Das Grundproblem ist der Überfluss.

Mika Behrendt war dabei, sich mit ihrem Mann Gedanken über Weihnachtsgeschenke für die Kinder zu machen. Das tun engagierte Eltern bereits im Oktober. Schließlich sind die Erwartungen hoch, nicht nur der Kleinen, sondern der Großeltern und Freunde, die Tipps haben wollen, was man schenken könnte.

"Wir haben doch schon 499 Bauklötze, habe ich gedacht", berichtet Mika Behrendt, "Was ist mit denen, die nichts haben?"

Wie die Idee aussieht – und was daraus wird

So entstand die Idee der Facebook-Gruppe "Wir sind Konstanz. Weihnachten für Kinder". Mika Behrendt ist nicht allein geblieben, aus ihrem Freundes- und Bekanntenkreis haben sich vier Mitstreiter angeschlossen, die sich jetzt "Orga-Team" nennen.

Ziel ist es, gebrauchtes Spielzeug, das gut erhalten ist, auszusortieren, zu verpacken und an Organisationen abzugeben, die sozial benachteiligte Kinder betreuen. Die Organisationen dürfen die Geschenke dann zu Weihnachten an ihre Schützlinge überreichen. Unter anderem haben die Initiatoren bereits Save me, die Tafel, Pro Familia, Kinder und Jugendheim Linzgau sowie das Waisenhaus in Singen als abnehmende Organisationen angefragt.

Die Resonanz hat die Initiatoren dann doch überrascht

Seit dem 3. Oktober ist die Facebook-Gruppe nun am Start. "Jetzt hat sie bereits mehr als 500 Mitglieder, wir hätten mit 30 bis 50 gerechnet".

Und die Initiative hat eine enorme Spendenbereitschaft ausgelöst. "Wir haben wahnsinnig viel an Spielsachen bekommen, teils neue, teils neuwertige Sachen", sagt Christian Hartwig. Außerdem hätten viele Personen sie angeschrieben, die neue Sachen kaufen wollten, um sie zu spenden, ergänzt Conny Eichhorn. Auch dies nehmen die Initiatoren gern an.

Private Lagerplätze reichen nicht mehr aus

Inzwischen müssen die Organisatoren ein gewisses Maß an Logistik beachten. In allen Privatwohnungen sei ein Teil der Fläche von den Geschenkespenden belegt, berichtet Mika Behrendt. Sie seien auf der Suche nach einem Lagerraum und haben in diesem Sinne mehrere Betriebe angeschrieben. Christian Hartwig ist optimistisch, dass sich demnächst eine Lösung findet.

Den Spendenwilligen bietet die Gruppe einen besonderen Service: die Spielsachen und Kleidung werden jeweils abgeholt, so dass kein Spender viel Zeit opfern muss. Auch über die Frage, was sie tun, wenn die Spenden überhandnehmen, wenn schlicht zu viele Gegenstände abgegeben werden, hat sich das Team Gedanken gemacht: Dann wollen sie auf weitere Organisationen im Landkreis erweitern, einige Anfragen, etwa aus Radolfzell, gebe es bereits.

Mika Behrendt und Christian Hartwig mit einem Teil der Spenden, die im Moment in der Garage eines Nachbarn lagern. Jeder der Organisatoren in etwa dieselbe Menge zuhause gelagert. Bild: Claudia Wagner
Mika Behrendt und Christian Hartwig mit einem Teil der Spenden, die im Moment in der Garage eines Nachbarn lagern. Jeder der Organisatoren in etwa dieselbe Menge zuhause gelagert. Bild: Claudia Wagner | Bild: Wagner, Claudia

Die Aktion kostet vor allem eines – Zeit

Woher nimmt das Orga-Team überhaupt die Zeit, die Aktion zu koordinieren? Immerhin sind fast alle Beteiligten Eltern von kleinen Kindern und berufstätig. "Das fragen wir uns auch manchmal", lacht Mika Behrendt, räumt aber ein, dass alle auch viel Spaß an der Sache entwickelt hätten. Zwei Whatsapp-Gruppen (eine für Sachfragen, eine andere für die Spaß-Kommunikation) helfen dabei, schnell zu kommunizieren.

Im Hintergrund hat die Gruppe noch weitere 15 Personen, die bereit sind, sich am Geschenke-Einpacken zu beteiligen. Mika Behrendt hat einen weiteren Vorteil entdeckt: Die Geschenke kann sie gut gemeinsam mit ihren Kindern einpacken, die begeistert mitmachen. "Damit schenken wir den Kindern auch Zeit. Was uns im Alltag fehlt, ist Familienzeit".

Eigene Kinder sollen mit mehr Familienzeit verwöhnt werden

Und zu welcher Lösung ist Mika Behrendt nun gekommen im Hinblick auf die Weihnachtsgeschenke für die eigenen Kinder?

"Wir verschenken am liebsten Zeit", sagt sie. Unterstützung bekomme sie von ihrer Schwiegermutter, die Gutscheine für gemeinsam verbrachte Zeit, zum Beispiel bei einem Ausflug, liebevoll selbst herstellt und verpackt.

Auch als Mutter wolle sie ihren Kindern weniger Materielles schenken. Sophia Tönnissen stimmt mit Humor ein in die Wohlstandsklage: "Mein Sohn, er ist drei, hat letztes Jahr drei Parkhäuser geschenkt bekommen", sagt sie und mit einem Zögern: "Er hat sich gefreut. Aber er ist doch nicht Donald Trump". Seither gehe sie auch rigoroser vor und bitte Familienangehörige, weniger zu schenken.

Ganz nebenbei habe das Projekt einen enormen pädagogischen Wert, darin sind sich alle Eltern einig. Ihre Kinder lernten, die eigenen Sachen auszusortieren und etwas von den liebgewordenen Spielsachen abzugeben und weiter zu schenken.

Aus eigener Erfahrung weiß jeder Erwachsene, dass das eine gute und anspruchsvolle Übung ist.

Link zur Gruppe: https://www.facebook.com/groups/306222510196212