Auf den Gängen ist es still. Keiner huscht zwischen den Bücherregalen hin und her. In den Leseecken wird nicht geschmökert. An einem gewöhnlichen Dienstag kommen zwischen 600 bis 800 Besucher in die Stadtbibliothek. Doch dies ist kein gewöhnlicher Tag.

Vor der Conora-Krise wäre es ein Bild mit Seltenheitswert gewesen. Jetzt sind die leeren Gänge in der Stadtbibliothek zur Normalität geworden.
Vor der Conora-Krise wäre es ein Bild mit Seltenheitswert gewesen. Jetzt sind die leeren Gänge in der Stadtbibliothek zur Normalität geworden. | Bild: Julia Leiber

Vergangenen Freitag öffnete die Bibliothek das letzte Mal. Vorerst. „Es war ein Schock, da wir uns nicht vorbereiten konnten“, sagt Ulrike Horn, Leiterin der Stadtbibliothek. Sie bedauere die Schließung, da ein öffentlicher, nicht kommerzieller Ort, an dem sich Menschen unabhängig ihrer sozialen Herkunft treffen können, nun wegfalle.

An gewöhnlichen Tagen laden die vielen Sitzgelegenheiten im Lesesaal zum Schmökern und Verweilen ein. Derzeit kommt niemand hierher.
An gewöhnlichen Tagen laden die vielen Sitzgelegenheiten im Lesesaal zum Schmökern und Verweilen ein. Derzeit kommt niemand hierher. | Bild: Julia Leiber

„Dennoch versuche ich das Positive zu sehen“, versichert Horn. Es bleibe Zeit für Dinge, für die im Alltag oft die Zeit fehle. Denn hinter den Kulissen wird fleißig weiter gearbeitet. Was wird in dieser Zeit gemacht?

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Die Liste ist lang: Konzepte für Klassenführungen ausarbeiten, Bestände der Lektorate sichten oder die Bibliothek aufräumen sind nur ein paar der anfallenden Aufgaben.

Sonja Stenzel sichtet den Medienbestand der Kinder- und Jugendbücherei und sorgt für Ordnung in den Regalen.
Sonja Stenzel sichtet den Medienbestand der Kinder- und Jugendbücherei und sorgt für Ordnung in den Regalen. | Bild: Julia Leiber

Da verstärkt Medien zum Thema Nachhaltigkeit gefragt seien, werde seit dieser Woche ein Nachhaltigkeitsbereich zu verschiedenen Themen aufgebaut. „Wir wollen einen zentrierten Platz schaffen, an dem unsere Kunden alle Medien dazu finden“, sagt Horn.

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Zudem soll das Medienangebot durch eine sogenannte Ludothek ergänzt werden. Dazu zählen beispielsweise Spiele und Brettspiele, die ausgeliehen oder in der Kinder- und Jugendbücherei direkt ausprobiert werden können. Diese Idee stehe schon länger im Raum. Nun sei Zeit, sie umzusetzen.

Wo es früher auch mal etwas lauter werden konnte, herrscht in der Sitzecke bei den Bilderbüchern Stille.
Wo es früher auch mal etwas lauter werden konnte, herrscht in der Sitzecke bei den Bilderbüchern Stille. | Bild: Julia Leiber

Im Sommer steht ein neues Projekt an. Ulrike Horn verrät:

„Im Sommer wollen wir mit Lastenrädern als Bibliothek on Tour starten und zum Beispiel in Freibädern auf unser Leseangebot aufmerksam machen.“
„Im Sommer wollen wir mit Lastenrädern als Bibliothek on Tour starten und zum Beispiel in Freibädern auf unser Leseangebot aufmerksam machen.“ | Bild: Julia Leiber

Bis es soweit ist und die Stadtbibliothek wieder öffnen kann, können die Nutzer auf das digitale Angebot weiterhin zurückgreifen. eBooks wurden noch einmal aufgestockt. Auch der Musik-Streamingdienst freegal kann genutzt werden. Ausweise, die während der Schließung ablaufen, werden online verlängert und das Rückgabedatum angepasst.

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Für Lehrer und Schüler gibt es für die unterrichtsfreie Zeit ein weiteres Angebot: „Wir stellen eine Linksammlung zum Thema Recherche auf unserer Homepage zusammen, die auch ohne Leseausweis frei verfügbar sein wird“, berichtet Horn.

Diese Kinder- und Jugendbücher landen normalerweise in den Medienkisten für Schulen. Diese dienen zur Leseförderung und der Entwicklung von Medien- und Informationskompetenz.
Diese Kinder- und Jugendbücher landen normalerweise in den Medienkisten für Schulen. Diese dienen zur Leseförderung und der Entwicklung von Medien- und Informationskompetenz. | Bild: Julia Leiber

Trotz der vielen Aufgaben freut sich die Bibliotheksleiterin vor allem auf eines: „Wenn unsere Leser wieder zu uns kommen.“