Schluss mit der Politik hinter verschlossenenen Türen. So lautet der Tenor der Theaterfreunde im Tauziehen um die Verlängerung des Vertrages von Theater-Intendant Christoph Nix. Der Gemeinderat solle über die Kompromisslösung offen verhandeln, sagen die Redner bei einer Debatte in der Spiegelhalle, zu der das Theater geladen hatte. Intendant Nix erklärt, er habe mit Öffentlichkeit kein Problem, auch wenn Persönlichkeitsrechte berührt sein sollten.

Bürgermeister soll kurzfristig abgesagt haben

Rund 200 aufgewühlte Gäste fragen vergeblich nach den Gründen, die den Gemeinderat am 19. Januar in nicht-öffentlicher Sitzung veranlasst hatten,eine Verlängerung des Vetrags um ein Jahr abzulehnen. Diese sieht Nix als Voraussetzung, um zwei Großprojekte in zwei Jahren stemmen zu können: die Theatertage 2019 und das Theaterschiff Atlantis 2020.

Angefeuert durch philosophisch-satirische Beiträge von Vertretern des Theaters geht es an diesem Abend auch um die Debattenkultur in der Stadt, um den Stellenwert des Theaters in Konstanz und das Gefühl, dass ein Riss klaffe zwischen Kulturpublikum und Politik. Bürgermeister Andreas Osner war nach Angaben des Theaters geladen, habe aber wegen eines Termins in Berlin abgesagt.

Der Kompromiss liegt nun auf dem Tisch: Eine Verlängerung von Nix' Vertrag um ein halbes Jahr, um beide Großprojekte zu ermöglichen. Der Intendant sagt, er könne damit leben. Doch selbst, wenn diese Lösung eine politische Mehrheit fände, die Theaterfreunde bewegt weiter die vergangene Abstimmung. Auf die Frage, was gegen die Vertragsverlängerung spricht, bekommt das Publikum keine Antwort.

Peter Müller-Neff, Stadtrat der Freien Grünen Liste, der im Rat eine geheime Abstimmung beantragt hatte und als Gast die Debatte besuchte, wurde aufgefordert, sein Verhalten zu erklären. Er macht dies nicht, mit der Begründung, es sei ihm nicht möglich, aus nichtöffentlicher Sitzung zu berichten. Er sagt auch, man solle jetzt nach vorne sehen, es liege ein Kompromiss auf dem Tisch.

Stadtrat Nabholz: Stimme "aus Prinzip" wieder dagegen

Lediglich CDU-Stadtrat Marcus Nabholz bekennt in großer und kleiner Runde, er habe gegen die Verlängerung gestimmt, und werde das auch wieder tun, "aus Prinzip". Der Vertrag ende nun einmal, und die Theatertage seien ihm auch nicht so wichtig. Sie brächten dem Theater kaum mehr als viel Arbeit. Andere sehen einen kulturellen Gewinn für die Stadt, wenn sie Gastgeber für die Bühnen im Land ist. So Renate Schwalb, stellvertretende Vorsitzende der Theaterfreunde. "Es gab keine Gründe, aber Gerüchte", sagt Stefan Postius, der eine Online-Petition für das längere Verbleiben von Nix ins Leben gerufen hat. 865 Konstanzer haben bisher für die Vertragsverlängerung unterschrieben, 1300 Bürger insgesamt. Die Petition läuft bis Ende Februar.

Holger Reile, Stadtrat der Linken Liste, die Nix gern das Zusatzjahr gegeben hätte, hält es für feige, sich ins Nichtöffentliche zurückzuziehen und sagte: "Wir sollten das Visier öffnen." Die Linke Liste vermutet einen Formfehler bei der nichtöffentlichen Abstimmung, und hakt deswegen beim Regierungspräsidium nach.

So geht es weiter

Der Gemeinderat stimmt am Donnerstag, 22. Februar, über den Kompromissvorschlag ab, den Vertrag von Christoph Nix um ein halbes Jahr zu verlängern. Dieser hält es nur dann für möglich, 2019 die baden-württembergischen Theatertage und 2020 das seeumspannende Projekt Atlantis zu stemmen. Ohne Verlängerung würden die Theatertage gestrichen. (rin)