Konstanz Was wird aus dem Konstanzer Flugplatz? Beteiligte machen sich gemeinsam ein Bild vor Ort

Seit Jahren wird heiß um eine der begehrtesten Flächen am Stadtrand von Konstanz diskutiert. Jetzt trafen sich zahlreiche Beteiligte und Betroffene, um sich gemeinsam auf den neuesten Stand zum Thema Flugplatz zu bringen.

Naturschutzgutachten, Gewerbeflächenkonzept, HQ100-Zone: Bei einem Treffen auf dem Konstanzer Flugplatz zu einer möglichen Umnutzung des Geländes fielen zahlreiche Fachbegriffe. Vertreter des Flugplatzes, der Stadt, des Regierungspräsidiums sowie des Petitionsausschusses des Landtags und ein Forscher der Uni Konstanz sahen sich gemeinsam das Areal an, um das bereits seit Jahren heißt diskutiert wird. Behält Konstanz seinen Flugplatz oder wird er Baufläche für Gewerbebetriebe? Eine Antwort auf diese Frage gibt es noch nicht, aber alle Beteiligten und Betroffenen saßen zum ersten Mal zusammen und sind nun auf einem Wissenstand. Denn genau dies war zuvor nicht der Fall, wie das Treffen ergab, bei dem der Konstanzer IT-Unternehmer und Hobby-Flieger Peter Magulski Fakten zum Flugplatz und Alternativen für Gewerbeflächen präsentierte.

Nicht allen waren alle Aspekte bekannt und auch erst bei der Versammlung wurde endgültig klar: Das Gewerbeflächenkonzept, das manche schon als entschieden angesehen hatten, ist bisher nur ein Vorschlag. Der Gemeinderat hat noch nichts beschlossen. Die Zukunft des Flughafen-Areals ist damit noch offen. Silvia Löhr, Leiterin des Justiziariats, erklärte: "Es gibt noch keine Entscheidung über eine Schließung des Flugplatzes und eine Nutzung des Geländes."

Horst Rieker, luftfahrtechnischer Sachverständiger des Regierungspräsidiums Freiburg, erklärte in diesem Zusammenhang, dass eine Umwidmung des Geländes und Aufhebung der bisherigen Nutzung ein sehr kompliziertes Verfahren sei. Rieker, wie auch Magulski stellten dar, dass das Gelände für eine Bebauung nur in Teilen geeignet sei, denn bei Hochwasser ab dem Stand eines hundertjährigen Hochwassers sei das Gebiet überflutet. Die fachliche Klassifizierung lautet HQ100-Zone. Flugschulbetreiber Bernd Stadelhofer erinnerte sich: "Beim Hochwasser 1999 konnte man auf dem Flugfeld Forellen fangen."

Auf der Liste der Eignungshindernisse für die Bebauung sammelten Magusksi, Rieker, Stadelhofer und Flugplatz-Geschäftsführer Helge Kropat diverse weitere Punkte: Die alten Segelflugplätze, die beim Seenachtfest und Rock am See Zelt- und Parkplätze bieten, seien nicht ersetzbar. Es gebe dafür keine Ausweichmöglichkeiten. In Sachen HQ100-Zone kommt über die Wasserhoheit das Landratsamt ins Spiel und die Stadt hat nicht die alleinige Entscheidungsbefugnis bei diesem Gelände. Zudem sei der Boden kein guter Baugrund. Stadelhofer erzählte, dass Altana bereits vor 35 Jahren ein Bodengutachten erstellen lassen habe und sich das Unternehmen dann für Singen entschieden habe. Der 63-Jährige kritisierte auch, dass "sich niemand die Zeit genommen hat, zu schauen, wie der Luftverkehr jetzt und in Zukunft aussieht". Konstanz würde sich buchstäblich die Zukunft verbauen, wenn der Flugplatz wegfalle, da der Flugverkehr mit neuen Entwicklungen großes Potenzial habe. Magulski führte auch die Sicherheitslage als Argument für den Erhalt des Flugplatzes an.

"Es gibt etwa 240 Anflüge jährlich von Rettungsdiensten und der Polizei", erklärte er. Dieser Aspekt der Lebensrettung und Sicherheit sei in den Diskussionen bisher nie erwähnt worden. Im Verlauf der Diskussionen führte Stadelhofer diesen Punkt noch weiter, da die Stadt im Fall einer Katastrophe nur den Flugplatz als Evakuierungsfläche habe: "Er wäre die einzige verbliebene Fläche dafür." Ein weiterer bedeutender Punkt sei der Lärmschutz vor großen Flugzeugen, den der Flugplatz derzeit Konstanz und der Region biete. Unter Berücksichtigung der Höhe von Konstanz über dem Meeresspiegel müssen Passagiermaschinen in mindestens 1600 Metern Höhe fliegen. Fiele der Flugplatz weg, läge die Grenze nur noch bei 1200 Metern. "Dann wird es hier lauter", folgerte Stadelhofer. Er zog schließlich einen Vergleich mit dem Ausstieg der Briten aus der Europäischen Union: "Erst raus und sich dann erst mit den Konsequenzen beschäftigen."

Magulski bemängelte noch, dass es bei der Erstellung des Gewerbeflächenkonzepts keine Abwägung der Wichtigkeit des Flugplatzes gegeben habe, obwohl der Landesentwicklungsplan dies verlange. Nach diesem Plan müsse der "Flugplatz sogar entwickelt, statt geschlossen werden". Er verwies auf methodische Fehler und kritisierte das Verhalten der Stadtverwaltung, was die Treuepflicht als Mitgesellschafterin sowie die Informationsweitergabe angehe. Der Flugplatz-Befürworter stieß damit eine längere, aber ruhige Diskussion über das Konzept, wie weit das Ende der Einrichtung sicher ist und die Zuständigkeiten beziehungsweise Abläufe von Konzept- sowie Gutachtenerstellungen und Abstimmungen im Gemeinderat an.

