Niedrigzins, hohe Anforderungen der Bankenaufsicht und digitaler Wandel: Der Wettbewerb in der Bankenbranche ist hart. Trotzdem hat sich die Volksbank Konstanz behauptet und die Bilanz 2017 positiv abgeschlossen. "Wir konnten unsere Bilanzsumme um neun Prozent gegenüber dem Vorjahr auf rund 1,2 Milliarden Euro steigern", stellt Werner Haun, Vorstand der Volksbank Konstanz, fest. Ein überdurchschnittliches Ergebnis, denn baden-württembergische Genossenschaftsbanken konnten durchschnittlich lediglich ein Plus von 4,1 Prozent erzielen. Dieser Erfolg sei vor allem der regionalen Sonderstellung geschuldet. Den Betrieben gehe es gut und die Baubranche boome – zumindest noch.

Vorstand geht von Ende des Immobilien-Booms aus

Das Kreditgeschäft läuft. "Die Nachfrage nach Immobilien ist in unserer Region groß", so Haun. Da ist aufgrund des Niedrigzinses Einlagen für Kunden nicht gar so attraktiv seien, werde Geld lieber in Immobilien investiert. Werner Haun ahnt jedoch den Rückgang dieses Booms. Erstaunlicherweise ist trotz der Zinsen auf niedrigstem Niveau das Einlagegeschäft um zwölf Prozent auf 844 Millionen Euro gestiegen. Die Kunden würden ihr Geld jedoch eher kurzfristig anlegen. "Sicherheit überwiegt vor Rendite", bringt Werner Haun die Denkweise der Anleger auf den Punkt.

Kein höherer Zins vor 2020?

Die ersten Zinserhöhungstendenzen seien zwar am Horizont erkennbar, "aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das schlagartig ändern wird", meint Werner Haun. Er geht vielmehr davon aus, dass eine Zinserhöhung erst in den nächsten zwei bis drei Jahren in kleinen Schritten erfolgen werde. Die Volksbank will ihrer Philosophie treu bleiben. "Strafzinsen für Privatkunden werden wir nicht einführen", konstatiert Haun. Vielmehr trage die Bank die 40 Cent Strafzinsen pro 100 Euro für die Privatkunden.

Nur noch einmal pro Jahr zur Beratung in die Bank vor Ort

Mit der Bilanz 2017 ist Werner Haun insgesamt zufrieden, aber auch gleichzeitig vorsichtig optimistisch. Es sei gelungen, die Kosten geringfügig zu senken, aber: "Wir haben künftig mit Kostensteigerungen zu rechnen." Die Zahl der Mitarbeiter solle nicht reduziert werden, aber das Filialnetz stellte der Gesamtvorstand auf den Prüfstand, zumal sich das Kundenverhalten zugunsten von Online-Banking verändert habe. Jeder Kunde komme im Durchschnitt einmal pro Jahr zur Beratung in eine der Volksbank-Filialen. Hingegen seien die digitalen Kontaktpunkte entsprechend gestiegen.

Schleichender Abschied von der Präsenz-Filiale?

Aufgrund geringfügiger Nutzung des Beratungsangebots wird die Volksbank die Filiale in Allmannsdorf schließen, voraussichtlich zum 30. Juni 2018. Werner Haun verweist auf die nächstgelegenen Filialen in Petershausen und in Litzelstetten. Aktuell ist die Volksbank-Filiale in Litzelstetten interimsweise noch in einem Container untergebracht. Der Bezug des Neubaus werde Anfang April stattfinden. Der Standort in der Martin-Schleyer-Straße sei ideal, da er direkt an der Durchgangsstraße liege und über ausreichend Kundenparkplätze verfüge. Auch die Filialen Dettingen und Reichenau werden geschlossen, aber in SB-Filialen umgewandelt. Gleichwohl, so Haun, sei für 95 Prozent der Kunden die nächste Volksbankfiliale in zehnminütiger Fahrzeit erreichbar.

Die Volksbank wolle nicht zur Internet-Bank mutieren, aber dennoch wird die Digitalisierung vorangetrieben. Persönliche Kontakte, ist Vorstand Martin Schuhmacher überzeugt, seien, gerade was Geldanlage und Altersvorsorge anbelange, nicht ersetzbar. Das Online-Angebot werde aber sukzessive erweitert, wie beispielsweise um Videoberatung und Co-Browsing.