Das Schicksal des im Sommer schwer verunglückten Jannis Pagels bewegt die Menschen weiterhin. Der 16-Jährige ist seit einem tragischen Surfunfall in Südfrankreich vom Hals abwärts querschnittgelähmt. Er ist ist nach wie vor in der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik in Tübingen und absolviert eine Akut-Reha.

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Beeindruckende Hilfsbereitschaft in der gesamten Region

Bereits im Oktober fand eine große Spendenaktion im Rahmen eines Heimspiels der HSG Konstanz statt – dabei wurden mehr als 7000 Euro gespendet. Auf der Internet-Plattform betterplace.me sind schon über 60.000 Euro zusammen gekommen. Täglich werden es mehr. Auch der Rotary-Club sowie unzählige weitere Vereine im ganzen Land, Unternehmen und Privatleute haben für den jungen Menschen gesammelt.

Kosten sind noch nicht abzusehen

Auf die Familie warten hohe Kosten, um dem Sohn ein einigermaßen normales Leben ermöglichen zu können. Es ist noch gar nicht abzusehen, wie hoch diese Kosten sein werden. Die Versicherung zahlt einiges – aber bei weitem nicht alles.

Jannis als passionierter Surfer (links) und heute im Rollstuhl.
Jannis als passionierter Surfer (links) und heute im Rollstuhl. | Bild: privat
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In der kommenden Woche stehen die nächsten Veranstaltungen auf dem Programm: Am Donnerstag findet die seit 20 Jahren etablierte Tagung „Arbeitsrechtstag“ der Kanzlei Manfred Schneider im Insel-Hotel statt. Hier halten hochrangige Richter Vorträge, Anwälte aus der gesamten Region nehmen daran teil und zahlen eine Gebühr von 65 Euro – sämtliche Einnahmen werden Jannis Pagels zur Verfügung gestellt; die Vortragenden verzichten auf ihr Honorar.

„Uns war klar: Da wollen und müssen wir helfen“

Bei der Tagung besteht darüber hinaus die Möglichkeit zu spenden. „Bisher haben wir schon mehr als 40 Anmeldungen“, sagt Raquel Dercho, die zusammen mit Jaqueline Hotz die Aktionen für den 16-Jährigen organisieren – beide arbeiten für die Kanzlei Manfred Schneider. Der Rechtsanwalt ist befreundet mit Matthias Pagels, dem Vater von Jannis. Ihre Kinder haben zusammen Sport getrieben. „Von daher hat uns das Schicksal besonders betroffen gemacht“, sagt Manfred Schneider. „Es war uns völlig klar, dass wir da helfen müssen und wollen.“

Einer für alle, alle für Jannis Pagels: (von links) Raquel Dercho, Claudia Deutinger, Jaqueline Hotz, Manfred Schneider, Daniel Malek und Paul Härle.
Einer für alle, alle für Jannis Pagels: (von links) Raquel Dercho, Claudia Deutinger, Jaqueline Hotz, Manfred Schneider, Daniel Malek und Paul Härle. | Bild: Schuler, Andreas

So geht es Jannis Pagels heute

Manuela Pagels, die in Tübingen bei Jannis wohnt und ihn unterstützt, berichtet über das Leben ihres Sohnes: „Mittlerweile ist Jannis im Klinikalltag angekommen und das Therapieprogramm bestimmt seinen Tagesablauf. Die Funktionalität der Arme hat sich stark verbessert, sodass er die Arme bewusst heben und einsetzten kann. Mit so genannten Spangen versucht man, die fehlende Handfunktion zu ersetzen. Alltägliche Gegenstände wie Messer, Gabel oder Zahnbürste werden daran befestigt und Jannis lernt in kleinen Schritten, den Alltag alleine zu bewältigen.“

„Eine unglaubliche Kraftanstrengung“

Mutter Manuela Pagels weiter über den aktuellen Zustand ihres Sohnes: „Kreislauf und Rumpfstabilität sind ebenfalls deutlich stabiler geworden, dadurch kann Jannis jetzt auch längere Zeit im mechanischen Rollstuhl sitzen. Die alltäglichen Herausforderungen stellt er sich wie vor mit großem Ehrgeiz, doch leider wird er oft von den unerträglichen neuropathischen Schmerzen ausgebremst. Eine unglaubliche Kraftanstrengung für diesen jungen Menschen, der trotz dieser Schmerzen an seinen Zielen festhält.“ Neuropathische Schmerzen werden auch Phantomschmerzen genannt: Schmerzen an Körperteilen, die entweder nicht mehr da, weil amputiert sind, oder an gelähmten Stellen.

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Daumen hoch für Jannis Pagels: (von links) Daniel Malek, Manfred Schneider, Claudia Deutinger, Jaqueline Hotz, Raquel Dercho und Paul Härle.
Daumen hoch für Jannis Pagels: (von links) Daniel Malek, Manfred Schneider, Claudia Deutinger, Jaqueline Hotz, Raquel Dercho und Paul Härle. | Bild: Schuler, Andreas

Mannschaften aus Deutschland, Österreich und der Schweiz spielen für Jannis

Am 22. Dezember ist die Schänzlehalle Austragungsort eines großen U17-Benefiz-Fußballturnieres, der SC Konstanz-Wollmatingen engagiert sich bei der Austragung der Veranstaltung. Auch hier gehen sämtliche Einnahmen an Jannis Pagels und seine Familie. Große und bekannte Vereine aus Deutschland, Österreich und der Schweiz spielen für den guten Zweck. Möglich gemacht hat das Paul Härle, der Trainer der U17 des SC Konstanz-Wollmatingen. „Ich habe Verwandte und Bekannte in den jeweiligen Vereinen“, erzählt er. „Alle haben sofort zugesagt.“ Neben zahlreichen lokalen und regionalen Sponsoren greifen auch große, weltweit agierende Unternehmen den Veranstaltern finanziell unter die Arme, damit die Spendensumme möglichst hoch wird. „Die Unterstützung ist riesig“, erzählt Manfred Schneider. „Das ist ein schönes Zeichen.“

Rapper Yasin singt für Jannis über das Kämpferherz

Im Rahmen des Turnieres wird der Konstanzer Rapper Yasin in der Halle singen. „Das ist für mich selbstverständlich“, sagt er. „Ich werde die Songs ‚Kämpferherz‘ und ‚Kleine Stadt‘ vortragen.“ Vor allem ‚Kämpferherz‘ sei passend für den Anlass, wie er erklärt: „Da geht es darum, niemals aufzugeben. Es geht immer weiter. Wer ein Kämpferherz hat, wird gewinnen.“ Auch er verzichtet auf seine Gage zu Gunsten des verunglückten Jannis Pagels.