Die Abwägung der Bedeutung des Flugplatzes, deren Fehlen Magulski kritisiert hatte, folge erst noch im weiteren Ablauf der endgültigen Gewerbekonzepterstellung für den Gemeinderat, erklärte Marion Klose vom Amt für Stadtplanung und Umwelt.

Vertreter der ehrenamtlichen Segelfluggruppe sorgen sich um den Verein. "Wir sind alternativlos vom Flugplatz abhängig", erklärte Maik Schnurrer in der Versammlung. Helmut Jungmann, der Jugendlichen das Fliegen beibringt, bat darum, die ehrenamtliche Jugendarbeit bei Entscheidungen über die Zukunft des Flugplatzes zur berücksichtigen. Das Machen eines Flugscheins trage zur Erziehung zu Verantwortung bei, sagte er.

Auch die Vertreter der Stadt warben um Verständnis. Es gebe nur beschränkte Entwicklungsmöglichkeiten, sagte Silvia Löhr. Dies seien der Hafner und der Flugplatz. Nun stelle sich die Grundsatzfrage, wie man mit diesen Flächen umgehe. Die Stadt wolle sich weiterentwickeln. Horst Rieker verwies auf einen Kompromissvorschlag, der bereits vor einem Jahr entstanden ist: Landebahn und Flugbetrieb erhalten und daneben bauen.

Unter den Anwesenden war auch Martin Wikelski, Professor für Ornithologie an der Universität Konstanz und Direktor des Max-Planck-Instituts für Ornithologie Radolfzell, der ein internationales Forschungsprojekt betreibt, bei dem der Flugplatz eine große Rolle spielt. Konstanz sei extra wegen des Flugplatzes ausgesucht worden und das Projekt erhalte jährlich mehrere Millionen Förderung.

Wie geht es nun weiter? Jürgen Keck von der Radolfzeller FDP und Mitglied im Landtag, der das Treffen leitete, nimmt die gesammelten Informationen und Meinungen in den Petitionsausschuss des Landtags mit. Er fungiert in dieser Sache als Berichterstatter im Ausschuss. Marion Klose erklärte den Anwesenden, dass derzeit die Erstellung von Naturschutz- und Gewerbe-Gutachten laufe. Das Ergebnis eines Wertschöpfungsgutachtens werde noch in diesem Jahr erwartet. Horst Rieker stellte klar: "Wir sind daran interessiert, dass die Luftmobilität erhalten bleibt." Dass eines der Gutachten bereits seit anderthalb Jahren auf sich warten lässt, kritisierte vor allem Bernd Stadelhofer, der als Gewerbetreibender fehlende Planungssicherheit bemängelte. Tim Kemnitzer vom Ministerium für Verkehr und Infrastruktur Baden-Württemberg verwies noch darauf, dass die Genehmigung des Flugplatzes durch das Regierungspräsidium eine öffentlich-rechtliche Betriebspflicht beinhaltet. "Der Betreiber kann sich dieser nicht so einfach entziehen."

 

Die Geschichte und Vorschläge

  • Der Flugplatz Konstanz entstand im Jahr 1958, als am 3. Dezember ein Landeplatz für Motorflugzeuge und ein Segelfluggelände genehmigt wurde. Diese erste Genehmigung war bis 1966 befristet. Diese Erlaubnis wurde fortgeführt und später erweitert. Ab 1978 wurde der Flugplatz auch ein Landeplatz für den allgemeinen Verkehr. Laut Angaben der Stadt erhielt der Flugplatzbetreiber immer eine Genehmigung auf fünf Jahre. Der derzeitige Vertrag läuft bis 2017 mit einer Option auf Verlängerung bis 2022, die der Flugplatz-Geschäftsführer laut eigenen Angaben Anfang des Jahres geltend gemacht hat. Flugplatzgeschäftsführer Helge Kropat begründete die ältere Ausstattung des Geländes mit der Planungsunsicherheit, die die Verträge mit sich bringen. Auf dem Areal gibt es das Flugfeld, Tower, mehrere Hallen, eine Tankstelle, zwei Flugschulen sowie Vereine. Ein Teil der Flugplatz-Fläche ist HQ100-Zone, was bedeutet, dass sie im Falle einen hundertjährigen Hochwassers (Überschreiten einer bestimmten Marke) überflutet ist.
  • Diskussion um Fortbestand: Das Areal des Flugplatzes ist seit Jahren Gegenstand von Überlegungen für neue Gewerbeflächen. Laut Aussagen beim Treffen am Montag auf dem Flugplatz stehen der Stadt nur zwei Flächen zur Entwicklung zur Verfügung: Der Hafner und der Flugplatz. Letzteres sei bereits seit den 1970er-Jahren wie ein Damoklesschwert, so der Flugplatz-Geschäftsführer.
  • Ideen für alternative Gewerbeflächen hat Peter Magulski zusammengestellt. Seine Liste mit Vorschlägen für bestimmte Flächen umfasst rund 800 000 Geschoss-Quadratmeter und beinhaltet zum Beispiel das Verlegen von Parkplätze im Industriegebiet die Erde oder die Überbauung. Die komplette Aufstellung, die von Parkplätzen über Kleingärten und zum Beispiel auch das Gelände am Brückenkopf Schänzle Nord gibt es im unter www.pro-flugplatz-konstanz.de

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