Konstanz Weiter Interesse an Gasbohren

Der Bodenseeraum bleibt offenbar ein attraktives Gebiet zur Exploration von Erdgas oder Erdöl. Derzeit prüft das Landesamt für Geologie in Freiburg (LGRB), ob eine Erkundungslizenz für den Raum Pfullendorf/Messkirch verlängert werden kann. Fracking steht allerdings nicht zur Debatte.

Wenn es um die Erkundung und Förderung von Erdgas- und Erdölvorkommen geht, bleibt der Bodenseeraum offenbar ein attraktives Untersuchungsgebiet. Zwar hatte zuletzt ein Unternehmen zwei Erkundungslizenzen zurückgegeben, weil es keine Chance mehr sah, seine Ziele unter Einsatz der umstrittenen Fracking-Bohrtechnologie zu realisieren. Doch kurze Zeit später bestätigte das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB), dass zwei neue Konzessionsanträge für andere Explorationsflächen vorliegen.

Das baden-württembergische Umweltministerium hat nun Details der laufenden Konzessionsanträge bekannt gemacht. In einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage des Stockacher Landtagsabgeordneten Wolfgang Reuther (CDU) informiert das Ministerium, dass sich beide Antragsteller für ein und dieselbe Fläche interessieren. Es geht um ein Gebiet auf der Nordseite des Bodensees (Erkundungsfeld Oberschwaben II, siehe Grafik), das die Gemarkungen der Gemeinden Messkirch, Pfullendorf, Krauchenwies, Ostrach und Wald tangiert. Der bisherige Lizenznehmer, der Diplom-Ingenieur Stefan Bratschkow, möchte die Konzession verlängern. Zudem gibt es laut Umweltministerium einen zweiten potenziellen Konzessionsnehmer, der auch in „Oberschwaben II“ aktiv werden möchte. Diesen Antrag werde das Landesamt für Geologie allerdings nur dann prüfen, wenn dem Verlängerungsantrag nicht stattgegeben werden könne. „Der Verlängerungsantrag wird gegenwärtig auf Vollständigkeit geprüft“, heißt es in der Antwort auf die parlamentarische Anfrage. Im Anschluss daran werde ein Beteiligungsverfahren eingeleitet, bei dem auch die Gemeinden und Behörden im Konzessionsgebiet gehört werden sollen. Die umstrittene Fracking-Technologie soll bei der Erschließung und Förderung von möglichen Erdgas- und Erdölvorkommen laut Information des LGRB nicht zum Einsatz kommen. Laut aktueller Projektliste des LGRB über Erdgas/Erdöl-Erkundungsvorhaben in Baden-Württemberg sollen im Konzessionsfeld bei Pfullendorf/Messkirch nur Energiepotenziale angezapft werden, die mit konventioneller Bohrtechnik zu heben wären. Beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sieht man dennoch keinen Grund zur Entwarnung. „Wir fordern weiter ein Fracking-Verbot“, sagte Annamaria Waibel, die Vorsitzende des BUND Pfullendorf. Es gebe noch keine Sicherheit. Antje Boll, Geschäftsführerin des BUND Konstanz, fordert derweil mehr Aufklärung: „Wir wollen wissen, was da geplant ist.“


Drei Projekte im Bodenseeraum

Der Rückblick: Die Firma Parkyn Energy Germany (PEG) erwarb 2009 die Konzessionen zur Erdgas- und Erdöl-Erkundung auf einer rund 2500 Quadratkilometer großen Fläche im Bodenseegebiet. Dabei kam als Fördermethode die umstrittene Fracking-Technologie in Betracht, bei der ein Gemisch aus chemischen Substanzen, Sand und Wasser unter hohem Druck in den Boden gepresst wird, um Gesteinsschichten aufzubrechen. Ende Oktober 2014 gab PEG die Konzessionen zurück. Die Genehmigungen sind inzwischen erloschen. Die Firma sah offenbar keine Möglichkeit mehr für eine erfolgreiche Investition. Der Grund: Die politischen Entscheidungsträger setzen auf ein Fracking-Verbot im Einzugsbereich des Bodensees. Dieses Verbot soll in einem Bundesgesetz geregelt werden.

Die Situation: Nach dem Rückzug von PEG gibt es im Bodenseeraum noch drei Projekte zur Exploration von Erdgas beziehungsweise Erdöl (siehe Grafik). Für das Konzessionsfeld Oberschwaben II gibt es neben dem bisherigen Konzessionsinhaber einen weiteren Interessenten. Bei keinem der drei Erkundungsvorhaben ist nach Behördenangaben der Einsatz von Fracking vorgesehen. (fdo)

Ihre Meinung ist uns wichtig
Historische Momente
Neu aus diesem Ressort
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren