Konstanz Weniger Autos in der Stadt! Aber wie? Die Stadtverwaltung hat einige neue Ideen, die jetzt an den Ostertagen umgesetzt werden. Das ist der erste Test für die Staufalle Innenstadt

Einfach ist es nicht, den Verkehrsfluss an den Spitzentagen in der Konstanzer Innenstadt zu gewährleisten. Eine Arbeitsgruppe der Verwaltung hat nun einige Neuerungen eingeführt: digitale Hinweisschilder auf die Richtung, in die der Verkehr umgeleitet wird und eine besser getaktete Busverbindung vom Parkplatz am Bodenseeforum in die Innenstadt sind zwei Aspekte.

An Ostern kommt die erste Nagelprobe: Die Stadtverwaltung setzt weitere Maßnahmen um, die die Innenstadt an Spitzentagen vom Verkehr entlasten sollen. Welche sind das – und wie werden sie beurteilt?
 

Was steckt hinter dem Konzept des Verkehrsmanagements an Spitzentagen?

Die Stadtverwaltung hat eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die dafür sorgen soll, dass der Verkehrsfluss an Tagen mit hohem Verkehrsaufkommen in der Innenstadt beschleunigt wird. Außerdem müsse die Stadt dringend dafür sorgen, dass Feuerwehr und Rettungswagen bei Unfällen in den vorgeschriebenen Fristen ihr Ziel erreichen, wie Verkehrsplaner Stephan Fischer erläutert.

Was war der Anlass für eine weitere Nachbesserung der Maßnahmen?

In der Vorweihnachtszeit habe man zwei Probleme gelöst, sagt Fischer: Die Stadtbus-Linien hätten weniger Verspätung gehabt und den Blaulichtorganisationen sei es wieder gelungen, die Hilfsfristen einzuhalten. Unzufriedenheit entstand anderswo: bei den Händlern und ihren Kunden. "Die Maßnahmen zur Adventszeit waren zu rigoros", sagt Christian Ulmer, stellvertretender Vorsitzender von Treffpunkt Konstanz, und die Autofahrer seien nicht ausreichend informiert gewesen, wohin sie geleitet werden. Das habe zu Unmut geführt – und den Anstoß geliefert, gemeinsam über neue Maßnahmen nachzudenken.

Stau Richtung Schweiz: Die Schänzlebrücke soll ein wichtiger Teil der Lösung sein, wenn es um die Stauprobleme in der Innenstadt geht. Es wird sich zeigen, welche Maßnahmen greifen. <em>Archivbild: Oliver Hanser</em>
Stau Richtung Schweiz: Die Schänzlebrücke soll ein wichtiger Teil der Lösung sein, wenn es um die Stauprobleme in der Innenstadt geht. Es wird sich zeigen, welche Maßnahmen greifen. | Bild: Jörg-Peter Rau

Welche Neuerungen sind jetzt hinzugekommen?

Neu ist, dass die Haltestelle für den Bus-Shuttle vom Wendekreis am Bodenseeforum an die Reichenaustraße verlegt wurde. So fährt die Buslinie 4/13 nun im Viertelstundentakt in die Innenstadt, zuvor war es ein Halbstundentakt. Außerdem zeigen mobile digitale Anzeigetafeln entlang der Europastraße den Autofahrern an, wohin der Verkehr umgeleitet wird. So ist die Gefahr geringer, dass die Autofahrer völlig irritiert sind, weil sie nicht wissen, warum sie umgeleitet werden. Die Verwaltung strebt hier weitere Verbesserungen an: "Die Informationen im Vorfeld sollten besser werden", sagt Stephan Fischer.

Welche Maßnahmen werden weiter fortgesetzt?

Wie bisher werden an Spitzentagen die Verkehrskadetten im Einsatz sein. An diesen Tagen gehe es unter anderem darum, den Verkehr über die Rheinbrücke zu leiten und in die Richtung des Parkplatzes am Bodenseeforum, sagt Daniel Schlatter von der Beratungsfirma IVVM Schlatter. "Im Innenstadtring muss man Hemmnisse beseitigen und dafür sorgen, dass der Verkehr fließt. Die Bodanstraße ist das fragilste Element." Damit sie nicht überlastet wird, werde der Verkehr beispielsweise vom Lago-Parkhaus nach rechts zum Bahnhofsplatz geführt, Linksabbiegen sei nicht mehr möglich. Außerdem haben die Verkehrskadetten die Aufgabe, zu reagieren, sobald eine Überlastung droht. Sie richten an unterschiedlichen Stellen zeitweise Sperrungen ein (siehe Grafik), etwa an der Einfahrt ins Wohngebiet Paradies oder der Zufahrt vom Emmishofer Zoll in die Bodanstraße.

Wie beurteilen die Kadetten, dass sie eingreifen müssen?

Berücksichtigt werden müssen die Verkehrsdichte, die Zahl der Fahrzeuge, die etwa in der Grenzbachstraße unterwegs sind und die Auslastung der Parkhäuser, erläutert Dennis Adelmann, Leiter der Verkehrskadetten bei der Kreisverkehrswacht Konstanz-Hegau. "Wie beim Schachspielen muss man zwei Züge vorausplanen. Wenn der Verkehr stockt, ist es zu spät", ergänzt Schlatter.

Wie sieht der Handel das Konzept jetzt?

Christian Ulmer ist froh über das Bündel an Maßnahmen. "Ich bin positiv gestimmt, dass sich vieles verbessert. Es hat einen Ruck gegeben." Als Händler sei es ihm wichtig, dass es den Kunden leicht gemacht werde, in die Stadt zu kommen. Die neue Bus-Taktung sei dazu ein Beitrag. Den Königsweg sieht Ulmer weiterhin in einem Parkhaus am Döbele. "Gibt man dem Kunden die Möglichkeit, hier zu parken, führt man ihn nicht weg vom Ziel." Der Parkplatz am Bodenseeforum habe es schwerer mit der Akzeptanz, der Rhein bilde eine natürliche Barriere. Als wichtigste Maßnahme nennt Ulmer, dass der Parkplatz asphaltiert werden müsse.

Weitere Maßnahmen zur Verbesserung des Verkehrs

  • Anwohner im Paradies: Sie dürfen in Zukunft bei Zufahrtssperren in die Straße einfahren, in der sie wohnen. Dafür zeigen die Anwohner den Verkehrskadetten den Anwohnerparkausweis. Die ersten Erfahrungen mit diesem System seien problemlos, sagt Dennis Adelmann.
  • Stadtbus: Wie die Taktung angenommen wird, kann Stadtwerke-Sprecher Josef Siebler noch nicht sagen. Die Pünktlichkeit habe sich verbessert, weil die Belastung insgesamt zurückgegangen sei.
  • Information: Die Stausituation solle künftig von den Kadetten an die Polizei, von dieser an die Radiostationen gemeldet werden, so Fischer. Auch davon erhofft man sich Entlastung.

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