Es ist eine Situation, die Unbehagen hervorruft: Eine Person bricht zusammen, der Rettungsdienst wird alarmiert, der Notarzt ist schließlich vor Ort und versucht, dem Patienten zu helfen. Unterdessen sammeln sich so viele Personen um die Szene, dass die Rettungskräfte sich in ihrer Arbeit behindert fühlen und die Polizei rufen, um sich mehr Raum und die nötige Ruhe zu verschaffen – so der Bericht der Polizei über einen Vorfall vergangene Woche am Bodanplatz.

Dass bei Unfällen gefilmt wird, ist heute üblich

José da Silva, Rettungsdienstleiter beim DRK Kreisverband, war zwar nicht persönlich bei dem Einsatz dabei, kennt aber das Problem: Umstehende und Passanten seien aufdringlicher als früher. "Es wird sehr viel gefilmt und auf Facebook gestellt", sagt er, der Trend sei nicht zu übersehen. Durch die sozialen Medien werde das noch weiter zunehmen. Es sei aber auch nicht die Regel, dass Rettungseinsätze durch Passanten behindert werden. "Ich hoffe, dass es sich um eine einmalige Situation handelt." Sollte so etwas noch häufiger vorkommen, müsse man sehen, wie man damit umgeht.

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Wie die Polizei den Vorfall am Bodanplatz erlebt hat

Streifenpolizist Eduard Zerr wiederum hat die Szene am Bodanplatz unmittelbar miterlebt. Er berichtet, dass sich die Situation schon etwas entspannt habe, als er und seine Kollegen vor Ort eintrafen. "Es ging hauptsächlich darum, den Rettungskräften Platz zu verschaffen", sagt Zerr, er und seine Kollegen hätten sich zu viert um die Rettungskräfte positioniert. "Einzelne Passanten haben sich in etwa eineinhalb Metern Entfernung aufgestellt, um die Szene zu beobachten."

Auch einige Autofahrer seien in den Sitzen aufgestanden und sichtlich bemüht gewesen, etwas mitzubekommen. Mehrere Personen hatten Handys in der Hand und filmten. Ein Kollege habe die Aufgabe übernommen, die Passanten zu bitten, weiter zu gehen und die Szene nicht zu filmen. Aggressiv habe sich allerdings niemand verhalten und die Rettungskräfte seien auch nicht aktiv bedrängt worden in Anwesenheit der Polizei.

Wie sehen es die Malteser?

Stefan Senn, stellvertretender Bezirksgeschäftsführer bei den Maltesern, bestätigt den Bericht der Polizei aus Sicht seines Mitarbeiters, der als Fahrer des Rettungswagens vor Ort war. Die Rettungskräfte seien nicht aktiv belästigt worden, sondern eher durch Umstehende in ihrer Arbeit behindert worden. Dennoch nehme eine solche Behinderung der Helfer durch ein pietätloses Verhalten von Passanten in jüngster Zeit zu, sagt Senn.

Verhielten sich Passanten früher respektvoller?

"Das Gefühl für die nötige Distanz nimmt ab", erläutert Senn, "Menschen bleiben stehen bei Einsätzen, bei denen man nicht stehen bleiben sollte". Im jüngsten Fall am Bodanplatz hätten die Rettungskräfte die Passanten darum gebeten weiter zu gehen, diese reagierten jedoch nicht. Diese Form der Respektlosigkeit häufe sich, früher sei es selbstverständlich gewesen, aus dem Weg zu gehen. Senn berichtet auch von direkten Aggressionen: Beim Seenachtfest habe ein Betrunkener eine Bierflasche auf einen Malteser-Rettungswagen geworfen, der im Rettungseinsatz war.

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Wie können die Rettungsorganisationen reagieren?

Wie gehen die Hilfsorganisationen mit solchen Situationen um? Man setze auf Deeskalation und schule die Mitarbeiter dahingehend, sagt Stefan Senn. Es habe auch schon Selbstverteidigungslehrgänge für Malteser gegeben.

Die Polizei beobachtet noch einen weiteren Faktor: Zunehmend filmten Bürger das Vorgehen bei Polizeieinsätzen, um die Videos dann bei den sozialen Medien ins Internet zu stellen. "Das dient wohl auch dazu, um den Polizeieinsatz und die scheinbare Rechtswidrigkeit des Einsatzes zu dokumentieren", sagt Eduard Zerr. Die Polizei verzichte allerdings darauf, dagegen vorzugehen: "Wir sind von der Rechtmäßigkeit unserer Maßnahme überzeugt und lassen uns deshalb davon nicht irritieren."