Vorläufiger Baustopp in der Schwaketenstraße: Nachdem die Gewerbeaufsicht des Landratsamts in Proben der alten Fassadendämmung krebserzeugende Gefahrenstoffe entdeckt hat, muss das Unternehmen Vonovia die Sanierung ruhen lassen.

Vonovia: Kein genereller Baustopp

Vonovia bestätigt die Probenentnahme und eine Unterbrechung der Bauarbeiten. "Wir gehen davon aus, dass wir frühestens Ende nächster Woche mit den Arbeiten weitermachen können", teilt Unternehmenssprecherin Nina Henckel mit. Es handele sich nicht um einen generellen Baustopp.

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Laut der vorliegenden Analyse des Prüfinstituts Fresenius wurde in der Mineralwolldämmung Faserstaub entdeckt. Diese winzigen Stoffe können tief in die Atemwege vordringen und Lungenkrebs auslösen. Winfried Kropp, Sprecher des Mieterbundes Bodensee, sagt: "Die Gesundheitsgefährdung ist entstanden, weil die Dämmwolle nicht sachgerecht abgetragen wurde."

Mieter beschweren sich über "schreckliches Baustellenmanagement"

Mehrere Bewohner haben sich laut Mieterbund zuletzt "über ein schreckliches Baustellenmanagement beklagt". Unter anderem seien sie erst am Abend informiert worden, dass am Folgetag das Wasser abgestellt werde. Außerdem sei die Dämmwolle bei geöffneten Wohnungsfenstern von oben nach unten geworfen worden.

Vonovia verspricht: Es liegt aktuell keine Gesundheitsgefährdung vor

Die Vonovia widerspricht den Vorwürfen. Nina Henckel erklärt: "Durch den sachgerechten Umgang mit der Steinwolle liegt keine akute Gesundheitsgefährdung der Mitarbeiter und der Mieter vor." Das Unternehmen gehe nicht davon aus, "dass sich künstliche Mineralfasern in den Wohnungen befinden. Inwieweit wir weitere Vorsichtsmaßnahmen vornehmen, prüfen wir derzeit gemeinsam mit dem Gewerbeaufsichtsamt".

Dies fordert unter anderem, betroffene Fenster mit Folie zu verkleiden und Mineralwollreste auf dem Boden "unverzüglich staubdicht zu verpacken". Laut Henckel habe Vonovia diese und weitere Vorsichtsmaßnahmen getroffen.

Bauvorhaben soll nach weiterer Probe neu bewertet werden

Die Mieter seien ferner per Aushang über den vorläufigen Baustopp informiert worden, ihre Fragen sollen am Mittwoch in einer Sprechstunde beantwortet werden. Winfried Kropp vom Mieterbund spricht dagegen von "massiv verunsicherten Bewohnern, die mögliche Gesundheitsgefährdung sorgt für weitere Angst".

Die alte Fassadendämmung enthält krebserzeugende Gefahrenstoffe.

Vonovia will die vorliegende Probe am Donnerstag noch einmal prüfen lassen und rechnet mit einem Ergebnis in der kommenden Woche. Danach soll das Bauvorhaben in der Schwaketenstraße neu bewertet werden. Winfried Kropp kündigt an: "Der Mieterbund und hoffentlich auch die Gewerbeaufsicht werden genau darauf achten, ob Recht und Gesetz auf der Baustelle eingehalten werden, es geht um die Gesundheit der Mieter."

Gewerbeaufsicht droht mit Bußgeld- und Strafverfahren

Das Gewerbeaufsichtsamt behält sich nach dem Fund des Gefahrenstoffs vor, ein Bußgeld- oder Strafverfahren gegen beteiligte Unternehmen einzuleiten. Sicher ist bereits jetzt: Die Analyse wird das Landratsamt dem Bauherrn oder einem mit der Baustelle beauftragten Dritten in Rechnung stellen.