Drohnen könnten in wenigen Jahren das Rettungssystem auf dem Wasser sinnvoll ergänzen. Diese Überzeugung hat die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Konstanz bei Tests mit einer wasserdichten Drohne gewonnen. Das Fluggerät ist ausgestattet mit einer Kamera und einem Befestigungssystem, das den Transport von Gegenständen ermöglicht.

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Seit wann experimentiert die DLRG Konstanz mit Drohnen?

Die ersten Versuche mit Drohnen unternahm die Konstanzer DLRG bereits im Winter 2011/12. „Wir hatten da einen starken Winter mit viel Eis.“ Vom Ufer aus „erkennt man nicht jedes Loch“, berichtet der Vorsitzende Clemens Menge. Dass Drohnen eine gute Alternative zu Hubschraubern sein können, zeigte auch der Ölunfall im Wallhauser Hafen im Sommer 2018. Das von einer Drohnenkamera übermittelte Video hatte schnell verwertbare Erkenntnisse gebracht.

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Wann kam es zum ersten Ernstfall mit Drohneneinsatz?

Wir haben die Test-Drohne in den Wachdiensten ausprobiert, wenn nicht viel los war“, berichtet Menge. Während einem der Testflüge hatte in gut hundert Meter Entfernung einer von drei Jugendlichen um Hilfe geschrien, er könne nicht mehr. „Ich habe bei ihm das Restube abgeworfen und damit die Situation entschärft“, schildert er den glücklichen Verlauf.

Der DLRG-Vorsitzende Clemens Menge zeigt ein Restube, eine aufblasbare Schwimmboje. Eine Rettungsdrohne kann zu einem in Not geratenen Schwimmer fliegen und bei ihm das Restube abwerfen.
Der DLRG-Vorsitzende Clemens Menge zeigt ein Restube, eine aufblasbare Schwimmboje. Eine Rettungsdrohne kann zu einem in Not geratenen Schwimmer fliegen und bei ihm das Restube abwerfen. | Bild: Nikolaj Schutzbach

Das Restube ist eine aufblasbare Schwimmboje. Das kleine, kompakte Päckchen kann von der Drohne problemlos transportiert werden. Ein einfacher Haltemechanismus ermöglicht die schnelle und sichere Ablage direkt beim Hilfesuchenden.

Was sind die Vorteile der Drohnen?

Die Drohne des Herstellers Swellpro kann auf dem Wasser landen und ist auch schwimmfähig. Da sie wasserdicht ist, fliegt sie auch bei Regen. „Ist der Akku leer, dann landet sie einfach auf dem Wasser“, erklärt Clemens Menge.

Ein weiterer Vorteil sei, dass sie im Ruhezustand kaum Energie verbrauche. Im Vergleich zu anderen Drohnen sei sie trotzdem sehr schnell einsatzbereit. „Nur zehn Sekunden dauert es, bis sie losfliegen kann“, betont er.

Wo liegen bisher noch die Nachteile?

Den vielen Vorteilen stehe bisher eine im Vergleich schwächere Kamera gegenüber. „Und der Zielanflug ist mit der getesteten Drohne noch ein bisschen knifflig“, berichtet der Vorsitzende. Wenn sie weiter draußen sei, müsse sie mithilfe der starr eingebauten Kamera gesteuert werden.

„Wir wünschen uns, dass die Kamera mehrfach gelagert ist. Das ist aufwendig, aber das würde funktionieren. Ich hoffe, dass wir eine weiterentwickelte Version zum Testen bekommen“, erklärt Menge.

Wann könnte das System zum DLRG-Alltag werden?

„Es dauert sicher noch zwei bis drei Jahre, bis das Konzept ausgereift ist“, sagt Menge. „Ich sehe in dem System eine Unterstützung für den Wachdienst und in der Aufklärung. So sei es beispielsweise bei großen Entfernungen selbst mit dem Fernglas manchmal schwer, eine Situation richtig beurteilen zu können. „Da kann ich schnell mit der Drohne rausfliegen“, betont er.

Die Möglichkeiten der Drohnenunterstützung sieht Menge noch nicht als ausgereizt an. Ausgestattet mit einer Wärmebildkamera, sei dann auch eine Suche zu Land möglich. „Mit einer Drohne kann ich mit weniger Personal und Material ein Gebiet schneller absuchen“, ergänzt Menge.

Welche Einsätze beschäftigen die DLRG-Helfer noch immer?

In der Jahres-Einsatzstatistik der DLRG Konstanz gibt es Ereignisse an zwei Tagen, die für die Wasserretter traumatische Erlebnisse waren: ein Notfall in Wallhausen am 6. Juli und ein Unglück beim Megathlon am 14. Juli.

Der 6. Juli wird wohl als einsatzreichster Tag des Jahres in die Statistik der DLRG Konstanz eingehen. An diesem Morgen wurden auch Mareike Maier (25 Jahre) und die 19-jährigen Zwillinge Lukas und Christoph Schumann zu einem Einsatz ins Strandbad Wallhausen gerufen.

Christoph und Lukas Schumann und Mareike Maier waren beim Unglücksfall in Wallhausen im Einsatz. Dass dem Patienten nicht mehr zu helfen war, ist für sie eine große Belastung.
Christoph und Lukas Schumann und Mareike Maier waren beim Unglücksfall in Wallhausen im Einsatz. Dass dem Patienten nicht mehr zu helfen war, ist für sie eine große Belastung. | Bild: Nikolaj Schutzbach

Wie erinnern sich die drei DLRG-Helfer?

Bei der Rettung eines vermissten Schwimmers hatten sie nicht viel zu tun. Auf der Rückfahrt fuhren sie gerade durch Dingelsdorf, da wurden sie erneut nach Wallhausen gerufen. „Das war ein bisschen unglaubwürdig, eine Reanimation am gleichen Ort“, erzählt Mareike Maier, was ihr in dem Moment durch den Kopf ging. „Als wir ankommen, sehen wir den Bademeister bei einer Reanimation. Ich habe mich ausgerüstet und dann den Bademeister abgelöst“, erzählt Christoph Schumann.

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Auch in diesem Fall gelingt die Wiederbelebung. Trotzdem verstirbt der Patient einige Zeit später. „Er hatte eine neurologische Vorerkrankung“, erklärt Lukas Schumann. Solche Einsätze belasten. Geholfen hat den Helfern, dass sie bereits auf der Rückfahrt viel miteinander gesprochen haben und später durch das Einsatznachsorgeteam betreut wurden.