Ständig scheint irgendwo ein neues Hotel zu eröffnen: Auf diese Entwicklung hat die Stadt Konstanz jetzt eine Antwort und kann damit auch die Investitionen in den Tourismusstandort steuern. Nach langer Vorbereitung und zuletzt auch kontroversen Debatten hat der Gemeinderat ein Konzept zur Entwicklung des Fremdenverkehrs und der Hotellerie verabschiedet. Es sieht vor, dass in der Stadt bis auf weiteres noch vier neue Hotels mit zusammen höchstens 900 weiteren Betten entstehen sollen. Gewünscht ist auch eine Unterkunft im Stil eines Hostels (Herberge) mit einer unkomplizierten Atmosphäre und günstigen Preisen.

Deutliche Worte zur bisherigen Entwicklung der Hotellerie in der Stadt: Eric Thiel, Geschäftführer von Marketing und Tourismus GmbH, sieht die Stadt bisher eher von Investoren getrieben.
Deutliche Worte zur bisherigen Entwicklung der Hotellerie in der Stadt: Eric Thiel, Geschäftführer von Marketing und Tourismus GmbH, sieht die Stadt bisher eher von Investoren getrieben. | Bild: Aurelia Scherrer

"Bisher waren wir von Investoren getrieben"

Mit dem Beschluss sieht Eric Thiel, der Geschäftsführer von Marketing und Tourismus Konstanz, die Stadt auf einem guten Weg und sprach von einer guten Debatte in einem eigens gegründeten Arbeitskreis. So ist jetzt nicht mehr davon die Rede, dass vor allem Hotels für die Bessergestellten entstehen sollen, sondern dass Qualität in jedem Segment angestrebt werde. Vor allem aber könne Konstanz jetzt die Entwicklung steuern: Die Stadt sei bisher von Investoren getrieben oder sogar vor vollendete Tatsachen gestellt worden". Jetzt sei es möglich, mit dem Konzept gezielt auf Interessenten zuzugehen und den Standort mit ihnen gemeinsam zu entwickeln.

Politiker verstärken den Einfluss der Stadt

Stadträtin Zahide Sarikas (SPD) stimmte dem zu: "Die Stadt muss steuern", sagte sie und dabei auch die Themen Verkehr und Mitarbeiter-Wohnen im Blick behalten. Wolfgang Müller-Fehrenbach (CDU) glaubte nicht, dass in Konstanz mehr Hotels mit familienfreundlichen Preisen entstehen könnten – allerdings gebe es auch schon genügend Budget-Hotels, und die brächten auch "nicht die Klientel, die wir unbedingt in der Stadt brauchen". Anselm Venedey (Freie Wähler) erklärte, dass Budget-Hotels in der Saison kaum billiger seien als andere Angebote, aber viel weniger Arbeitsplätze schüfen. Allerdings löse das politisch richtige Zurückdrängen von Ferienwohnungen einen Mangel an günstigen Unterkünften gerade für Familien aus.

Noch ein großes, bereits laufendes Hotel-Bauprojekt: An der Reichenaustraße entsteht das Maxx E Motion Center.
Noch ein großes, bereits laufendes Hotel-Bauprojekt: An der Reichenaustraße entsteht das Maxx E Motion Center. | Bild: Jörg-Peter Rau

Mit dem Boarding-House am Bahnhof Petershausen wird's erst mal nichts

Kurz nach dem Grundsatzbeschluss setzte der Rat gleich ein Signal. Er startete das Verfahren für eine Bebauungsplanänderung im Areal der Rieter-Werke an der Schneckenburgstraße und verhängte eine Veränderungssperre. Damit kann ein Investor seine Pläne vorerst nicht umsetzen. Errichten wollte er eine Art Langzeit-Hotel, das als Boardinghouse oder auch als Serviced Apartments (Kleinwohnungen mit Zimmerservice) firmieren sollte. Bis der geänderte Bebauungsplan verabschiedet ist, darf auf dem Gelände aber erst einmal nichts entstehen, was den künftigen Zielen zuwiderlaufen könnte.