Sind 50 Anmeldungen für die erste elfte Klasse an der Konstanzer Gemeinschaftsschule zu wenig oder sogar viel? Diese Frage steht im Raum, seit die Zahlen für die neu eingerichtete gymnasiale Oberstufe bekannt sind. Prognostiziert waren ursprünglich 60 Anmeldungen.

Kultusministerin Susanne Eisenmann sieht die Erwartungen nicht erfüllt. Auf Anfrage teilt sie mit: „Die geringen Anmeldezahlen in Tübingen und Konstanz, die deutlich unter der Prognose liegen, die für die Genehmigung maßgeblich war, haben uns schon ziemlich überrascht. Damit bestätigt sich auch, dass die Hürden zur Einrichtung einer Oberstufe keinesfalls zu hoch sind, wie uns in der Vergangenheit immer mal wieder vorgeworfen wurde.“ Über die Gründe für die niedrigen Anmeldezahlen wolle sie nicht spekulieren.

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Rektorin Elke Großkreutz sieht es dagegen gelassen, dass es weniger Schüler sind als prognostiziert. Im Gegenteil: „Wir sind sehr zufrieden mit diesen Zahlen und finden, dass es viele Kinder sind, die sich für die Oberstufe angemeldet haben“, so Großkreutz im Gespräch mit dem SÜDKURIER.

Elke Großkreutz, Leiterin der Gemeinschaftsschule.
Elke Großkreutz, Leiterin der Gemeinschaftsschule. | Bild: Pfanner, Sandra

Etwa die Hälfte der einstigen Fünftklässler will Abitur machen

Demnach haben sich 48,9 Prozent, also etwa die Hälfte der ersten Kinder, die im Schuljahr 2012/2013 als Pionierklasse an der Gemeinschaftsschule anfingen, nun für die erste elfte Klasse in der Oberstufe angemeldet – das sind 44 Schüler. Fast die Hälfte des damaligen Einschulungsjahrgangs ist damit in der Oberstufe ankommen. „Das zeugt auch von der hervorragenden pädagogischen Arbeit unserer Gemeinschaftsschule und dass diese Schulform funktioniert“, so Sozialbürgermeister Andreas Osner.

Sechs weitere angehende Abiturienten kommen von der Realschule, von Konstanzer Gymnasien und von einer Schweizer Schule. Schüler aus der Gemeinschaftsschule Steißlingen haben sich nicht angemeldet.

Viele machen lieber erst den Realschulabschluss

„Vor zwei oder drei Jahren war noch nicht sicher klar, ob es hier eine Oberstufe geben wird“, sagt Großkreutz. „Viele haben sich dann nachvollziehbarerweise entschieden, den sichereren Weg zu gehen und erst einmal einen Realschulabschluss zu machen.

Diese Schüler machen ihren Weg jetzt in den beruflichen Gymnasien.“ Andere Schüler, mit denen gerechnet worden war, hätten die Notenhürde von 2,3 in der Realschul-Abschlussprüfung doch nicht geschafft. Die Hürde für die Oberstufe an beruflichen Gymnasien, zu denen Gemeinschaftsschulen beim G9-Abi in Konkurrenz stehen, liegt bei 3,0.

"Dinge, die neu sind, brauchen Zeit"

Großkreutz betont, dass die Prognose immer lautete, mittelfristig auf 60 Anmeldungen zu kommen – nicht schon im ersten Jahrgang. „Dinge, die neu sind, brauchen Zeit“, so Großkreutz. Dass es noch im Juli vor der Ausgabe der Jahreszeugnisse ausgerechnet 60 Voranmeldungen für die gymnasiale Oberstufe gab – 60 war die magische Hürde für die Genehmigung der Oberstufe – sei ein Zufall. „Natürlich ist uns diese Punktlandung auch aufgefallen. Aber alle Voranmeldungen sind nachweisbar abgeheftet und einsehbar.“

Dennoch: Zehn Schüler sind abgesprungen und somit wird es statt drei geplanten elften Klassen im kommenden Schuljahr nur zwei elfte Klassen geben. Lernen sollen die angehenden Abiturienten dann in einem Anbau auf dem Grundstück der Schule. Dieser ist schon weitgehend geplant. Die nun veröffentlichten Anmeldezahlen hätten keine Auswirkungen auf den Bauplan, so Uwe Schurer vom Amt für Bildung und Sport: „Wir reichen ein Raumprogramm für drei Züge ein“.

Bau kostet neun Millionen Euro

Denn rund 150 Schüler zählen derzeit jüngere Jahrgangsstufen an der Konstanzer Gemeinschaftsschule. „Wenn davon wie jetzt die Hälfte Abitur machen will, brauchen wir diesen Bau wie geplant.“ Vier, möglicherweise sogar fünf Geschosse mit rund 1400 Quadratmetern Nutzfläche sind angedacht. Kostenpunkt: 8,15 Millionen für den Hochbau, plus 1,1 Millionen Euro für die Ausstattung, darunter Räume für Naturwissenschaften, Musik und Kunst. Rund drei Millionen Euro Fördergelder erhofft sich die Stadt dafür in gut zwei Jahren vom Land, wenn der Bau fertig sein soll und es neue Anmeldezahlen gibt.

Unterdessen sieht die Konstanzer CDU-Fraktion die Raumplanung und die Anmeldezahlen kritisch. „Die Nachricht über das geringe Interesse an der Oberstufe der Gemeinschaftsschule hat uns überrascht“, teilte Stadtrat Roger Tscheulin mit.

Roger Tscheulin, CDU-Stadtrat.
Roger Tscheulin, CDU-Stadtrat. | Bild: Scherrer, Aurelia

Vertreter anderer Schularten hatten die Oberstufe an Gemeinschaftsschulen zuvor immer wieder als kostspieliges Experiment kritisiert.