Um 16 Uhr gehen die Türen zu, und was hinter ihnen gesprochen wird, soll nicht direkt an die Öffentlichkeit dringen: Der Konstanzer Kulturbürgermeister Andreas Osner hat jene Stadträte, die dem Kulturausschuss angehören, eilig zu einer vertraulichen Aussprache eingeladen. Thema ist, wie es mit dem Theater und den dortigen Großprojekten wie "Atlantis" und Baden-Württembergische Theatertage weitergeht.

Neue Vorwürfe gegen Bürgermeister Osner

Wenige Stunden vor dem Start beziehen die Mitarbeiter Position. In einer Erklärung heißt es wörtlich: "Dass sich nun Politik und Stadtverwaltung in die künstlerische Programmgestaltung des Theaters einmischen, halten wir für einen besorgniserregenden Vorgang." Zugleich heißt es in einem mit "die MitarbeiterInnen" unterzeichneten Dokument: "Wir sehen es als Aufgabe von TheatermacherInnen an, sich in das politische und gesellschaftliche Leben aktiv einzumischen, unbequeme Fragen zu stellen und auf Missstände hinzuweisen." Zudem werfen sie Bürgermeister Osner vor, nicht auf eine Stellungnahme reagiert zu haben.

Am Abend gibt es aktuell eine Pressekonferenz

Im Anschluss an die Aussprache im Kulturausschuss soll es eine Pressekonferenz geben. SÜDKURIER Online hält Sie auf dem Laufenden, wie es bei dem seit Wochen strittigen Thema weitergeht.

Hier die Stellungnahme der Mitarbeiter im Wortlaut:

"In den letzten Tagen und Wochen ist viel gesagt und geschrieben worden – über das Theater Konstanz, seine MitarbeiterInnen und insbesondere seinen Intendanten. Wir tragen den Stil der Auseinandersetzung nicht mit. Wir, alle MitarbeiterInnen des Theater Konstanz auf, vor und hinter der Bühne äußern uns dazu wie folgt:

Im Oktober 2017 sind die gewählten Ensemblesprecher Laura Lippmann und Georg Melich im Namen des Schauspielensembles mit dem Anliegen, den Vertrag des Intendanten Christoph Nix um ein Jahr zu verlängern, in den Fraktionen des Konstanzer Gemeinderates vorstellig geworden. Dies geschah aus eigenem und freiem Antrieb. Eigeninitiative und Mitspracherecht sowie freie Meinungsäußerung sind zentrale Elemente der täglichen Theaterarbeit in Konstanz.

Herrn Kulturbürgermeister Dr. Andreas Osner haben wir zudem schriftlich am 14. November 2017 über diesen Wunsch und die inhaltlich-programmatischen Gründe in Kenntnis gesetzt. Bedauerlicherweise erhielten wir von Herrn Dr. Osner keinerlei Antwort.

In einer nichtöffentlichen Sitzung des Gemeinderates am 18. Januar 2018 wurde der Antrag der FDP-Fraktion auf Verlängerung der Intendanz von Herrn Nix mehrheitlich abgelehnt. Wir finden dies sehr schade, da wir gerne die erfolgreiche Zusammenarbeit über 2020 hinaus fortgesetzt hätten – inklusive der zwei Großprojekte „Theatertage“ und „Theaterschiff“. Aus unserer Sicht erscheinen die Vorgänge der Entscheidungsfindung des Gemeinderates wenig transparent und unglücklich.

Nach Bekanntwerden des Abstimmungsergebnisses hat das künstlerische Leitungsteam des Theater Konstanz beschlossen, die Baden-Württembergischen Theatertage nicht auszurichten, umso die Kräfte für die Umsetzung des Theaterschiffs „Atlantis“ zu bündeln. Wir begrüßen ausdrücklich diese Entscheidung – sowohl künstlerisch als auch arbeitsökonomisch.

Dass sich nun Politik und Stadtverwaltung in die künstlerische Programmgestaltung des Theaters einmischen, halten wir für einen besorgniserregenden Vorgang.Von vielerlei Seiten hören wir, dass unsere künstlerische Arbeit in der Stadt und darüber hinaus geschätzt wird. Wir möchten diese Arbeit ohne Einschränkungen und Denkverbote mit Christoph Nix bis zum Ende seiner Intendanz fortsetzen – in absoluter künstlerischer Freiheit. Das Theater Konstanz lässt sich nicht auseinanderdividieren.Wir sehen es als Aufgabe von TheatermacherInnen an, sich in das politische und gesellschaftliche Leben aktiv einzumischen, unbequeme Fragen zu stellen und auf Missstände hinzuweisen.

Gerade diese Qualität schätzt auch unser Publikum und dafür bedanken wir uns.

„Die Zukunft, die wir wollen, muss erfunden werden. Sonst bekommen wir eine, die wir nicht wollen.“ Joseph Beuys

Die Chance am Freitag, den 16. Februar 2018 um 20 Uhr in der Spiegelhalle in einen direkten Dialog zu treten, lässt uns hoffen. Wir laden alle Interessierten und insbesondere die politischen VertreterInnen herzlich dazu ein.

Konstanz, den 7. Februar 2018

Die MitarbeiterInnen"