanz einen Zustellstützpunkt für Briefe und eine Zustellbasis für Pakete", erklärt er. "In diesen Betriebsdienststellen werden die Sendungen für die Zustelltouren sortiert, gelagert werden dort keine Sendungen. Dass Kunden ihre Sendungen in einem Zustellstützpunkt oder einer Zustellbasis selbst abholen, ist auch aus Sicherheitsgründen nicht möglich."