Man will es gar nicht mehr glauben, dass die Deutsche Bahn ihre Station im Herzen des Oberzentrums Konstanz noch barrierefrei ausbaut. Seit Jahrzehnten wird zu Recht beklagt, dass Fahrgäste mit schweren Koffern, Familien mit Kinderwagen, Senioren oder Menschen mit Behinderung nur mühsam, oft nicht ohne fremde Hilfe und bisweilen gar nicht zum Zug kommen. Dass es nun bis mindestens 2021 dauern soll mit der Barrierefreiheit, ist eine neuerliche Unverschämtheit des Staatskonzerns seinen Kunden gegenüber.

Denn es ist nicht so, dass die Bahn nicht liefern könnte. Sie will es nicht, weil ihr das einzige Angebot schlicht zu teuer ist. Ja, es ist derzeit schwierig, am Bau überhaupt Firmen zu finden und von diesen faire Preise zu bekommen. Das kann aber nicht die Begründung dafür sein, breiten Bevölkerungsgruppen die Teilhabe an einer öffentlichen Dienstleistung zu verweigern oder zu erschweren. Doch wenn preistreibende Prestigeprojekte wie die neue ICE-Strecke Nürnberg-Berlin oder Stuttgart 21 die Milliardenbudgets binden, bleibt für die Fläche einfach zu wenig übrig.

Die Bahn könnte den Kunden entgegenkommen, indem sie die Schwarzwaldbahn künftig an der bereits seit Jahren barrierefreien Station Fürstenberg oder nach Abschluss des Endlos-Umbaus in Wollmatingen halten ließe. Dort ist ein sicherer und bequemer Einstieg möglich. Aber das ist nach dem kaltschnäuzigen Rückschlag von dieser Woche wohl schon zu viel verlangt.