Überraschung in Dettingen: Die Flüchtlinge sind weg. Als Grund nennt Ludwig Egenhofer, Leiter des Amts für Migration und Integration im Landratsamt, dass vergangene Woche nachts habe die Höchsttemperatur in der ehemaligen Tennishalle nur zehn Grad, tagsüber bestenfalls 15 Grad betragen habe.

Nachdem Heizungstechniker keine Besserung erreichen konnten, sei die Räumung der Halle beschlossen worden. Mit dem Bus seien etwa 60 Personen in die Gemeinschaftsunterkunft Herrenland, dem ehemaligen Dekorsy-Gebäude, gebracht worden. Zuletzt waren in Dettingen Familien und alleinstehende Männer untergebracht, wie Egenhofer erklärt. Der Umzug sei weitgehend problemlos verlaufen. Lediglich vier Männer hätten sich anfangs geweigert. "Das ging alles ohne Polizei vonstatten", beruhigt er.

Herausforderung für den Freundeskreis Asyl Radolfzell

Ob überhaupt oder wann die Halle weiterhin als Flüchtlingsunterkunft dienen wird, Egenhofer noch nicht sagen. Im Laufe der Woche solle es dazu weitere Überlegungen geben. Die Schüler müssten vorerst nicht in die Schule. Das sieht er ganz entspannt und pragmatisch: "Das ist, als ob sie zwei Wochen krank sind", betont er. Eine Herausforderung gebe es allerdings für das Haus der Vielfalt und den Freundeskreis Asyl Radolfzell. Dort seien plötzlich rund 30 Kinder mehr zu betreuen.

Ortsvorsteher Roger Tscheulin war vom Landratsamt über die Hallenräumung informiert worden. Die Verbundenheit der Geflüchteten zu Dettingen ist teilweise recht groß. Etwa ein halbes Dutzend Kinder von Familien, die bereits ins Dörfle umgezogen seien, kämen immer noch ins Kinderhaus Sankt Verena, wie der Ortsvorsteher berichtete. "Das ist ein Zeichen, dass sie sich wohlfühlen und gut aufgeboben sind", erklärte Tscheulin.

Sollte das Kapitel der Dettinger Notunterkunft nun doch abgeschlossen sein, würde er folgende Bilanz ziehen: "Sie ist positiv. Die Situation war ganz entspannt und wir hatten sie gut im Griff. Das war für uns im Ort kein Problem". Der Helferkreis habe eine tolle Arbeit geleistet. Die Familien mit Kindern seinen sehr gut aufgenommen worden. Die Menschen, die herkamen, hätten sich sehr bemüht. Die Integration in Vereine habe funktioniert.

Café International bleibt vorerst geöffnet

"Die haben nie gestört und wir kamen gut miteinander zurecht", sagt Anneliese Bek-Frick, Vorsitzende des Tennisclubs Dettingen-Wallhausen, über die bisherigen Nachbarn. Einer der Männer aus der Notunterkunft arbeitet seit einiger Zeit bei ihnen. "Wir sind sehr zufrieden mit ihm. Er ist sehr hilfsbereit und hat sehr schnell gelernt", lobt sie. Leider höre er Ende März auf, denn vor einigen Monaten sei er bereits in die Unterkunft Dörfle im Stromeyersdorf umgezogen.

Rainer Assfahl und Bernd Kaiser engagieren sich im Helferkreis und im Café International, das zwei Mal pro Woche als Treffpunkt geöffnet hat. Bis Mitte des Monats werde das Café auf jeden Fall weiter angeboten, erklärt Assfahl. Es kämen immer wieder Geflüchtete, die bereits in die Stadt umgezogen seien, erläutert Kaiser. Auch Interessenten sollen nicht vor verschlossenen Türen stehen. "So lange nicht klipp und klar ist, wie es mit der Notunterkunft weitergeht, warten wir ab", betont Kaiser.